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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Geht’s noch?

→ Zu jW vom 23.9.: »Rechte rufen, Linke folgen«

Wir haben die Schnauze voll davon, wie uns diese Einheitspartei aus bürgerlichen Schnöseln, Immobilieneigentümern und sonstigen Lackaffen für blöd verkauft und hinterher auch noch so tut, als wäre sie moralisch im Recht. Niemand hier, der Brötchen verkauft, Taxi oder Straßenbahn fährt, nachts im Krankenhaus arbeitet oder eure auf Egoismus gedrillten Bälger beaufsichtigt, kauft euch diesen Kokolores noch ab. Da schreiben irgendwelche Leute voneinander ab, bis am Ende keiner mehr weiß, wer eigentlich zuerst behauptet hat, schon das Essen einer Wassermelone sei antisemitisch. Hauptsache, man kann wieder mit dem Finger auf jemanden zeigen. Wir wollen in dieser Stadt leben können. Miete zahlen können. Nicht jeden Monat rechnen müssen, ob es noch reicht. Deshalb haben wir Die Linke gewählt. Und wenn euch dazu nichts mehr einfällt, nicht mal mehr »Der Markt regelt das« oder »Enteignen bringt nichts, man muss bauen«, sondern nur noch: Der da hat »Genozid« gesagt, alle drauf – dann wissen wir wenigstens, woran wir sind. Ihr wollt uns wohl gar nicht mehr überzeugen. Euch fällt nichts mehr ein, womit ihr das alles noch rechtfertigen könnt. Deswegen das große Theater? Als wären wir Fünfjährige beim Arzt, die nicht merken sollen, dass gleich die Spritze kommt. Liebe Partei Die Linke: Wir, eure Wähler, sind nicht doof. Lasst euch nicht doof machen. Es ist nicht schön anzusehen.

Heiko Schulz, Berlin

Leichte Zweifel

→ Zu jW vom 22.9.: »Hamas und Sichel«

Nichts gegen Enteignung gieriger Immobilienkonzerne zugunsten bezahlbaren Wohnraums, wir sollten aber nicht vergessen, dass es einst auch Die Linke war, die das Berliner Immobilientafelsilber erst an diese Konzerne verscherbelte. Das hat schon ein Geschmäckle und lässt zumindest an Vernunft und Weitsicht der Verantwortlichen in der Partei zweifeln.

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Ilka Müller, Ex-Berlinerin, heute: Bremen

Salto mortale

→ Zu jW vom 22.9.: »Zitat des Tages«

(…) Adolf Hitler war also Linksextremist? Auf diesen geschichtspolitischen Taschenspielertrick muss man erst einmal kommen. Da versucht die AfD-Chefin Alice Weidel, den gigantischen braunen Elefanten im Raum per verbalem Zaubertrick einfach auf die andere Seite des Plenarsaals zu hexen. Dass Hitler als erstes Gewerkschaften zerschlug, dem Großkapital den roten Teppich ausrollte und Kommunisten sowie Sozialisten in Lager sperren ließ – geschenkt! In Weidels wunderbarem Logikuniversum wird das einfach lässig weggedribbelt. Wenn einem die rechtsextremen Schlagseiten der eigenen Truppe um die Ohren fliegen, hilft eben nur noch die Flucht in die absolute Realsatire: Erkläre den Faschismus einfach zum Kommunismus und hoffe inständig, dass das Wahlvolk beim kollektiven Gedächtnisverlust begeistert mitzieht. Wer so dreist und verzweifelt Geschichtsfälschung betreibt, um sich eine weiße Weste zu erschwindeln, zeigt vor allem eines: blanke Panik vor der historischen Wahrheit. Diese Hufeisengymnastik ist ein so billiges Ablenkungsmanöver, dass man sich eigentlich nur noch Popcorn holen und abwarten kann, wann die AfD die Französische Revolution zum Werk der Jungen Alternativen erklärt.

Ivana Zwettler, Sankt Augustin

»Wie die Motten ums Licht«

→ Zu jW vom 23.9.: »Das letzte Gefecht«

Die Erosion des bürgerlichen Parlamentarismus geht voran. So wie er einst gedacht war, als Garant zur Sicherung bürgerlicher Privilegien auf alle Zeiten, funktioniert er nicht mehr. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts Ende des 19. Jahrhunderts – ein notwendiger Kompromiss gegen die Aufmüpfigkeit rebellierender Arbeitermassen – hat bis heute den Anschein bewahrt, dass nur über ein repräsentatives Parlamentssystem Gerechtigkeit und allgemeiner Wohlstand zu erreichen seien. Wenn sogar bürgerliche Intellektuelle und Journalisten wie beispielsweise Richard David Precht und Markus Lanz sich darüber austauschen, dass Blackrock durch einen Bundeskanzler einen breiten Raum im politischen System der BRD einnehmen, wird deutlich, wessen Interessen ganz grundlegend innerhalb des parlamentarischen Systems durchgesetzt werden sollen. 75 Prozent aller Bundestagsabgeordneten sind Akademiker (laut Angaben des Deutschen Bundestags) und stammen überwiegend aus dem bürgerlichen Milieu. Dieselbe Zusammensetzung kann mühelos auf die leitende Riege der staatlichen Funktionsträger sowie die Richterschaft übertragen werden. Ralf Dahrendorf als bürgerlich-liberaler und anerkannter Soziologe hat bereits 1961 in seinem Buch »Gesellschaft und Freiheit« die Empirie für die Erkenntnis geliefert, dass zwischen Verfassungsanspruch und Verfassungswirklichkeit ein fundamentaler Gegensatz bestehe. Gesetze werden bekanntlich durch Parlamente entschieden, und die Tatsache, dass die Abgeordneten »nur ihrem Gewissen« Folge leisten müssen, bringt es mit sich, dass viele von ihnen ihr Gewissen mit üppigen Salären der ca. 6.000 Lobbyisten (Lobbycontrol, 2018) vergolden, die um die Lobby des Bundestags schwirren wie die Motten ums Licht. Für die Menschen in diesem Land ist von den im Bundestag vertretenen Parteien keine Besserung zu erwarten. Ausbeutung von Menschen und natürlichen Ressourcen sind die grundlegenden Voraussetzungen für den privaten Maximalprofit. Da beißt die Maus nicht den Faden ab. Das ist damit auch die wesentliche Staatsräson dieses Landes. Die kapitalgewaltigen Dulger und Leibinger von BDA bzw. BDI verbreiten, worauf es jetzt ankommt: Rente mit 63 abschaffen, Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, Körperschaftssteuer senken, Unternehmen mit wettbewerbsfähigen Energiekosten entlasten. Man kann sicher sein: Friedrich hört die Signale. Es ist sein letztes Gefecht. Die neue Alternative AfD? Eher Alternative fürs Kapital, AfK!

Manfred Pohlmann, per E-Mail

Wir haben die Schnauze voll davon, wie uns diese Einheitspartei aus bürgerlichen Schnöseln, Immobilieneigentümern und sonstigen Lackaffen für blöd verkauft und hinterher auch noch so tut, als wäre sie moralisch im Recht.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.09.2026, Seite 14, Leserbriefe

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