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Raumfahrt

Machtdemonstration eines Imperiums

EU bettelt bei Elon Musk um schnelles Internet für Ukraine. Space X boomt und drängt auf Mobilfunkmarkt

Foto: Steve Nesius/REUTERS
»Unter voller Kontrolle Musks«: Tesla-Cybertrucks und Space-X-Starship (Starbase, Texas, 11.10.2025)

Ohne die Gnade des Techbillionärs Elon Musk bricht die ukrainische Verteidigung zusammen. Das gestand ein Sprecher von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch unfreiwillig ein, als er darum bat, die Drosselung des Satelliteninternets »Starlink« für die Ukraine rückgängig zu machen. Space X, der Mutterkonzern von »Starlink«, müsse »die vollständigen Dienste für die Ukraine dringend wiederherstellen, denn die Ukraine benötigt diese kritischen Verbindungen«, sagte er. Anders könnten zur Verteidigung des Staatsgebiets benötigte Drohnen nicht gesteuert werden.

Mitte Oktober hatte Space X die Geschwindigkeit beweglicher »Starlink«-Terminals im militärischen Einsatz gedrosselt. Laut Konzernangaben bieten diese eine stabile Internetverbindung bei Geschwindigkeiten von bis zu 724 Kilometern pro Stunde. Nun schalten sich viele Terminals schon ab 160 km/h ab. Teilweise wurde auch über Verbindungsabbrüche bei 80 km/h berichtet. Beim EU-Gipfel vergangene Woche hatte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij erklärt, durch die Einschränkung könnten bestimmte russische Drohnen nicht mehr bekämpft werden. Auch Angriffe auf russische Ziele seien vereitelt worden.

Unklar blieb zuletzt, inwiefern die Drosselung mit der US-amerikanischen Regierung abgestimmt war. Das Wall Street Journal hatte berichtet, Musk habe im Vorfeld der Entscheidung Gespräche mit mehreren Regierungsvertretern geführt, um Klarheit zu erlangen, wie US-Präsident Donald Trump zu der Angelegenheit stehe. Hingegen betonte US-Außenminister Marco Rubio gegenüber Journalisten, weder Trump noch andere Regierungsvertreter hätten Space X »Änderungen an diesem System« befohlen. »Der Präsident leitet dieses Unternehmen nicht und kann ihm keine Anweisungen geben«, wird er zitiert.

Eine Machtdemonstration war die Drosselung allemal. Gleiches gilt für die jüngsten Space-X-Geschäftszahlen. Laut Quartalsbericht konnte der Konzern seinen Umsatz dank des boomenden KI- und Satellitengeschäfts zuletzt mehr als verdoppeln. Der Gewinn wurde demnach um 161 Prozent auf 14,6 Milliarden US-Dollar hochgeschraubt, wobei die KI-Sparte mit plus 830 Prozent den fettesten Zuwachs verzeichnete und »Starlink« als Umsatzbringer Nummer eins ablöste. Zugleich seien die Ausgaben für neue Rechenzentren in den vergangenen Monaten mehr als verdreifacht worden, heißt es weiter. 16,4 Milliarden US-Dollar seien für KI-Infrastruktur ausgegeben worden.

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Mit den Gewinnen und der verfügbaren Rechenleistung wachsen auch der Einfluss des Musk-Imperiums und die Abhängigkeit anderer KI-Firmen: Das Gros ihrer Gewinne erzielt die KI-Sparte von Space X mit der Vermietung von Rechenleistung an Entwickler wie Anthropic oder Reflection AI. Doch während Space X boomt, schmiert mancher Mieter ab. Allein Anthropic, seines Zeichens Marktführer bei großen Sprachmodellen in den USA, musste laut Wall Street Journal im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von mehr als 80 Milliarden US-Dollar wegstecken. Im Vorjahreszeitraum habe das Minus noch bei 13 Milliarden US-Dollar gelegen.

In der EU bereiten sich derzeit Telekom, Telefonica, Vodafone und Orange auf eine Auseinandersetzung mit Space X vor. Der US-Konzern drängt im Rahmen seiner Expansionsstrategie verstärkt auf den Mobilfunkmarkt und hat sich in den USA bereits umfangreiche Funkfrequenzen gesichert. »Starlink« will satellitengestützte Gespräche und Datenübertragungen über handelsübliche Smartphones anbieten, ist für die »Direct-to-Device«-Technologie bislang jedoch meist auf Kooperationen angewiesen. Um ihre Position zu verteidigen haben Telekom und Co. für die anstehende Neuvergabe von Satellitenfunkfrequenzen in Europa eine Partnerschaft vereinbart.

Space X kann derweil im Kampf um europäische Frequenzen auf Schützenhilfe der US-Regierung zählen. Bislang hat die EU zwei Drittel des Spektrums für heimische Anbieter reserviert. Laut Financial Times vom Montag ist man darüber im Weißen Haus verärgert. Sollte die EU den Marktzugang für US-Unternehmen weiterhin einschränken, drohten »verheerende« Vergeltungsmaßnahmen, heißt es in dem Bericht.

Auch innerhalb des Musk-Imperiums wird um Macht gerungen. So befeuerte der Firmengründer im Rahmen einer Videokonferenz mit Investoren die Gerüchte um eine Fusion seiner größten Unternehmen Space X und Tesla, wie mehrere Medien am Mittwoch meldeten. Während er bei Space X dank Aktien mit mehr Stimmrechten bereits die volle Kontrolle hat, ist seine Vormachtstellung bei der E-Auto-Firma noch ausbaufähig. Schon länger strebt er deshalb größere Beteiligungen an. Würde Space X Tesla schlucken, entstünde ein Megakonzern mit einem Börsenwert von fast 3,5 Billionen US-Dollar – unter voller Kontrolle Musks. Bei der Videokonferenz nannte er den Zusammenschluss eine »gute Idee«. Man könne aber nicht sagen, dass es »mit Sicherheit« dazu komme.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.10.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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