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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Geregelt

→ Zu jW vom 2.11.: »Paris ist noch weit«

Da freut sich nicht alleine die bourgeoise Medienmeute. Der gerechtfertigte Protest jener Gen Z fiel kleiner aus als erwartet. 100.000 TeilnehmerInnen sind allerdings nicht schlecht. Runtergeschrieben/gesendet wurde er staatstragend zuvor. Von Gewalt und Linksterrorismus phantasierte man angstmachend. Polizeieinsätze wie im Bürgerkrieg seien zu befürchten. Ja, einige RandaliererInnen machten sich in weiten Teilen der Bevölkerung weniger Freunde. Gewalt halt. Die Ursachen, strukturelle Gewalt des Systems, bleiben wie immer unbeobachtet. In Karlsruhe waren es übrigens Rechte, die die Polizei auf Abstand halten musste. Herrschendes Kapital, gewisse Kreise schwitzender Politik und Medien Hand in Hand mit »besorgten« Eltern übler, interessengeleiteter Ober- sowie nachdenkferner Spießerschicht mögen Proteste nicht. Trotzdem waren jene Demos unübersehbar. Das ist auch gut so!

Frank Lukaszewski, Oberhausen

Kompromisse? I

→ Zu jW vom 30.10.: »›Wir kämpfen für eine Linke in der Opposition‹«

Die Partei Die Linke ist in das Berliner Abgeordnetenhaus mit 25,7 Prozent der Stimmen gewählt worden und hat 45 Abgeordnete. Diese Kraft sollte man meiner Meinung nach nicht wegwerfen. Wir wissen alle, dass die Möglichkeiten, Verbesserungen für die Berlinerinnen und Berliner zu erreichen, in diesem System nicht groß sind. Aber man muss es doch versuchen. Wir kennen alle den Spruch von Bertolt Brecht: »Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.« Ich bin der Meinung, dass man jetzt kämpfen muss. Die unsolidarische Haltung des palästinasolidarischen Bündnisses in der Partei Die Linke kann ich nicht nachvollziehen. Man muss immer auch Kompromisse machen in allen Bereichen des Lebens. Hier geht es schließlich um Politik für die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Stadt. Ich frage mich auch: Wo bleibt die Unterstützung für Elif Eralp und ihre Mitstreiter von bekannten Linke-Politikern wie z. B. Gregor Gysi, Gesine Lötsch und Petra Pau?

Barbara Wolterstädt, Berlin

Kompromisse? II

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→ Zu jW vom 27.10.: »Was denn nun?«

Herzlichen Dank an Theo Wentzke für diese kritische Einschätzung der Programmatik der PdL. Natürlich kommen in ihr viele schöne Worte vor. Das hat sie mit den Programmen aller anderen Parteien gemein. Programmaussagen sollen Menschen gewinnen, also müssen sie denen etwas von dem geben, was die sich wünschen. Allerdings misst man den praktischen Wert von Parteien nicht so sehr an den hehren Worten, man misst ihn an ihren Taten. Es ist gut, dass Theo Wentzke den Finger in die Wunde legt, die zwischen formulierten Ansprüchen von Klassenkampf und Überwindung des Kapitalismus und den dazu real unternommenen Taten klafft. Es ist eine billige Ausrede, man könne dafür wegen der aktuellen gesellschaftlichen Situation leider nichts tun, außer große Reden zu schwingen. Wer vom Kampf redet, ohne ihn wirklich zu organisieren, und statt dessen um ständigen Ausgleich mit seinen Gegnern buhlt, ist jemand, der sein Fähnlein ständig nach dem Wind dreht. Er ist kein Kämpfer, sondern ein Opportunist. Das können dann letztlich auch keine noch so schönen Worte verbergen.

Joachim Seider, Lychen

Kompromisse? III

→ Zu jW vom 27.10.: »Was denn nun?«

Tja, stimmt: Die Linke ist keine revolutionäre Partei, und die Analyse der gesellschaftlichen Situation lässt zu wünschen übrig. Nur leben wir nicht in einer revolutionären Situation! Recht haben kann ich gut in der DKP oder MLPD, die ja noch halbwegs so was wie einen aktiven Mitgliederstamm haben und politisch handeln können. Bei anderen revolutionären Parteien wird es da schon mächtig schmal. Innerhalb der Partei Die Linke sind wie zuvor MarxistInnen gefragt und benötigt, die helfen die Argumente zu schärfen und eine massentaugliche linke Politik zu entwickeln. Das bedeutet, sich kompromissfähig zu machen, allein durch die Teilnahme an bürgerlichen Wahlen und die Zwänge der Mandate. Daran ist nichts falsch. Daran ist nichts Verrat. Es gilt abzuwarten. Galt es nach 1989 zu überwintern, kommt nun Bewegung in vieles, von vielen, für viele. Das Ringen innerhalb der Linken ist noch sehr sinnvoll. Eine Rechthaberinsel ist es nicht. Es muss darum gerungen werden, die Linke weiter als marxistische Partei zu entwickeln. Für eine Partei neuen Typs ist (noch) kein Platz da.

Knut Dohrmann, Stelle

»Staat des Friedens«

→ Zu jW vom 29.10.: »Nachschlag: ›Selbsternannt‹«

Die DDR war mein Land, ihren Verlust kann ich bis heute nicht verwinden. Für mich war die DDR ein Staat des Friedens. Seine Armee, in der ich freiwillig diente, hat nicht einen Schuss im Krieg abgegeben. Frieden war im Gegensatz zu heute oberstes Gebot. Solidarität und Völkerfreundschaft waren der großen Mehrzahl der Bürger Herzenssache. Es gab einen ausgeprägten Zusammenhalt der Menschen, keine Singularisierung wie gegenwärtig. Tafeln, Obdachlosenheime, Arbeitslosigkeit, bitterarm und superreich waren uns fremd. Vorherrschend waren das volkseigene und genossenschaftliche Eigentum. Die staatlichen Leiter, Betriebsleiter und Vorsitzenden der Genossenschaften legten regelmäßig vor den Werktätigen Rechenschaft ab und berichteten über die Realisierung der Vorschläge bzw. Eingaben. Ohne die DDR-­Bürger, die Eigentümer, zu fragen, hat die Treuhand, welch schöner Name, u. a. 8.500 Kombinate und Betriebe, 3,68 Millionen Hektar land- und forstwirtschaftliche Flächen und 25 Milliarden Quadratmeter privatisiert. Die ehemaligen Eigentümer, die Bürger der DDR, sahen von den Erlösen nichts.

Wilfried Schubert, Güstrow

Es gab in der DDR einen ausgeprägten Zusammenhalt der Menschen, keine Singularisierung, wie gegenwärtig. Tafeln, Obdachlosenheime, Arbeitslosigkeit, bitterarm und superreich waren uns fremd.

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.11.2026, Seite 14, Leserbriefe

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