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Russische Handschrift

Foto: Cecile Mantovani/REUTERS

Seit Wochen demonstrieren in Frankreich Hunderttausende gegen Teuerung und Vernachlässigung des Bildungssystems. Politik und Presse kennen aber ausschließlich Gewaltaktionen. Nur das Handelsblatt meldet, dass sich auch Finanzspekulanten Sorgen machen: »Die Risikoprämien für französische Staatsanleihen steigen weiter.«

Da taucht wie beim Pawlowschen Hund der Speichel in Redaktionen die gespenstische »Untergang des Abendlandes«-Stimmung auf. Das einst vom »Windbeutel« (FAZ) Wolfram Weimer gegründete Magazin Cicero pestet: »Diese Gewaltausbrüche sind ein Vorgeschmack auf das, was auf ganz Europa und den Westen wartet, wenn die Schwächung und Auflösung der Bindekräfte westlicher Gesellschaften voranschreitet, an der tonangebende Teile der Eliten innerhalb des Westens mit postkolonialem Eifer arbeiten. Nicht nur die plündernden Meuten sind eine tödliche Gefahr für den Fortbestand des Westens. Vielleicht noch gefährlicher sind diejenigen, die nicht selbst Hand anlegen, sondern die niedersten Affekte (sic!) und Aggressionen mit islamischen und linksradikalen, jedenfalls antiwestlichen, zivilisationsfeindlichen Ressentiments aufhetzen.«

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Das hält sich bieder im Rahmen der auch bei linken Wahlsiegen vorgezeigten Vogelscheuchen sogenannter Konservativer – Antikoloniale, Linke, Muslime, letztlich also alles Antisemiten und Antizionisten, was dasselbe zu sein hat – und ignoriert den Schlager der Saison: Selbstverständlich war’s der Russe. Zumindest war er zusammen mit den anderen Schurken der Welt dabei. Untersucht zum Beispiel im Rundfunksender France Culture der Journalist Frédéric Martel: Er hat auch Spuren aus Iran und Algerien entdeckt. Die Berliner Zeitung/Ostdeutsche Allgemeine fasst das Grauen zusammen: »Nach Angaben von Quellen aus Polizei und In- landsgeheimdienst sollen Influencer und Blogger die Mobilisierung der Randalierer befeuert haben, die von ausländischen Mächten unterstützt oder verbreitet wurden.« Und weiter: »Nach einem Bericht des Branchendienstes La Lettre haben die französischen Behörden für Desinformationsabwehr und Cybersicherheit hinter mehreren französischsprachigen Konten auf X, die Videos der Straßenschlachten verbreiteten, die Handschrift der iranischen Führung festgestellt.«

Wie schön, dass die französischen Dienste, die früher Leute vor allem mit nichtweißer Hautfarbe umstandslos und massenhaft erschlugen, etwa am 17. Oktober 1961 in Paris, heute nur noch aus der Hand lesen. »Koordiniert wurde laut Martel über verschlüsselte Messenger und Snapchat.« Gehört das meiste von dem Zeug nicht den USA, wurde es nicht von der CIA angeregt und entwickelt? (as)

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.10.2026, Seite 2, Ansichten

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