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Love is in the air

Foto: Raquel Cunha/REUTERS

Alle Anzeichen und Auspikationen hatten darauf hingedeutet, dass der Faschist Bolsonaro Junior die Präsidentschaftswahlen in Brasilien gewinnen würde, um den Vormarsch der extremen Rechten in Lateinamerika mit einem Sieg im größten und wichtigsten Land des Kontinents zu krönen, und dann das: Der linkssozialdemokratische Amtsinhaber Lula da Silva gewinnt die Wahl. Ist die Welle jetzt gebrochen? Für die Hinterhofpläne des Finsternisfürsten Marco Rubio aus dem US State Department ist der Wahlausgang sicherlich ein herber Dämpfer. Aber wird Lula seine Politik fortsetzen können?

Die Skepsis überwiegt. Die dänische Politiken beschreibt das so: »Der Sieg von Lula bedeutet keineswegs, dass die Politik und der harte Wertekampf in Brasilien in den nächsten vier Jahren nach links weisen werden. Die Rechte hat nämlich im nationalen Parlament und in den Bundesstaaten deutlich an Boden gewonnen.«

Zumal, wie die Süddeutsche Zeitung urteilt, der alte und neue Präsident keine Antwort auf die drängenden Fragen der Nation gefunden hat: »die überbordende Kriminalität, die Korruption bis in die höchsten Posten der Politik und die Verschuldung vieler Menschen«. Der schiere Umstand, »dass der Sohn des Ultrarechten Expräsidenten Jair Bolsonaro so weit kommen konnte, wirft einen Schatten auf den Wahlgewinner da Silva«.

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Woraus nun die FAZ einen Trend ableitet. Dass nämlich »ein Mitglied der Bolsonaro-Familie noch einmal so weit kam, zeigt, dass die gesellschaftliche Anziehungskraft des Rechtspopulismus auch in Brasilien ungebrochen ist«. Womit wiederum die Welt nur bedingt ein Problem hat, allein das bisherige Personal taugte nichts: »Am Ende läuft alles auf eine einfache Wahrheit hinaus: Um die geschmierte Machtmaschine Lula da Silva« (raunt da etwa einer was von Korruption?) »zu besiegen, braucht es Format, Charisma und Glaubwürdigkeit. All das hat Flavio Bolsonaro nicht.«

Man weiß jetzt immerhin, wie die Brasilianer so ticken: »Sie wollen einen seriösen Konservatismus« (Welt); »sie wollen zwar mehr konservative Politik, aber keine Rückkehr eines politischen Clans an die Macht« (Handelsblatt).

Vor lauter Baumbarts hat wenigstens das Aftonbladet aus Stockholm noch den Wald im Blick: »Doch nun wird der größte Regenwald der Welt nicht in die Hände eines rechtsnationalistischen Trump-Vertrauten fallen. (…) Lulas Sieg ist daher ein Gewinn für die ganze Welt.« Mindestens. Weshalb schließlich die römische La Repubblica eine fast schon biblische Geschichte erzählt: »Diesmal stand die Demokratie auf dem Spiel. Und er, der in der ersten Runde unterlegen war, ist erneut auferstanden. (…) In Brasilien liebt man ihn oder man hasst ihn. Und gestern abend hat die Liebe gesiegt.« Love is in the air, in the whisper of the trees. (brat)

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.10.2026, Seite 2, Ansichten

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