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Unbeliebte Ostfront

Bundeswehr sucht fitte Soldaten

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Friedrich Merz will die »stärkste konventionelle Armee Europas« aufstellen. Dabei ist er seiner Meinung nach so erfolgreich, dass er in immer kürzeren Abständen fast schon den direkten Krieg gegen Russland erklärt. Am Montag hörte sich das beim EU-Arktisgipfel im finnischen Rovaniemi so an: »Höchstwahrscheinlich stehen uns die entscheidenden Momente – vielleicht Wochen oder Monate – bei der Verteidigung von Freiheit und Frieden auf unserem Kontinent bevor.« Im Vergleich zum deutschen Kanzler ist eine Drohne in Leipzig, die nicht funktioniert, harmlos.

Merz muss sich aber in Geduld üben: Nicht alle sind so kriegstüchtig wie er. Der Spiegel gab am Montag interne Zahlen wieder, die von der Linke-Fraktion im Bundestag abgefragt worden waren. Viele der Freiwilligen, die sich zum Wehrdienst gemeldet haben, sind für diesen körperlich nicht fit genug – im zweiten Quartal gut 24 Prozent, im ersten rund 25 Prozent. Der Spiegel rechnet zudem vor: Von den etwa 83.500 Männern und mehr als 3.000 Frauen (von 169.000 angeschriebenen), die den Fragebogen der Bundeswehr vollständig ausgefüllt haben, müssen mehr als 55.000 bei »kein Interesse« ein Kreuz gemacht haben.

Die zweite gute Nachricht dieser Art posaunte Bild ebenfalls am Montag heraus: In der Truppe selbst ist Dienst an der neuen deutschen Ostfront, die jetzt »NATO-Ostflanke« heißt, unbeliebt. Es melden sich nicht genug Freiwillige zur Brigade in Litauen. Boris Pistorius will daher bis zu 1.000 Soldaten bereits im Herbst verpflichten.

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Sie, die als fit eingestuft wurden, können den osteuropäischen Winter genießen – dort, wo vielleicht schon Altvordere erfroren. Einige der in die litauischen Wälder Abzukommandierenden kennen die Tiefkühltemperaturen aber offenbar bereits. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) meldet am Montag, »zahlreiche Angehörige der Bundeswehr« seien in den vergangenen Jahren zu Verwandten nach Russland oder Belarus gereist und dabei »ins Blickfeld« von deren Geheimdiensten geraten. Der MAD raunt von Erpressung und Drohungen. Im Klartext: Merz kann sich auf nichts verlassen, wenn die Räder wieder für den Sieg rollen sollen.

Zum Glück hat er Pistorius und die USA: Dort holt der Minister in dieser Woche den ersten von 35 F-35-Kampfjägern für die »nukleare Teilhabe« ab. Wenn es mit den Soldaten nicht klappt, bleibt die Bombe, um Europa zu beseitigen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.09.2026, Seite 1, Ansichten

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