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Rufe nach Regeln

Foto: Stefan Boness/IPON

In seinem 2025 bei Reclam veröffentlichten Büchlein über »Künstliche Intelligenz« lenkt Rainer Mühlhoff von der Uni Osnabrück den Blick auch auf eine Diskursverschiebung: »Die gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen der KI von heute werden zugunsten abstrakter Zukunftsnarrative heruntergespielt.« Auch im Jahr 2026 geht die selbsterklärte Qualitätspresse nicht auf die Gegenwart ein. Die Mitteilung von Open-AI-Chef Sam Altman vom Wochenende, wonach der IT-Rüstungszulieferer das Tempo der eigenen technischen Entwicklung reduzieren wolle, löst vor allem Bedenken darüber aus, ob die Regulierung von KI-Systemen weltweit koordiniert werden kann.

»Es wird nur eine Frage von Monaten sein, bis die erste Bank, das erste Stadtwerk oder das erste Krankenhaus per künstlicher Intelligenz gekapert wird. Vermutlich sind diese Angriffe ohnehin schon passiert, und wir wissen es nur bisher nicht«, spekulierte das Handelsblatt noch am Sonntag online. Besorgt um »Europa« heißt es weiter: »Wir haben keine KI-Firmen, die in einer Liga mit den großen Konzernen aus den USA und China mitspielen. Bei der Regulierung können wir allenfalls über den europäischen Markt bestimmen.« Zu bedauern sei vor allem »die traurige Tatsache, dass es hier kaum Firmen gibt, die global mithalten können«.

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Springers Welt wird ihrem Namen gerecht und denkt am Montag global. »Die Antwort heißt: ein internationales Abkommen, die Entwicklung einer Super-KI zu verbieten, einschließlich robuster Kontrollmechanismen, die tief in die Prozesse eingreifen, mit denen Firmen KI-Modelle herstellen, und scharfer Sanktionen – sprich Gefängnisstrafen – für Manager und Ingenieure, die dagegen verstoßen.« Letzteres wird ein Wunschtraum bleiben. »Europas Chance« beschränke sich darauf, »als ehrlicher Makler mit Hochdruck daran zu arbeiten, ein solches Abkommen und ein solches Kontrollregiment zusammen mit den wichtigsten staatlichen und privaten Akteuren zustande zu bringen«. Spiegel-Leser wissen: »Menschheitsprobleme lassen sich nur lösen, wenn die Menschheit kooperiert.« Das Praktische an diesem Ansatz ist, dass es nur einen braucht, der nicht mitmacht. »Unglücklicherweise sitzt im Weißen Haus ein Mann, der nicht an Kooperation glaubt, sondern an ein Nullsummenspiel«, bedauert das Onlinemagazin am Montag.

Die Frankfurter Rundschau findet bei den KI-Kapitalisten noch etwas Restglaubwürdigkeit. »Auch wenn sie vor allem um ihre Geschäfte und Gewinne bangen und sich weniger um die Sicherheit aller sorgen, sollte man sie nun beim Wort nehmen.« Regulierung – und dafür wiederum das Einreden auf den US-Präsidenten – sei notwendig, da »die immensen Gefahren der KI und ihre in Teilen zerstörerische Kraft für Menschen, Firmen und ganze Staaten« nicht mehr ignoriert werden könnten. Die bereits angerichtete Zerstörung von Menschenleben, Ökosystemen und bürgerlichen Freiheiten dagegen offenbar schon. (mb)

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.09.2026, Seite 2, Ansichten

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