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USA

Trump spricht wieder von Vernichtung

Der US-Präsident ist vor den Midterms mit vollem Irrsinn zurück im Wahlkampfmodus und bereitet sein Publikum auf die Rückkehr zum Krieg gegen Iran vor

Foto: Nathan Howard/REUTERS
Tanzend ein Land dem Erdboden gleichmachen: Trump schwört seine Anhänger ein (Grand Island, 5.10.2026)

Wenige Wochen vor den Midterm Elections am 3. November absolviert Donald Trump täglich mehrere Veranstaltungen, auf denen er, unbegreiflicherweise immer noch von einigen tausend oder sogar zehntausend Anhängern bejubelt, immer unverständlichere Dinge von sich gibt. Was zum Beispiel wollte der US-Präsident am Montag abend (Ortszeit) in Grand Island, Nebraska, sagen, als er hohe Preise aufgrund des Iran-Krieges als »kleinen Preis dafür« bezeichnete, »dass die Welt und unser Land sicher bleiben«, und dann anscheinend völlig konfus fortfuhr: Sie – die Iraner – »können eine Stadt beseitigen. Lasst sie Los Angeles beseitigen. Lasst sie San Diego beseitigen.« Die Menge habe zu diesen Worten applaudiert, berichteten die Medien. Der Gouverneur von Kalifornien und die Bürgermeister der beiden Städte zeigten weniger Humor. Gouverneur Gavin Newsom postete auf X, Trump sei »verrückt und gefährlich«.

Dafür spricht der Augenschein. Aber der Präsident selbst sieht sich als Überbringer guter Botschaften. Der Iran-Krieg sei »im wesentlichen fast vorbei«, verkündete er bei seinem Wahlkampfauftritt in Nebraska. »Wir retten die Welt vor etwas, was eine der schlimmsten Tragödien aller Zeiten werden könnte.« »Sie werden keine Atomwaffe haben. Das verstehen sie. Es ist entschieden.« Die hohen Benzin- und Dieselpreise seien nur »künstlich« und vorübergehend. Bald würden sie steil nach unten fallen.

Parallel zu seinen ständig wiederkehrenden Behauptungen, Irans Politiker seien »ganz heiß« auf Verhandlungen mit den USA, weil ihnen das Wasser bis zum Hals stehe, stößt Trump aber auch Vernichtungsdrohungen aus. Kein Zweifel, er sagt jedesmal: »Annihilation«. Das wird weltweit verstanden. Man könnte es auch anders formulieren. Trump denkt gar nicht daran. Das Time Magazine veröffentlichte unter dem Datum 28. September ein ungewöhnlich langes Interview mit dem Präsidenten. Hier ein kleiner Ausschnitt: »In der letzten Woche haben Sie gesagt, sie könnten Iran vernichten.« – »Ja, das würde ich tun. Es ist möglich.« – »Sie haben diese Drohung früher schon in anderen Versionen ausgesprochen. Sie haben sich aber auch den Friedenspräsidenten genannt.« – »Yeah.« – »Wie kann der Friedenspräsident zur Vernichtung eines ganzen Volkes aufrufen?« – »Weil wir mit der Vernichtung Irans Frieden für die Welt geschaffen haben. Mit Iran könnte man, glaube ich, niemals Frieden haben.«

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An diesem Punkt fragten die Journalisten vom Time Magazin, warum Trump einen Waffenstillstandsvorschlag Irans abgelehnt habe. Antwort: »Weil ich Dinge, denen ich vor einem Jahr nicht zugestimmte habe, auch heute nicht akzeptiere.« Nicht gerade selbsterklärend. Nächste Frage: »Werden Sie die Luftangriffe nach den Midtermwahlen wiederaufnehmen?« Trump, auffallend wortkarg: »Möglich.« – »Wird darüber nachgedacht?« – »Wir haben eine Menge Waffen.«

Am Freitag voriger Woche fand angeblich ein vierstündiges, nicht öffentlich angekündigtes Treffen von Trumps »nationalem Sicherheitsteam« in Camp David statt. Unter dem Vorsitz von Vizepräsident J. D. Vance hätten Außenminister Marco Rubio, Kriegsminister Pete Hegseth, Sonderbotschafter Steve Witkoff, CIA-Direktor John Ratcliffe und Generalstabschef Dan Caine teilgenommen, berichtete die in den USA ansässige Nachrichtenagentur Axios. Themen seien die Wiederaufnahme größerer Kampfoperationen gegen Iran und eine von Saudi-Arabien erbetene Beteiligung der USA an seiner geplanter Offensive gegen den Jemen gewesen. Beabsichtigt sei die Verlegung mehrerer Kriegsschiffe der US-Marine in die Region, darunter eine Trägergruppe und ein amphibischer, also für Landeunternehmen geeigneter, Verband mit mehr als 7.000 Matrosen und 2.000 Marines. Trump wurde dazu mit den Worten zitiert: »Jetzt muss ich eine Entscheidung treffen: Entweder unterschreibt Iran eine Vereinbarung, oder er wird nicht länger existieren.«

In diesem Zusammenhang sind ganz unterschiedliche Interpretationen eines Vorgangs möglich, der am Sonntag stattgefunden haben soll: Zwölf Langstreckenbomber der US-Luftwaffe vom Typ B 1 wurden »abrupt« (Wall Street Journal) oder sogar »fluchtartig« (Spiegel) vom Stützpunkt Fairford in Großbritannien abgezogen. Ob sie erstens wirklich und zweitens dauerhaft in die USA zurückverlegt wurden, ist noch nicht hundertprozentig klar. Trump sprach am Montag davon, dass die Aktion durch von ihm nicht genau beschriebene Bedrohungen veranlasst worden sei, und erklärte, dass man die Bomber »ein wenig«, aber »nicht sehr weit weg« verlegt habe. Die britische Polizei hatte am 27. September fünf Männer in der Nähe des Stützpunkts Fairford festgenommen. Trump hatte den Vorfall, über dessen Hintergründe nichts Verlässliches bekannt ist, sofort mit Verdächtigungen gegen Iran kommentiert.

Die Langstreckenbomber waren im Februar als Teil der israelisch-US-amerikanischen Kriegführung gegen Iran in Großbritannien stationiert worden. Mit seiner Kommentierung widersprach Trump seinem Vizepräsidenten Vance und seinem Außenminister Rubio, die die Verlegung als routinemäßig oder als Ausdruck besonders großer Vorsicht dargestellt haben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.10.2026, Seite 7, Ausland

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