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Nahostkonflikt

Israel planiert UNRWA

Besatzungstruppen zerstören UN-Zentrum bei Jerusalem. Siedlergewalt im besetzten Westjordanland eskaliert

Foto: Majdi Mohammed/AP
Auch Denkmäler für die Gefallenen sind vor Armee und Siedlern nicht sicher (Madama, 25.8.2026)

Die israelischen Zerstörungen im besetzten Westjordanland gehen unvermindert weiter. Am Dienstag haben die Besatzungstruppen das Geflüchtetenlager Kalandija und den benachbarten Ostjerusalemer Stadtteil Kafr Akab gestürmt und dabei ein Ausbildungszentrum des Palästina-Hilfswerks UNRWA in ihre Gewalt gebracht. 40 Angestellte und weitere Personen seien festgenommen und verhört worden, berichtet die Nachrichtenagentur WAFA. Die israelischen Truppen hätten das Gelände besetzt und mit dem Abriss der Einrichtung begonnen. In kolonialer Manier wurde im Innenhof die israelische Flagge gehisst.

Auch der extrem rechte »Sicherheitsminister« Itamar Ben-Gvir war vor Ort. Die Razzia diene dazu, die Ausbildungsstätte endgültig zu schließen, so Ben-Gvir. Das Zentrum ist die letzte UNRWA-Niederlassung im Großraum Jerusalem und bietet Hunderten von Jugendlichen aus Lagern im gesamten Westjordanland eine Berufsausbildung, berichtet Haaretz. UNRWA verurteilte den »äußerst besorgniserregenden Übergriff unmissverständlich« und fügte hinzu, dass das Zentrum als UN-Vertretung durch internationales Recht geschützt sei. Die palästinensische Regierung in Ramallah forderte den UN-Sicherheitsrat auf, dringend »verbindliche Maßnahmen zu ergreifen, um die israelischen Angriffe« auf UN-Einrichtungen zu stoppen.

Kalandija wird immer wieder zum Schauplatz von Überfällen israelischer Besatzungstruppen. Anfang August stürmten Soldaten das Geflüchtetenlager, demolierten Läden von Palästinensern und verletzten 51 Personen, berichtete der Sender Al-Dschasira. Seit Wochen eskaliert im Westjordanland auch die Gewalt faschistischer Siedler gegen palästinensische Gemeinden. Allein seit dem Wochenende gibt es Dutzende Meldungen zu Überfällen auf Dörfer, Angriffen mit Knüppeln und Steinen, Brandstiftungen, Körperverletzungen, rassistischen Graffitis, Zerstörung von Olivenbäumen und Ackerland oder zum Diebstahl von Nutztieren, oft ausgeführt unter dem Schutz israelischer Soldaten.

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Das britische Portal The New Arab verbreitet Videoaufnahmen des körperlich beeinträchtigten Scheich Said Al-Amur in Massafer Jatta vom Sonnabend, die zeigen, wie Siedler ihm mit einer langen Metallstange auf den Rücken schlagen. Bei einem Siedlerangriff vor etwa anderthalb Jahren habe der ältere Mann ein Bein verloren. Mitte August ereignete sich in Massafer Jatta ein Siedlerangriff auf das Dorf Umm Al-Khair, wie aus einem privaten Video hervorgeht, das eine Aktivistin namens Lisa am Dienstag junge Welt gesandt hat. Zu sehen ist, wie Siedler palästinensische Frauen und Kinder sowie Aktivistinnen attackieren, die die Szene auf Video dokumentieren. Auch Weidefläche sei zerstört worden. Gut ein Dutzend Soldaten habe die Siedler beschützt und das Gelände später zu einer »geschlossenen Militärzone« erklärt.

Auch Tiere sind vor den koordinierten Angriffen der Israelis nicht sicher. Am Dienstag zerstörten israelische Besatzungssoldaten Schafställe palästinensischer Bauern in Duma nahe Nablus, berichtet WAFA. Bereits vergangene Woche hatten Siedler den Esel eines palästinensischen Bauern gestohlen und zu Tode gequält. Die Faschisten zogen das Tier in den südlichen Hebron-Hügeln mit einer Kette hinter ihrem Truck her, wie ein Video bezeugt. Mit großer Mühe konnte der Esel zunächst noch hinterherlaufen. Am Ende schleiften die Israelis den leblosen Kadaver hinter sich her.

Am Dienstag morgen verbreitete Videoaufnahmen zeigen den extrem rechten Abgeordneten Zwi Sukkot von der faschistischen Regierungspartei Religiöser Zionismus, der im Dorf Madama nahe Nablus zusammen mit weiteren Personen mit Vorschlaghämmern ein palästinensisches Denkmal zum Teil zerstört. Nach dem vom Kuds News Network veröffentlichten Video hatten während der Zerstörung des »Märtyrerdenkmals« mehrere Soldaten mit Maschinengewehren im Anschlag die Szenerie abgesichert. Der Abgeordnete Sukkot ist Vorsitzender des Knesset-Unterausschusses für das Westjordanland. Sukkots Parteivorsitzender Bezalel Smotrich verteidigte seinen Parteikollegen gegen Kritik. Es gebe »Dutzende weiterer Terrorismusdenkmäler in ganz Judäa und Samaria, die noch heute von der Armee – und nur von ihr – zerstört werden müssen«, sagte der extrem rechte Finanzminister. Worum es aber tatsächlich geht, machte zu Wochenbeginn eine weitere Maßnahme klar: Ein Straßenschild in Jerusalem, das den Weg zum Damaskus-Tor wies, wurde ausgetauscht. Jetzt ist dort nur noch zu lesen: »Altes Tor«. So soll Palästina ausgelöscht werden und nur noch Israel bleiben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.08.2026, Seite 7, Ausland

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