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Genozid in Gaza

Schutznetzwerke zerrissen

UN-Bericht: Frauen in Gaza sind durch Besatzung und Vertreibung verstärkt geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt. Auch Zahl der Kinderehen hat zugenommen

Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa
Israels Genozid in Gaza zerstört Lebensgrundlagen und den Schutz von Frauen und Mädchen (Gaza-Stadt, 13.11.2025)

Die Folgen des israelischen Krieges gegen die palästinensische Zivilbevölkerung in Gaza und die anhaltende Blockade des Küstenstreifens tragen zu einem Anstieg der geschlechtsspezifischen Gewalt bei. Durch »überfüllte, unsichere und menschenunwürdige Lebensbedingungen« in den Lagern für Binnenvertriebene habe es eine Zunahme an Vergewaltigungen, sexualisierten Belästigungen und Übergriffen sowie bei partnerschaftlicher und innerfamiliärer Gewalt gegeben.

Zu diesem Ergebnis kommt die Mitte September veröffentlichte Studie »I Want to Feel Safe Again« (»Ich möchte mich wieder sicher fühlen«) des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA). Frauen und Mädchen berichten darin von einem »anhaltenden Zustand der Angst und erhöhten Wachsamkeit«, nicht zuletzt wegen fehlender Privatsphäre. Auch wiederholte Zwangsvertreibungen hätten »die Schutznetzwerke von Gemeinschaften und Familien zerrissen« und Frauen und Mädchen so verstärkt sexualisierter Gewalt ausgesetzt.

Dies umfasst einerseits Fälle, bei denen palästinensische Männer »die Bedingungen der Vertreibung ausgenutzt haben«. Andererseits wurde über sexua­lisierte Gewalt berichtet, die von den Besatzungskräften an Checkpoints und in Haft begangen worden sein sollen. So wollte eine Mutter mit ihrem Sohn und ihrer Tochter einen israelischen Kontrollpunkt passieren. Ein Soldat habe sie angewiesen, ihre Tochter zurückzulassen und weiterzugehen. Sie hätten gedroht, den Sohn sonst zu töten, woraufhin die Mutter weiterging. Die Tochter berichtete später, dass sie an dem Kontrollpunkt von den Soldaten verbal gedemütigt und an intimen Stellen angefasst worden sei.

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Für den Bericht befragte das palästinensische Women’s Affairs Center (WAC) im Auftrag der UNO 230 Frauen im Alter von 19 bis 63 Jahren in den Lagern in Gaza-Stadt und Khan Junis. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen der Alltag der Frauen und die Risiken, geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt zu sein. Die Befragten wurden alle bereits mehrfach vertrieben – jeweils zwischen zwei und zehn Mal. Der Median lag bei sieben Vertreibungen seit dem 7. Oktober 2023. Die Teilnehmerinnen wurden im Zuge der Interviews umfassend über die lokal verfügbaren Hilfsangebote bei geschlechtsspezifischer Gewalt informiert.

Doch durch »die weitreichende Zerstörung der institutionellen Infrastruktur Gazas« hätten »Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt« kaum noch Zugang zur medizinischen Versorgung nach einer Vergewaltigung oder zu rechtlichen Mechanismen, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Viele Aussagen über alltägliche Belästigungen in den Gemeinschaftstoiletten werden in dem UNFPA-Bericht dokumentiert. Frauen berichten von der Angst, zu duschen, und sie wünschen sich ihr Leben vor dem Krieg mit sicheren Badezimmern zurück. Auch an dichtgedrängten Marktplätzen oder Ausgabestellen für Nahrungsmittel und Wasser komme es zu Belästigungen und ungewollten Berührungen. Die »bereits bestehenden geschlechtsspezifischen Ungleichheiten« der konservativ geprägten Gesellschaft im Gazastreifen werden durch die anhaltenden Angriffe und die fortwährende Blockade verschärft.

Die vorsätzlich von Israel herbeigeführte humanitäre Katastrophe in Gaza führt auch vermehrt zu Kinder- und Zwangsehen. Während die Verheiratung von Minderjährigen in den Jahren vor dem Krieg schrittweise zurückging und im Jahr 2022 bei elf Prozent der geschlossenen Ehen lag, wurde dieser Trend seit 2023 umgekehrt, meldete UNFPA Anfang dieses Jahres. Laut Nestor Owomuhangi – UNFPA‑Ländervertreter für Palästina – erlebe man gerade, wie die Zukunft einer ganzen Generation zunichte gemacht würde: »Mädchen in Gaza entscheiden sich nicht für die Ehe – sie werden durch Hunger, Angst und Vertreibung dazu getrieben.« Frauen und Jugendliche sehen sich gezwungen, sexuelle Handlungen gegen lebensnotwendige Güter wie Nahrung und Unterkunft anzubieten, sogenannter Survival Sex. Eine Frau aus Khan Junis berichtete über einen Familienvater, der seine 14jährige Tochter im Tausch gegen zwei Säcke Mehl verheiratet habe, damit er und seine anderen Kinder etwas zu essen hätten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.10.2026, Seite 15, Feminismus

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