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Metal

Wenn der Ali Höhler klopft

Dethroned zivilisieren mit »War Will Kill Us All« Metal und Hardcore.

Foto: Ronja Hackbart/Insta: @ronjaraeuber.tochter
Rollkommando Abrüstung: Dethroned

Von einem, der es wissen muss: »Du bist ein Schönling, ich hässlich / Dresden bleibt dreckig.« Das rappte einst Gossenboss mit Zett, der die Konsequenz daraus zog und maskiert herumlief, so er nicht in Pieschen an der Kasse eines Spätis stand. Hässlich jedenfalls scheint, wie wenig Dresden präsent ist, wenn es um zeitgenössischen Pop geht. Macht man das Radio an, scheint das Tal der Ahnungslosen von einst nunmehr am Polarkreis 18 zu liegen.

Was die Mehrheit aber nicht hört: Dresden ist reich an Produktionen für Schwermetall und allerlei Hardcorekriegsgerät. Die Betonmischer von Words of Concrete vertreten den hiesigen Beatdown schon eine Weile veritabel. Um die Gorbitzer, die sich zu »Ghettobeat 2.0« in der Dynamo-Trainingsjacke die Kippe am brennenden AfD-Flyer anstecken, war es eine Weile still. Nach »Negative Vibes« (2018) kam lang nix, ehe sie vergangenes Jahr die EP »Most Hated« nachlegten. Darauf auch zu hören: Dethroned. Das Pieschener Quintett hat nun sein eigenes Debüt veröffentlicht: »War Will Kill Us All« ist ein Werk, das leider seinesgleichen sucht. Denn inmitten einer ganz anderen und viel größeren, kriegsfördernden und sozialabbauenden Hässlichkeit namens »Zeitenwende« sind Metal und Hardcore ziemlich leise.

Entsprechend beachtenswert ist die Geschichte von Dethroned: 2019 gegründet, deuteten ihre beiden jüngsten EPs »Primal Instinct« (2022) und »Pieschen Death« (2024) an, dass die Band zwar musikalisch mehr und mehr zu sich fand, nicht aber zwangsläufig zu einer Klassenperspektive.

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Mit »War Will Kill Us All« zeigen die Pieschener, dass sich Form und Inhalt gleichermaßen auf eine höhere Ebene heben lassen. Wer kennt sie nicht: Den untalentierten Zeckenrapper, der kleine Manifeste holpernd herunterbetet, oder die vielleicht schlaue, aber akustisch grausige Schrammelpunkband, der man am liebsten den Stecker ziehen möchte. Dethroned bieten eben nicht nur Antikapitalismus (»Storm the Gates«) und mit »Payday« einen (zugegeben recht platten) Antifaschismus à la Ali Höhler (»Knocking on the front door / Shoot his fucking face / Put the bullet in his brain / Make a fascist pay«) sondern setzen mit dem Titeltrack auch ein Zeichen gegen die Kriegstreiberei. Der Song geht in die Internationale über und weist damit weg vom Abschlachten und hin zum Klassenkampf. In Leipzig findet sich seit kurzem mit einer Niederlassung der US-Rüstungsfirma Covenant eine Raketenfabrik, in Dresden mit Dethroned ein neuer Abrüstungsproduzent – ich wohne mal wieder in der falschen Stadt.

Dethroned haben sich für »War Will Kill Us All« nicht nur besondere Mühe mit den Lyrics gegeben: Wo Bands wie Nasty ihren Groove lieber unterkomplex halten, damit er zieht, friemeln Dethroned melodische Death-Leadriffs drüber, nennen das Stück passenderweise »Nothing to Fear« und machen damit klar, dass bei allem, was sie da in ihre Songs knallen können, noch Luft nach oben ist. Wie die Reise weitergeht, ist entsprechend ungewiss: Der Kehrreim des Titelsongs klingt hübsch sludgy, das Ende von »Storm the Gates« erinnert an das Gegrunze der tschechischen Grindcoreschweinchen Gutalax.

Die Ziele einer Reise aber stehen bereits fest: Anfang 2027 gehen Dethroned auf Europatournee. Durch ein Dutzend Länder tingeln sie von Ende Januar bis Ende Februar als Support für keine Geringeren als die Death-Metal-Jungpioniere Frozen Soul und die vom Metalgott gesandten Darkest Hour. Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.

→ Dethroned: War Will Kill Us All (Subculture for Life/Contra Records)

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.11.2026, Seite 10, Feuilleton

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