Aus Leserbriefen an die Redaktion
Meint er das ernst?
→ Zu jW vom 22.10.: »Fürchtet euch«
Söders Markus bleibt halt Söders Markus. Ok, die Presse dreht hinsichtlich möglicher teuflischer Koalition in Berlin durch, der König von Bayern erst richtig auf. Nicht alleine im DLF heuer früh wurde berichtet, dass er Altbewährtes aus altbekannter Mottenkiste unsäglicher Schwarzer kramte. Lechts gleich Rinks. Jener selbsterwählte, aber noch nicht offen kommunizierte Kanzlerkandidat der Union gedenkt, den Länderfinanzausgleich zu instrumentalisieren. Mit Hilfe einer sogenannten Extremismusklausel sollen einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt (nicht falsch) sowie dem angestrebten »rot-grün-roten« Hauptstadtbündnis Gelder vorenthalten werden. Beim fränkischen Zampano weiß man ja nie: Ist das jetzt Medienpräsenzgeilheit zwecks Zielerreichung, Kanzlerkandidat zu werden, meint er es ernst oder beides gleichzeitig? Für seine Person passt es auf jeden Fall. Unseren Karrierefetischisten alleine zu verurteilen, trifft es jedoch nicht ganz. Der »Schwarze Block« in der Union mag ja traditionell Faschismus und alles, was irgendwie links ist, gleichsetzen.
Frank Lukaszewski, Oberhausen
»Keine Gnade walten lassen«
→ Zu jW vom 23.10.: »Paris im Tränengasnebel«
Die Vorgehensweise der Machthaber in Frankreich, Italien und anderen westlichen »Werte«-Ländern verdeutlicht die Agenda der von ihnen abgestimmten einheitlichen Roadmap. Erinnert sei an ein Interview mit dem früheren italienischen Innenminister Francesco Cossiga (1976–1978), der eine brutale Marschrichtung des staatlichen Repressionsapparates hinsichtlich der damaligen studentischen Protestbewegung einforderte.
O-Ton Cossiga in einem Gespräch mit der Zeitung Quotidiano Nazionale vom Oktober 2008: »Das bedeutet, dass die Polizei keine Gnade walten lassen und sie alle (die Protestierenden) ins Krankenhaus bringen sollte. Sie sollten sie nicht verhaften, denn die Richter würden sie sofort wieder freilassen, sondern sie verprügeln.«
Interviewer: »Und ist Ihnen klar, was man in Europa nach so einer Behandlung sagen würde? ›Der Faschismus kehrt nach Italien zurück‹, würden sie sagen.«
Cossiga: »Quatsch, das ist das demokratische Rezept: die Flamme löschen, bevor das Feuer sich ausbreitet.«
Und damit es richtig knallt und kracht, muss nachgeholfen werden, werden Polizeiagenten als »Agent Provocateur« eingeschleust. Die anschließende mediale Ausschlachtung ist für die notwendige Unterstützung oder zumindest Neutralisierung breiter Teile der Bevölkerung essentiell. Oder wie Cossiga es ausdrückte, muss dann »bestärkt durch die Zustimmung der Bevölkerung der Klang der Krankenwagensirenen den der Polizei- und Carabinieri-Fahrzeuge übertönen«.
Der reaktionär-militaristische Staatsumbau zum Machterhalt in schwierigen Zeiten ist ein Wesensmerkmal der heutigen EU. Was also noch? In Frankreich wurde jüngst mit einem neuen Gesetz die Richtung vorgegeben. Im O-Ton der »Tagesschau«: »Schüsse aus Polizeiwaffen gelten in Frankreich künftig als Notwehr. Opfer müssen beweisen, dass der Beamte die Waffe regelwidrig benutzt hat. Kritiker sind entsetzt und fürchten Straflosigkeit.« Ja, die Herrschenden reden die Gewalt nicht nur herbei. Sie planen sie auch systematisch, sind gerüstet und zur finalen Umsetzung bereit. Wir müssen sie stoppen!
Niki Müller, Løgumkloster (Dänemark)
Otto Dix und der Schrecken des Krieges
→ Zu jW vom 22.10.: »Grauenhaftes Gemetzel«
Danke an die junge Welt für den Artikel über den Maler Otto Dix. Mich erinnert der Artikel in ganz besonderer Weise an meine Schulzeit in Dresden. Lehrer und die Eltern der Schüler in meiner Klasse der Kreuzschule, einer der Erweiterten Oberschulen der Stadt, organisierten Ende der 50er Jahre für uns Schüler eine Reihe von Führungen in der Gemäldegalerie, bei denen jeweils einzelne Gemälde erklärt und besprochen wurden. Darunter war auch das damals noch dort hängende Triptychon »Der Krieg« von Otto Dix. Die auf der zentralen Tafel des Triptychons im großen Bogen auf das Schlachtfeld zeigende Hand eines Toten, der von einer Gasmaske verhüllte Kopf eines Soldaten in diesem Inferno des unvorstellbar verwüsteten Schlachtfeldes, dazu auf dem linken Flügel die durch eine Gaswolke gerade dorthin marschierenden Soldaten und auf dem Unterteil die in einem sargähnlichen Unterstand schlafenden Soldaten – oder sind es bereits nur noch ihre Leichen – brannten sich dauerhaft in mein Gedächtnis ein. Für uns Jugendliche wurden so die Schrecken des Krieges eine bildhafte Warnung vor einem neuen Krieg. Das war in der DDR Ertüchtigung zum Frieden und Kunsterziehung zugleich.
Jürgen Stenker, Halle (Saale)
Otto Dix und die vergessenen Opfer
→ Zu jW vom 22.10.: »Grauenhaftes Gemetzel«
Nicht vergessen werden sollte das Bild »Straßenkampf«, das Otto Dix über die vergessenen Opfer des Kapp-Putsches 1920 gemalt hat. Es zeigt Arbeiter*innen, die von den sich zurückziehenden Soldaten an einer Barrikade in Berlin erschossen wurden. Die Arbeiter*innen hatten sich an dem Widerstand beteiligt, der den Kapp-Putsch scheitern ließ. Das Bild zeigt auch die grausigen Details des Terrorakts der Soldaten. Dix scheint das Bild nicht gezeigt zu haben. Es wurde aber in Büchern erwähnt und von dem Maler Georg Matthäus neu gemalt. In der Grafik-Studio-Galerie in der Rigaer Str. 62 in Berlin-Friedrichshain kann man es betrachten.
Peter Nowak, Berlin
Für uns Jugendliche wurden mit Otto Dix die Schrecken des Krieges eine bildhafte Warnung vor einem neuen Krieg. Das war in der DDR Ertüchtigung zum Frieden und Kunsterziehung zugleich.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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