Aus Leserbriefen an die Redaktion
Mieteralltag
→ Zu jW vom 5.11.: »Neue Vonovia-Zahlen: Kerngeschäft Abzocke«
Mir als Vonovia-Mieter kommt beim Lesen dieser Zeilen der Kaffee hoch. Ich wohne seit ziemlich genau 14 Jahren in einer Vonovia-Wohnung, die vor vier Jahren von der Deutschen Wohnen verkauft wurde. Was haben wir erlebt? Mieterhöhungen, Erhöhung der Betriebskosten, grundlegend falsche Betriebskostenabrechnungen – aber keine Sanierungen, Reparaturen auf dem Niveau der möglichst minimalen Erhaltung der Funktionen eines Hauses. Allein das Abwassersammelsystem ist nur noch Flickschusterei. Wir haben kaputte Fenster – die mit der Reparatur beauftragte Firma sagte uns, dass wir als Mieter ein Anrecht auf eine jährliche Überprüfung hätten. Anfrage bei Vonovia – keine Reaktion. Mitmieter in unserem Haus haben Schimmel in der Wohnung – sie warteten mehrere Jahre auf eine Reparatur des undichten Daches – mussten das vor Gericht einklagen! Aber 2,2 Milliarden Gewinn – für die Aktionäre und diejenigen im Konzern, die wie Herr Mucic (Gehalt laut Prognose für 2026 zwischen 3,5 und 4 Millionen plus Zulagen etc.) sich eine goldene Nase verdienen – auf Kosten derjenigen, die kaum eine Chance haben, anderweitig bezahlbaren Wohnraum zu mieten. Die Diskussion um eine Entschädigung für die Enteignung halte ich für absolut daneben. Hier verrät in Berlin die Linke den Volksentscheid zur Enteignung. Wohnen ist Grundrecht und darf nicht der Regulierung durch den Markt geopfert werden und schon gar nicht den privaten Interessen von irgendwelchen Vorständen!
Andreas Eichner, Schönefeld
Über Brause
→ Zu jW vom 31.10.: »Grenzerfahrung für Friedrich Merz«
Ein kleines Abschweifen in die Welt des Genießens? Zumindest des scheinbaren Genießens mit Hilfe des Zuckergebräus von Coca‑Cola. Die ganze Welt soll diese Möglichkeit haben, sagten sich die dortigen Manager, nur die beiden besonders bösen Länder bekommen nichts. Deshalb weiß Fritze auch, dass Nordkorea besonders böse ist, denn die sind von Lieferungen der Zuckerplörre ausgeschlossen. Aus demselben Grund findet er die inzwischen mörderischen Sanktionen gegen Kuba auch nicht mehr schlimm (und hat sich letzte Woche bei der Abstimmung dazu in der UNO enthalten). Man hat ihm gesagt, dass Kuba so böse ist, dass Coca-Cola auch dorthin nichts liefert. Die Coca-Cola-Manager und Moralhüter aus Atlanta wissen eben, wer besonders böse ist, und unser Fritze lässt sich offenbar von dort immer gern beraten.
Erich Lerch, Berlin
Beim Namen nennen
Zu jW vom 4.11.: »Im Rüstungslabyrinth«
»Berlin Security Conference«? Welch ein Euphemismus! – Mein Namensvorschlag: »Berlin Conference on War and Propaganda for World War III«. Ähnliches gilt für »Münchner Sicherheitskonferenz« und »World Economic Forum« (Davos, Schweiz).
Roland Weinert, Geisenheim
Ursache und Wirkung
Zu jW vom 3.11.: »Merz kapert Jugendprotest«
Da jammern die Scheinheiligen der besonders aus dem rechten Lager stammenden Politiker über die in Deutschland zum Glück geringere Gewalt als in Frankreich bei den Schülerdemonstrationen. Und ein Teil der konservativen Journalisten stimmt freudig ein. Dann kam eine an faschistische Praktiken erinnernde Forderung aus der Jungen Union dazu: Es sollte die Bundeswehr gegen die Demonstranten eingesetzt werden. Am besten gleich mit Maschinengewehren, um im Ernstfall so viele als möglich Demonstranten zu erschießen? Auf eine solche Organisation kann Deutschland gut verzichten. Gewalt ist in keinem Fall zu rechtfertigen, aber es stellt sich doch die Frage: Wer oder was ist eigentlich die Ursache für diese Gewalt? Wer etwas tut oder nicht tut, so wie es schlafmützige Politiker tun, muss über die Folgen Rechenschaft ablegen.
Wären die Demonstrationen nicht notwendig, hätten die Gewalttäter keine Möglichkeit, sich zum Schutz vor der Staatsmacht in den friedlichen Demonstrationen zu verstecken. Die berechtigten Demonstrationen haben ihre Ursache in der Politik der letzten Jahrzehnte. Politiker aus dem rechten Lager haben z. T. bewusst die berechtigten Forderungen der Jugend nicht wahrgenommen. Im Gegenteil, sie wurden ignoriert.
Gäbe es die Missstände im Bildungs- und Gesundheitswesen, bei der Energie, gäbe es die Vernichtung der Umwelt, die Wohnungsnot und die Mietpreise nicht, gäbe es auch keinen Grund zum Demonstrieren. Die Standardantwort auf notwendige Investitionen ist immer: »Wir haben kein Geld!« Das ist die gewaltigste Lüge der letzten Jahrzehnte! Es gibt genügend Geld, es ist nur nicht sozial verteilt. 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr, dafür ist Geld da; für die Zukunft unserer Jugend gibt es kein Sondervermögen. Die Zahl der Milliardäre steigt von Jahr zu Jahr, viele Menschen können die Mieten nicht mehr bezahlen. Dazu trägt auch ein unsoziales Steuersystem bei. Erträge aus Arbeit werden fast doppelt so hoch besteuert wie Erträge aus Kapital! Also, schuld an der Entwicklung und damit Verursacher der Gewalt sind die aktuellen Politiker und die der letzten Jahrzehnte! Eigentlich müssten einige Politiker als Verursacher zur Verantwortung gezogen werden – oder, wenn sie Charakter hätten, zurücktreten.
Werner Hillenbrand, Ludwigsburg
Widerstand
Zu jW vom 4.11.: »Im Rüstungslabyrinth«
Gegen diese todbringenden Waffenschmieden gibt es aber auch einen wiederkehrenden und anwachsenden aktionsorientierten Widerstand. Jüngstes Beispiel kommt aus Großbritannien. Dort wurde am 2. November reichlich Todeswerkzeug neutralisiert, bevor es seinen Bestimmungszweck erfüllen konnte. Ganz in der konsequenten Tradition der »Pflugscharbewegung« (Philip und Daniel Berrigan in den USA, »Ulm 5« u. a. mehr). Diesmal waren es Aktivisten von »People Against Genocide«, die zum 109. Jahrestag der Balfour-Deklaration der Rüstungsbude »Ultra I&C« in Hertfordshire (Tring) in Großbritannien ein unerwartet anderes Aussehen verliehen.
Niki Müller, per Mail
Es gibt genügend Geld, es ist nur nicht sozial verteilt. 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr, dafür ist Geld da; für die Zukunft unserer Jugend gibt es kein Sondervermögen.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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