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Fankultur

Investorenduelle und Champions-League-Träume

Österreich: Internationale Geldgeber krempeln die Ligen um. Wacker Innsbruck und Schwarz-Weiß Bregenz als jüngste Beispiele einer riskanten Entwicklung

Foto: IMAGO/Zoonar
Absoluter Kultstatus: Diego Armando Maradona in einer Bar im Viertel Spaccanapoli in der Innenstadt von Neapel

Im österreichischen Fußball wird viel geträumt: etwa davon, zwei Teams in der Champions League zu haben. Dafür müsste zumindest der 15. Platz in der UEFA-Fünfjahreswertung erreicht werden. Doch vor Beginn der aktuellen Europacupsaison lag das Land auf Platz 20. Meister Sturm Graz musste sich allein durch die Qualifikation für die europäische Königsklasse mühen.

Dorthin haben es noch nicht viele österreichische Mannschaften geschafft: Sturm Graz, Austria Wien, Rapid, Austria Salzburg und zuletzt Red Bull Salzburg. Das Ziel der Champions-League-Teilnahme hatten in der jüngeren Geschichte des österreichischen Fußballs auch viele andere Vereine mit weniger klingenden Namen ausgerufen: SV Horn und Pinzgau Saalfelden wollten dank ausländischer Investoren den europäischen Klubfußball aufmischen.

Auch andere Vereine aus den zweiten, dritten und vierten Ligen glaubten, durch rasches Geld Ruhm zu erlangen. Da in Österreich Sponsoren im Vereinsnamen erlaubt sind, sind einige skurrile Namen entstanden: Aus dem ostösterreichischen Zweitligaverein SC Untersiebenbrunn wurde der SC Interwetten.com. In Pasching spielte bis 2007 der FC Superfund sogar Bundesligafußball.

Bereits früh wurde in der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten von der Champions League geträumt: 1999 wollte der Verein FC Niederösterreich St. Pölten »binnen fünf Jahren« den Meistertitel holen und in die Champions League einziehen. Die angebliche US-Investmentgruppe »inFavorit« überwies keinen Cent – oder Groschen, wie es damals noch hieß. Kontaktmann Benjamin Englisch stellte sich als Betrüger heraus und wurde inhaftiert. Obmann Franz Hein erklärte: »Leider hat sich bei uns niemand gemeldet, der uns Geld zukommen lassen möchte.« Der Verein ging in Konkurs.

Deutlichere Ansagen machte da schon Keisuke Honda, japanischer Nationalspieler und damals, 2015, im Kader des AC Milan. Neben seiner Fußballkarriere war er Großunternehmer und übernahm in jenem Jahr den niederösterreichischen Drittligisten SV Horn. »Wir wollen versuchen, Meister in der Bundesliga zu werden. Das heißt, wir müssen (Red Bull) Salzburg, Rapid und auch andere sehr starke Teams schlagen. Mir ist bewusst, was ich da sage. Aber meine Philosophie ist: Nichts ist unmöglich«, sagte er später im Interview mit dem öffentlich-rechtlichen ORF: »Wenn wir diese Teams geschlagen haben, dann können wir Champions League spielen.« Derzeit spielt der SV Horn wieder in der dritten Liga.

Ähnliche Ziele verfolgte im Juli 2000 der FC Pinzgau Saalfelden: US-Investoren wollten einen »Fan-Owned-Club« etablieren. Auf einer Wettplattform in England verkündeten sie, Gelder asiatischer Wettbüros erhalten zu haben. Die Spiele des Regionalligavereins wurden im Internet gestreamt. In Salt Lake City wurde ein Fanklub gegründet, und US-College-Spieler heuerten im Westen Salzburgs an. FC-Pinzgau-GmbH-Geschäftsführer Mark Ciociola verkündete: »Das ist unser ultimatives Ziel – uns in die Lage zu bringen, in der Champions League zu spielen.« Cheftrainer wurde der ehemalige Bayern-Spieler Christian Ziege. Den Aufstieg in die zweite Liga schaffte auch er nie. In dieser Saison spielt der Verein in der neu gegründeten Regionalliga Nord. Die vielen negativen Beispiele scheinen kaum abschreckend zu wirken.

Die zweite Liga in Österreich wirkt zunächst wie ein kompaktes Feld voller Tradition und alter Rivalitäten. Neben dem SV Austria Salzburg, den die Fans nach der Red‑Bull‑Übernahme 2005 selbst weiterführten, spielen dort auch der First Vienna FC, der älteste Klub des Landes, sowie die Admira aus der südlichen Wiener Vorstadt, die sich bis heute damit schmückt, in den 1950ern einmal Juventus Turin besiegt zu haben. Neu dabei ist Blau‑Weiß Linz, der VOEST‑Nachfolger, der aus der Bundesliga abgestiegen ist – während Wacker Innsbruck in die Liga aufgestiegen ist.

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Als am 31. Juli die neue Saison der zweiten Spielklasse angepfiffen wurde, trafen zwei Vereine aufeinander, die sich Anfang der 2000er Jahre noch in der Bundesliga gegenüberstanden: Doch statt eines Traditionsduells war Wacker Innsbruck gegen Schwarz-Weiß Bregenz Österreichs jüngstes Investorenduell. Denn mit Beginn der neuen Saison wurden beide von ausländischen Investoren übernommen.

Bereits 2023 stieg ein US-Investor beim damals finanziell schwächelnden Innsbruckern ein. Im Jahr zuvor wurde dem Verein die Bundesligalizenz entzogen. Die Tiroler stürzten in die fünfte Liga ab. Mit Hannes Rauch übernahm ein neuer Präsident. Die Lösung: ein neuer Investor. Die Eigentümer des US-Klubs Los Angeles FC (LAFC) wurden als strategische Partner gewonnen. Mehrere Millionen Euro flossen in den darauffolgenden Jahren, und nach drei Aufstiegen in Folge ist Wacker nun zurück im Profifußball.

Doch nun ging es noch einen Schritt weiter: Im Sommer wurden die US-Geldgeber auch Eigentümer. 99 Prozent der Anteile an der ausgelagerten Profiabteilung sowie an der wirtschaftlich zentralen Marketinggesellschaft wurden übernommen. Ein Prozent hält Wacker Innsbruck. Der Verein hat den Sportteilbetrieb »1. Herrenmannschaft« in die Gesellschaft eingebracht. »Unsere Partnerschaft ist langfristig angelegt. Wir sind überzeugt vom Potential des Vereins, seiner einzigartigen Tradition und seinen außergewöhnlichen Fans«, teilte LAFC mit.

Präsident Rauch erklärte gegenüber der Tiroler Tageszeitung: »Klar ist natürlich, dass LAFC als Hauptinvestor wirtschaftlich das Sagen hat. Aber das war auch bereits der Fall.« Er behauptete dennoch, dass Wacker weiterhin ein Mitgliederverein bleibe.

Widerspruch von Fans und Mitgliedern gegen die neuen Eigentümer ist in der Öffentlichkeit nicht zu vernehmen. In der vergangenen Saison kamen in der Regionalliga im Durchschnitt 3.000 Fans zu den Heimspielen. Im ersten Duell gegen Bregenz waren es 4.200 – beide Zahlen liegen deutlich über den jeweiligen Ligadurchschnitten.

Neben dem sportlichen Erfolg, der derzeit mit den US-Investoren Einzug hält, ist wohl auch die Zersplitterung der Fanszene ein Grund für das Schweigen. Im Januar 2023 hatte sich die 1991 gegründete Ultragruppe »Verrückte Köpfe« aufgelöst.

Auch Bregenz wurde kurz vor Saisonbeginn von einem ausländischen Investor übernommen. Die Vorarlberger verkündeten Anfang Juni eine strategische Partnerschaft mit dem japanischen Verein Tochigi City FC. Die Vereinsverantwortlichen frohlocken: »Sobald das Geld fließt, kann es losgehen«, schrieb die Kronenzeitung. Große Ziele hat der Vorstand. Doch sollte ihm das erwähnte Fiasko beim SV Horn Stoff zum Nachdenken geben.

Denn: Dass die Bregenzer Investorenblase ebenso zerplatzen könnte, deutet bereits der erste nebulöse Pressekommentar der neuen Partner an: »SV Horn ist uns in den Sinn gekommen«, so die neuen japanischen Finanziers, sie möchten daher »behutsamer« vorgehen.

Hinter dem Einstieg steht das Industrieunternehmen Nippon Rika, dessen Geschäftsführer Takashi Okuri auch bei Tochigi City das Sagen hat. Okuri soll laut Informationen auf der Vereinshomepage bei den Bregenzern das Amt des Sportdirektors übernehmen.

Tochigi City hatte 2023 noch fünftklassig gespielt und schaffte im Vorjahr den Sprung in die zweite Liga. Beide Klubs wollen mit der Zusammenarbeit »den sportlichen, organisatorischen und kulturellen Austausch« fördern und »neue Perspektiven« entwickeln, wie es in einer SW-Bregenz-Mitteilung heißt.

Übrigens: Das Duell zum Zweitligastart Ende Juli zwischen Innsbruck und Bregenz entschieden die Tiroler mit 5:0 deutlich für sich. Ob beide Vereine bis zum Saisonende jubeln können, ist mit Blick auf die bisherigen ausländischen Investitionen im österreichischen Fußball fraglich. Viele große Pläne mündeten in Insolvenzen, und so endete die zweite Liga in den vergangenen Jahren selten regulär. Auch in der abgelaufenen Saison mussten Stripfing und Klagenfurt nach Pleiten absteigen – für Stripfing endete die Saison sogar schon im Winter; alle Spiele wurden mit 0:3 gewertet. Kurz: Statt Champions League Konkursliga.

Dieter Reinisch lebt in Wien und ist seit seiner Kindheit Fußballfan. Er schreibt regelmäßig in der jW und für die Fanbeilage.
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Erschienen in der Beilage vom 19.08.2026, Seite 8, Sport

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