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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Literatur: Unersetzbar für eine gesunde Entwicklung

→ Zu jW vom 17./18.10.: »Zitterbacke und Co.«

Vielen Dank für den Artikel zur DDR‑Kinderliteratur. Viele Titel und Autoren, die hier genannt wurden, sind Begleiter meiner Kindheit und Jugend gewesen, mithin meines Berufslebens. Als Kindergärtnerinnen wurden wir im Sachgebiet »Bekanntmachen mit Kinderliteratur« intensiv dafür ausgebildet, wie man mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren literarische Werke mit methodischer Vielfalt altersgerecht rezipiert. Dafür standen uns ebenjene Werke zur Verfügung. Jede Kindergärtnerin hatte am Ende ihrer Ausbildung nicht nur einen Bücherschatz »angehäuft«, sondern auch das zur kindgerechten Rezeption erforderliche Instrumentarium.

Beides nahm sie mit in den ihr bevorstehenden beruflichen Alltag. So wurden viele Bücher vor der kalten Bücherverbrennung gerettet. Das Unterrichtsfach »Bekanntmachen mit Kinderliteratur« entfiel sofort nach der »Wende«. Kindergärtnerinnen gab es fortan nicht mehr; sie wurden ab sofort mehr oder weniger zu Pflegedienstleistern degradiert. Verwundert stellt man fest, dass heute viele Kinder mit sprachlichen und kognitiven Defiziten eingeschult werden. Warum wohl? Wer die Sprache beherrscht … Die vielfältige Auseinandersetzung mit Literatur ist unersetzbar für eine gesunde geistige wie ethisch-moralische Entwicklung, auch schon im Vorschulalter. Die Bücher, die uns von den vielen DDR-Autoren dafür zur Verfügung standen, und auch heute noch zum Teil in so manchem Bücherregal einer Kita stehen, suchen, qualitativ gesehen, weltweit ihresgleichen.

Thomas Riedel, Seelitz

Nichts geboten

→ Zu jW vom 29.10.: »Gen Z legt los«

Was anderes war doch eigentlich gar nicht zu erwarten. Wenn mittlerweile sogar die Jugendlichen auf die Straße gehen, sollte der Politik langsam mal klar werden, wie ernst die Lage in diesem Land ist. Die junge Generation hat offenbar genauso die Nase voll wie viele andere Menschen auch.

Kaputte Schulen, marode Unis, fehlende Perspektiven, steigende Lebenshaltungskosten und überall wird gekürzt, während gleichzeitig Milliarden für Aufrüstung und Kriegsvorbereitungen lockergemacht werden. Man fragt sich doch wirklich, in welcher Welt die Verantwortlichen eigentlich leben.

Die Jugendlichen sollen lernen, studieren, später arbeiten und dieses Land am Laufen halten. Aber was bietet man ihnen dafür? Unsicherheit, Zukunftsängste und die Aussicht, irgendwann für die Fehler der Politik geradezustehen. Und dann wundert man sich ernsthaft, dass sie protestieren?

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Wer jungen Menschen ständig erzählt, dass kein Geld da sei, gleichzeitig aber für andere Dinge immer neue Milliarden findet, darf sich über diesen Frust nicht wundern. Vielleicht sollte die Politik endlich mal anfangen, den Menschen zuzuhören, statt Protest gleich mit Misstrauen und immer mehr Polizei zu begegnen. Die Jugend ist nicht das Problem. Sie zeigt gerade ziemlich deutlich, dass vieles in diesem Land gewaltig schiefläuft. Und das sollte man ernst nehmen.

Klaus Neumann, Bremen

Kritik

→ Zu jW vom 22.10.: »Kennen, anerkennen, verkennen«

Zur von Marc Püschel verfassten kritischen Rezension des Buchs »Hegel« möchte ich als Autor im folgenden Stellung beziehen:

– Wie das von Püschel angeführte Zitat wird Hegels Dialektik in Analogie zur Quantenmechanik gesetzt (»ähnelt«). Es geht um Heranführung und Veranschaulichung – nicht um »Definition«, wie es Püschel umdeutet. Dass Hegels Dialektik mit Wahrscheinlichkeiten operiere, bezieht sich auf den spekulativen Charakter von Hegels Logik.

– Dass Hegels Theorem der »Identität der Identität und der Nichtidentität« unsere »Vorstellungskraft übersteigt«, bestätigt Hegel in »der kleinen Logik«: »(…) überhaupt muß uns, wenn es sich um den Begriff handelt, Hören und Sehen vergangen sein.« Das wird im übrigen an entsprechender Stelle zitiert. Man möchte annehmen, Püschel kennt den Unterschied zwischen Vorstellungskraft und Denkvermögen.

– Es steht nicht im Widerspruch, Heraklit als »ersten großen Dialektiker« zu bezeichnen und Aristoteles als »Begründer der antiken Dialektik«. Dialektiker sein und Dialektik systematisch begründen sind unterschiedliche Dinge.

– Ohne den britischen Empirismus wäre Kant – in seinen Worten – im »dogmatischen Schlummer« geblieben. Nirgends wird er dem gewöhnlichen Empirismus zugeordnet.

– Die Unterstellung, ich spräche im Zusammenhang mit der »Phänomenologie des Geistes« von »Experimenten«, ist falsch. Das Wort taucht weder an zitierter Stelle noch im Kapitel 3 auf.

– Die Enzyklopädie von Diderot/d’Alembert wird als »erste Enzyklopädie der Welt« bezeichnet, was sich offenbar auf die bürgerliche Moderne bezieht (»das gesamte Wissen der Zeit« – wie es im Satz danach steht, S. 59).

– Der auf deutsch predigende Luther hat selbstverständlich mit seinen Ideen das Volk aufgerüttelt und mit ihnen einen Teil davon im Bauernkrieg angeführt. Wann exakt Preußen nun zu einer Regionalmacht aufgestiegen sei, darüber lässt sich streiten.

Aus solchen Andeutungen schlussfolgert Püschel »Schludrigkeit«, »vorangetrieben durch Social-Media-Dynamiken«. Was damit gemeint sein soll, scheint angesichts der faktischen Prüfung seiner Einwände vieldeutig. Der Titel von Püschels Take bringt seine Lektüre jedenfalls auf den Punkt: »Kennen, anerkennen, verkennen«.

Mesut Bayraktar, per E-Mail

Die Bücher, die uns Kindergärtnerinnen von den vielen DDR-Autoren dafür zur Verfügung standen, und auch heute noch zum Teil in so manchem Bücherregal einer Kita stehen, suchen, qualitativ gesehen, weltweit ihresgleichen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.11.2026, Seite 14, Leserbriefe

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