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Qualle Hawaii

Automatische Kürbiscremesuppe

Foto: jW

Die Kürbiscremesuppe ist ein Klassiker des Maschinenkochens. Gerne wird sie zur Demonstration der einfachen und effizienten Küche durch entweder ein superflexibles Multigerät oder durch verschiedene hochspezialisierte Helferlein benutzt. Dabei muss sich die arme Suppe seit jeher von vielerlei elektronischer und mechanischer Gerätschaft schänden lassen. Es liegt ihr sozusagen in der DNA, vor Publikum gehäckselt, gedünstet, passiert zu werden.

Um alle Arbeitsschritte mühelos zu erledigen, kam bereits 1919 in den USA die erste »Kitchen Aid« auf den Markt, ein vielseitiges Ding mit dutzenden Aufsätzen. Was als Rühr- und Knetmaschine für Bäckereien begann, sollte auch das Heim entlasten. In Europa hielt die »praktische« Revolution hinterm Herd erst in der Nachkriegszeit Einzug – Moulinex, Bosch, Starmix, Komet, RG 28. Bald standen die Rührer und Zerkleinerer in irgendeiner Version in fast jedem Haushalt. Dabei brauchte man sie ein paar Jahre später kaum noch – Tiefkühltruhe und Maggi-Fix-Tüten waren noch weit bequemer und ein topfguckender Mann nicht mehr unbedingt das feuchte Träumchen der Hausfrau. In den 1990ern und 2000ern galten Küchenmaschinen und -gadgets, wie man sie heute nennt, doch eher als Platzverschwender, ungeliebte Erbstücke, gutgemeinte Hochzeitsgeschenke und Fehlkäufe aus dem Teleshopping. Dabei waren sie immer billiger zu produzieren und folglich omnipräsent auf den Ramschtischen der Ausverkaufsläden: Eierspalter, elektrische Brotmesser, Melonenbällchenlöffel, Sandwichtoaster, Waffeleisen, Speiseeisbereiter, Salatschleudern. Zu guter Letzt der Handmilchschäumer – heimliches Maskottchen des Milleniums und ultimativ vielseitiger Laktosevibrator mit AA‑Batterie. Ich hatte ihn fast schon vergessen. An allen vorbei zog klammheimlich eine sehr sonderliche Firma aus Wuppertal, die seit 1971 einen Heizmixer, vor allem für professionelle Küchen in Frankreich, herstellte. Dort schätzt man dicke, gebundene Cremesuppen und Eigelbemulsionen wie Hollandaise, die gleichzeitig warmgehalten und ständig bewegt werden sollten. Nach konsequenter Weiterentwicklung und sektenartiger Vermarktung gaben Menschen auf einmal vierstellige Summen für eine Küchenmaschine aus.

Foto: Maximilian Schäffer Kürbiscremesuppe.jpg
Die Teufelin unter den Suppen des Herbstes
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Was war neu? Die Gelinggarantie: Thermomix versprach spielendes Kochen ohne die leidlich nötige Intuition. Und: Gesundheit. Nix mehr Maggi-Fix, statt dessen drei Schalotten möglichst klein hacken und 5 Minuten in reichlich Butter anschwitzen. 400 g Hokkaido-Kürbis schälen, aushöhlen und das Fleisch in Würfel schneiden, zehn Minuten lang bei niedriger Hitze mitdünsten. 500 ml Gemüsebrühe (bitte ohne Hefeextrakt) hinzu und 200 ml Sahne. Ca. zehn Minuten köcheln lassen, bis der Kürbis weich ist. Dann die Suppe in Ihrem Lieblingsgerät so fein pürieren oder passieren, wie Sie das möchten. Flotte Lotte, Vitamix, Thermomix, Kartoffelstampfer – here we go! Abschmecken mit etwas Muskat, Salz und Pfeffer. Ein Esslöffel Kürbiskernöl pro Teller dazu. Optional Croutons aus Weißbrot oder gerösteten Kartoffeln sowie frische Petersilie und ein paar Kürbiskerne. So einfach, so lecker – und noch einfacher, wenn Ihre zwanzig Küchenhelfer auch in die Spülmaschine passen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.10.2026, Seite 8, Qualle Hawaii

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