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Tropfen für Tropfen
Kuba-Protestwache in Berlin: Wie die US-Blockade auf das Gesundheitssystem durchschlägt
Ein Wolkenbruch ging am Sonntag über der »Unblock Cuba«-Protestwache nieder. Passantinnen und Passanten, die am Brandenburger Tor unterwegs waren, drängen sich unter die Plane, unter der eben noch über Krebsmedikamente gesprochen wurde. »Wir wollten eigentlich nur nicht nass werden«, sagt eine Frau gegenüber junge Welt, während sie mit ihrem Partner zu Pablo Miró tanzt. »Jetzt bleiben wir noch etwas für die Musik.«
Am zweiten Tag der Protestwache auf dem Platz des 18. März stand das Thema Gesundheit im Mittelpunkt. Petra Wegener, die Vorsitzende der Freundschaftsgesellschaft BRD–Kuba, verlas den Bericht von Pedro Rosales, dem Direktor des Miguel-Enríquez-Krankenhauses in Havanna. Gegenüber jW erklärte sie, die US-Blockade der Inselrepublik werde seit über 60 Jahren aufrechterhalten, um die Regierung durch Aushungern der Bevölkerung zu stürzen. Inzwischen sei erreicht, dass die Insel von Energie und Lebensmitteln praktisch abgeschnitten ist: »Damit werden die Menschen an den Rand des Hungertodes gebracht.« Das Ziel sei, die Verzweiflung so weit zu treiben, dass Kuba ein weiteres US-Protektorat werde, sagte Wegener.
Von den 395 Medikamenten des kubanischen Basisplans sind 300 nicht verfügbar. 100.000 Menschen stehen auf Wartelisten für Operationen, darunter 12.000 Kinder. 2.888 Dialysepatienten sind auf eine kaum noch vorhandene Stromversorgung angewiesen, und mehr als 30.000 Kinder haben ihre Impfungen nicht rechtzeitig erhalten, da Kühltransporte ausgefallen sind. Dies geht aus einer Stellungnahme hervor, die Havanna am 8. September dem UN-Menschenrechtsrat vorlegte. Die Überlebensrate krebskranker Kinder und Jugendlicher fiel von 85 auf 65 Prozent, während die Säuglingssterblichkeit seit 2018 von vier auf 9,9 je 1.000 Lebendgeburten stieg. Was das konkret im Alltag der Kubaner bedeutet, wurde bei der Protestwache anhand des Dokumentarfilms »La gota de agua« (Der Wassertropfen) deutlich. Der Film begleitet ein fünfjähriges Mädchen während ihrer Behandlung und zeigt, woran es mangelt: an Geräten und Medikamenten, die US-Bauteile oder US-Patente enthalten und deshalb nicht ins Land dürfen. Im Zelt wurde es still, während Natali auf der Leinwand behandelt wurde. Über etwas Solidarität darf man sich in Kuba trotzdem freuen: Im März 2026 erreichten rund fünf Tonnen medizinischer Hilfsgüter die Insel. Sie wurden von etwa 100 europäischen Aktivisten nach Havanna gebracht und an Krankenhäuser verteilt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn die Blockade bestehen bleibt.
Danach übernahm der deutsch-argentinische Liedermacher Pablo Miró das Mikrofon. Warum er hier spiele? »Weil ich mit Kuba leide«, antwortete Miró. Kurz darauf fuhr ein Korso von rund 20 Fahrzeugen hupend vorbei. Aus den Autofenstern wurden Peace-Zeichen gezeigt und geballte Fäuste gereckt, offenbar eine Reaktion auf die kubanischen Fahnen vor den Zelten. Conny Renkl, der als Ordner im Einsatz war, berichtete, dass diese Art Feedback die Regel sei: »Die Leute sagen: ›Ihr habt recht, Kuba muss bleiben.‹«
Die internationale Mehrheit bewertet die US-Politik gegenüber Kuba ganz anders als Washington selbst. So stimmten Anfang Juli 136 Staaten dafür, die Debatte über die Auswirkungen des US-Embargos gegen Kuba wieder aufzunehmen. Im Oktober 2025 hatte die UN-Generalversammlung die jährliche Resolution zur Beendigung des Embargos mit 165 Stimmen angenommen, bei sieben Gegenstimmen und zwölf Enthaltungen. Kuba warf den USA dabei vor, über diplomatische Kanäle Regierungen zur Ablehnung oder Enthaltung gedrängt zu haben.
Die Protestwache steht noch bis Sonnabend. Sie ist rund um die Uhr besetzt, Vorträge beginnen täglich ab 18 Uhr. Der Themenschwerpunkt am Montag war Energie, mit Beiträgen zum Ausbau der Solarenergie auf der Insel und einem Konzert des ehemaligen K. I. Z.-Mitglieds DJ Craft.
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