Zweierlei Interessen
Die BRD und Zentralasien
Zentralasien ist eine Region, auf die Politik und Wirtschaft der Bundesrepublik schon vor vielen Jahren ein Auge geworfen haben. Als die EU 2007 ihre erste Zentralasienstrategie verabschiedete, da geschah das insbesondere auf deutsches Drängen. Als sie 2018 mit ihrer »Konnektivitätsstrategie« nachlegte, die sich ebenfalls vor allem auf das Kaspische Becken und die östlich davon liegenden Staaten bezog und die Kooperation mit ihnen intensivieren sollte, da hatte gleichfalls die Bundesregierung Einfluss genommen. Immer wieder sind deutsche Regierungspolitiker in die zentralasiatischen Länder gereist, umgekehrt wurden deren Staats- und Regierungschefs des öfteren in Berlin empfangen. Der Besuch des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew ist der jüngste in einer langen Reihe, die sich Jahrzehnte in die Vergangenheit erstreckt.
Worum ging, worum geht es? Zweierlei Interessen prägen seit je die deutsche Außenpolitik gegenüber der Region. Einerseits geht es um Transportkorridore zwischen Europa und China. Will man russisches Territorium vermeiden, dann führt an den Staaten Zentralasiens kein Weg vorbei. Den Bau von Straßen und Schienen durch den Kaukasus und Zentralasien in die Volksrepublik strebte die EU sogar schon mit einem 1993 initiierten Projekt an, das damals in den Medien als, nun ja: »Neue Seidenstraße« gehandelt wurde. Außer schönen Worten wurde nichts daraus. Seit China mit seiner eigenen »Neuen Seidenstraße« Fakten geschaffen und zugleich seinen Einfluss in Zentralasien spürbar gestärkt hat, fühlen sich Deutschland und die EU genötigt, nachzuziehen. Echte Fortschritte lassen allerdings auf sich warten.
Andererseits hatte Berlin in Zentralasien stets auch Rohstoffe im Blick. Zunächst ging es dabei vor allem um die Erdöl- und Erdgasvorräte des Kaspischen Beckens; sie spielen heute noch eine wichtige Rolle, um so mehr, als Deutschland und die EU den Ausstieg aus russischen Öl- und Gaslieferungen beschlossen haben. Zentralasien verfügt allerdings auch über diverse andere Ressourcen; Kasachstan etwa besitzt Uran, aber auch – für Deutschland wichtiger – Lithium und Kobalt, seltene Erden sowie Kupfer: Rohstoffe also, die für die Technologien der Energiewende unverzichtbar sind. Bei ihrem Bemühen, Zugriff auf sie zu erhalten, steht die deutsche Industrie allerdings in scharfer Konkurrenz zu Unternehmen insbesondere aus China. Politische Unterstützung ist ihr daher stets willkommen.
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