Aus Leserbriefen an die Redaktion
Konversion, aber richtig
→ Zu jW vom 29.10.: »Abgeschrieben: Linke-Fraktion Kassel kritisiert staatlich finanziertes Rüstungsnetzwerk«
Atilla Sarikaya (Linksfraktion Kassel) macht einen guten und konkreten Vorschlag für konstruktive statt destruktive Produktion: Loks statt Kriegsspielzeug! »Das hätte Europa und Ökologie zusammengebracht«: Es »hätte« nicht nur, es könnte ab morgen früh erneut, wenn wir endlich mit ernsthafter Konversion in die richtige Richtung beginnen!
Dazu passt Arvid Jaspers Hinweis auf den »klaren Auftrag« des Regionalmanagements, Energie- und Mobilitätswende zu koordinieren – mithin genau die wirklichen Erfordernisse unserer Zeit. Falsch gestellte Weichen (in den Militärabgrund) können ja auch mal wieder richtig gestellt werden. Und dies nicht nur in Nordhessen, sondern bundes- und weltweit.
Ebenfalls passt der Hinweis von Marwa Mumdey, dass für Kriegsspielzeug verschwendete Milliärdchen unter anderem einem funktionierenden ÖPNV fehlen. Also weg mit dem Kriegs-»Sondervermögen«, soweit es nicht zivil nutzbare Strecken betrifft, deren noch viele reaktiviert, elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut werden müssen. Und her mit einem Sondervermögen zur Erhöhung der Regionalisierungsmittel für ÖPNV, bis sie ausreichen, um dem Luxemburger Vorbild nachzueifern.
Know-how muss doch in Kassel noch vorhanden sein oder könnte gegebenenfalls mit Schweizer Nachhilfe wieder erworben werden. Schmieden wie Henschel, Alstom oder gar Adtranz wären sicher im Detail zu kritisieren, vielleicht auch eher den Hang der »Verkehrsunternehmen«, Fahrzeuge nicht mehr sorgfältig abzunehmen oder zuwenig für qualitativ zufriedenstellende bezahlen zu wollen. Doch auch diesbezüglich hülfe sicher gern die Schweiz.
Bernhard May, Wuppertal
Barbarei
→ Zu jW vom 17./18.10.: »Zitterbacke und Co.«
Ein herzliches Dankeschön an Peter Michel für diesen Artikel, vor allem gewidmet dem Schriftsteller Gerhard Holtz-Baumert. Es hat mich tief berührt, wieder einmal so einen Überblick über die Kinder- und Jugendliteratur in der DDR zu lesen und ihre Autoren zu benennen. Deutlich wird, dass es kein Nebenschauplatz war, sondern ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Deutlich zeigt Michel die Größe, die Vielfältigkeit und die internationale Bedeutung der Kinder- und Jugendliteratur der DDR auf.
Schmerzlich berührt wieder einmal, wie der »Sieger« nach 1990 auch in diesem Bereich mit den Autoren verfahren ist. Der Begriff »Barbarei« für die Büchervernichtung macht es deutlich. Gleichzeitig zeigt Michel eine gewisse positive Tendenz auf, dass das Interesse an diesem Bereich der Literatur wieder im Kommen ist. Daraus auch meine Überzeugung, dass es »denen« nicht gelungen ist, die Zerstörung zu vollenden.
Hannelore Thürfelder, Frankfurt (Oder)
Verächter des Holocaust
→ Zu jW vom 4.11.: »Stadtrat: Verbot für ›Stolpersteine‹ bleibt«
Der Stadtrat von Heidenau fällt nunmehr zum zweiten Male eine zutiefst antisemitische Entscheidung und stellt sich damit gegen die sechs Millionen jüdischen Opfer des deutschen Faschismus. Gewählte Vertreter der Bürgerschaft entschieden sich, entgegen vielfältiger bundesweiter Proteste, erneut gegen eine angemessene und europaweit bewährte Ehrung der Opfer von Willkür und Gewalt in Form von »Stolpersteinen«.
Jetzt ist der Einsatz eines der Demokratie in die Hand gegebenen Mittels zur raschen Korrektur dieser Fehlentscheidung notwendig. Die Bürgermeisterin kann Gesicht zeigen und ihr Veto einlegen, und damit in Verbindung kann die Kommunalaufsicht eingreifen und die offensichtlich antisemitische Entscheidung des Stadtrates aufheben. Ja, es wären zutiefst demokratische Eingriffe zugunsten von Verfolgten und Opfern roher und singulärer deutscher Gewaltorgien.
Es wären auch Signale, dass nicht nur in Worten der Kampf gegen Antisemitismus geführt, sondern ganz praktisch mit Leben erfüllt wird.
Raimon Brete, i. A. des Vorstandes der VVN-BdA Chemnitz
Starke Sensibilisierung
→ Zu jW vom 4.11.: »Eine Million Näherinnen für mehr Lohn«
Babul Akhter sagt: »Wenn die Fabrikbesitzer ihre Beschäftigten nicht ordentlich bezahlen können, müssen sie bessere Preise mit den internationalen Abnehmern aushandeln.« Diese »internationalen Abnehmer« verkaufen bekannte Markenartikel von Kleidern, Schuhen etc. und könnten ohne Probleme bessere Preise für die in Bangladesch hergestellten Produkte erzielen. Ihre Margen (und Gewinne) sind extrem hoch. Diese Profite fließen in die Taschen der Unternehmensleitung und der Aktionäre des Markenunternehmens. Ein Beispiel: Eine Markenhose, ein Hemd oder ein paar Schuhe kosten hier zwischen 100 und 200 Euro oder mehr. Das ist mehr als das Monatsgehalt einer Person, welche in Bangladesch in der Textilindustrie arbeitet. Drastischer ist das Gefälle zum Beispiel in Kambodscha, wo die bekannten Bekleidungsmarken unter noch schlimmeren Ausbeutungsverhältnissen produzieren lassen. Es bräuchte eine starke Sensibilisierung »westlicher« KonsumentInnen und eine Kampagne wie BDS, um auf das Problem hinzuweisen.
Martin Mandl, Paris (Frankreich)
Verbrechen gegen die Menschheit
→ Zu jW vom 30.10.: »UNO fordert: Unblock Cuba!«
Die Ursache allen Übels liegt in der Sanktionspolitik der USA. Sicher sind auch einige Probleme hausgemacht. Zum Beispiel die von Jahr zu Jahr ineffizienter werdenden Zuckerrohrernten. Oder die halbherzig betriebene Erdölförderung. Man verließ sich zu sehr auf den RGW. Dennoch war und ist die Sanktionspolitik der USA ein Verbrechen gegen die Menschheit. Die Enthaltung der BRD bei der Verurteilung dieser Politik verwundert mich nicht. Sie ist Ausdruck von Rückgratlosigkeit und Liebdienerei gegenüber den USA. Während also Millionen von Euro in die Ukraine verschoben und mit dem Kriegsverbrecher Netanjahu glänzende Geschäfte getätigt werden, gibt es faktisch keine Unterstützung für Kuba. Es ist zum Fremdschämen und sollte Ansporn für alle sein, Kuba noch mehr zu unterstützen.
Uwe Höntzsch, per E-Mail
Der Stadtrat von Heidenau fällt nunmehr zum zweiten Male eine zutiefst antisemitische Entscheidung und stellt sich damit gegen die sechs Millionen jüdischen Opfer des deutschen Faschismus.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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