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Marketenderin des Tages: Marianne Birthler

Foto: Metodi Popow/IMAGO

Eins darf man ihr lassen – Pazifistin war sie nie. Weswegen ihr heutiges Feldgeschrei kein Zeichen von Opportunismus ist, kognitiver Dissonanz schon eher. 1988 trat Marianne Birthler der Initiative für Frieden und Menschenrechte bei. Im Kontrast zur Friedensbewegung dachte die IFM Frieden und Bellizismus zusammen, in der Gründungserklärung von 1986 heißt es, dass die Arbeit am Frieden »von der Durchsetzung demokratischer Grundrechte und -freiheiten abhängig« sei. Wie dergleichen durchgesetzt wird, ist geschichtlich evident, Softpower, Regime-Changes, militärische Operationen. In der wirklichen Welt muss man sich entscheiden, was man sein möchte, Menschenrechtsinterventionist oder Friedens­aktivist. Man kann auch weder das eine noch das andere sein, beides zugleich nicht.

Dieser Tage sieht Birthler Berlin fallen. Nicht durch den Russen, der kommt später. Zunächst durch die sich anbahnende Koalition. Im Sondierungspapier heißt es zum Bildungsbereich: »Die Koopera­tionsvereinbarung mit der Bundeswehr beenden wir.« Birthler, ganz im Geist der Zeitenwende, mithin der Durchmilitarisierung ziviler Gesellschaft, sieht die Erziehung zur Wehrtüchtigkeit in Gefahr. Der Beschluss, die Zusammenarbeit von Schulen und Bundeswehr zu beenden, habe sie »alarmiert«, sagte sie am Dienstag dem RND. »Junge Menschen (…) haben das Recht auf alle verfügbaren Informationen und auf die offene Diskussion mit ihren Mitschülern, auch und gerade in der Begegnung mit Soldaten.«

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Offene Diskussion und freie Meinungsfindung: Wo Schulen mit der Bundeswehr kooperieren, ist das Verhältnis von Beginn an asymmetrisch. Die Vertreter des Militärs informieren nicht einfach, sie treten auf als behördlich legitimierte Aufklärer. Vielleicht ist es ja genau das, worauf Birthler und andere Bellizisten bauen, aber sich über sich im klaren sein könnten sie doch wenigstens.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.10.2026, Seite 3, Ansichten

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