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Wasserkrise

Vielleicht galt das Aufgebot nicht dem Camp?

Die Wassergerechtigkeitsbewegung soll eingeschüchtert werden, sagt Timo Luthmann

Foto: Thomas Frey/dpa

Das Rheincamp, das Klimakollektiv und das Wasserbündnis Rheinisches Revier haben bis zum vergangenen Wochenende ein Protestcamp für Wassergerechtigkeit bei Monheim am Rhein durchgeführt. Sie kritisieren, dass Polizeihundertschaften mit Drohnen und Motorrädern das Gelände rund um die Uhr überwachten – nach Aussage des Einsatzleiters zu Ihrem Schutz. Sie sind anderer Meinung?

Zur massiven Polizeipräsenz, die während des Campaufbaus am Mittwoch bis zu unserer Demo am Samstag andauerte, sagte der Einsatzleiter: »Wir wollen hier kein neues Lützerath und keinen neuen Hambacher Wald haben.« Vermutlich sollte so unsere neue Bewegung zur Wassergerechtigkeit im Keim erstickt werden. Anders ist das nicht zu erklären. Unser Protest gilt einem brennenden Thema in diesen Tagen: der Verschmutzung und Verknappung des Wassers durch die Großindustrie, was unser aller Überleben gefährden kann. Es geht uns um die Anpassung an die Klimakrise und die Sanierung von Wasserhaushalten.

Kann es sein, dass dieses riesige Aufgebot gar nicht Ihren Protesten für Wassergerechtigkeit galt, sondern vielmehr etwas geübt werden sollte: zum Beispiel wie die Polizei im Inneren bei größeren Protestaktionen gegen Krieg und Aufrüstung eingesetzt werden kann?

Nein. Wir denken nicht, dass die repressiven Polizeimaßnahmen etwas mit der Bewegung »Rheinmetall entwaffnen«, die ab dem Antikriegstag in Köln ihr Camp startet, zu tun haben. Vermutlich will man uns als neue Wassergerechtigkeitsbewegung mit rund 100 Aktiven einschüchtern und am Entstehen hindern. Vor allem, weil hier in Monheim Industrien ansässig sind, die geradezu beispielhaft für Wasserungerechtigkeit stehen.

Wie wirkte die Polizeipräsenz?

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Das übermäßige Polizeiaufgebot hat Außenstehenden suggeriert, dass von uns Gefahr ausgeht. Offenbar fühlten sich Monheimerinnen und Monheimer abgeschreckt, sich uns anzuschließen. Initiativen aus Monheim erklärten aber, dass sie dabei sein wollen, wenn wir wiederkommen. Und wir werden auf keinen Fall aufgeben. Alle Bewegungen haben klein angefangen, bis ihr Anliegen zum Thema gesellschaftlicher Auseinandersetzung wurde: Das war bei Lützerath und beim Hambacher Wald so. Resonanz in den Medien haben wir ja genug bekommen.

Sie hätten zum Thema ja auch eine klassische Konferenz abhalten können – warum ein Camp?

Das Rheincamp reiht sich in die anderen Flusscamps gegen die Wasserkrise ein: vom Wesercamp bis zum Spreefestival. Wir waren mit unserem Camp hier genau richtig. Die Crop Science Division von Bayer hat ihren Hauptsitz in Monheim und betreibt einen Standort in Dormagen. Sie steht in der Kritik, Deutschlands größten Fluss durch Ewigkeitschemikalien, PFAS, giftige Stoffe wie Pestizide und mit Produktionsrückständen der chemischen Industrie zu belasten. RWE will dem Rhein zudem riesige Wassermengen abzapfen, um damit seine gigantische Braunkohletagebaugrube im Rheinischen Revier zu füllen. Der Energiekonzern will dafür eine Rheinwassertransportleitung bauen. Und das, obwohl der Rhein in der Klimakrise jetzt schon häufig extremes Niedrigwasser führt.

Wasser ist knapp. Die Industrie pumpt ab, ohne zu zahlen, Landwirte haben Probleme. Was war darüber hinaus Neues zu erfahren?

Wir haben die Sanierung der Wasserhaushalte mit dem slowakischen Hydrologen Michal Kravčík diskutiert. Neben dem großen Wasserkreislauf gibt es auch den kleinen auf lokaler Ebene. Mittels dezentraler Wasserretentionsanlagen muss man dafür sorgen, dass das Wasser langsam im Boden versickert. Es gilt, Auen und Bäche zu renaturieren. Ähnlich wie bei der Architektur der Schwammstädte müssen regional Pflanzen angebaut werden, um Wasser aufzufangen und wieder abzugeben. So kann man dafür sorgen, dass es lokal etwa zwei Grad kühler wird. Das ist der Schlüssel für eine Klimaanpassung.

Wie ist Ihre Bilanz des Camps?

Die Vernetzung ist gelungen. Auch Umweltschützer der französischen Bewegung gegen die Lagerung des Giftmülls in der Deponie Stocamine im elsässischen Wittelsheim waren bei uns. Wir alle fordern, die europäische Wasserrahmenrichtlinie konsequent umzusetzen. Folgekosten der industriellen Nutzung und Verschmutzung des Rheins dürfen nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt werden, während die Industrie satte Gewinne einfährt.

Timo Luthmann ist Sprecher des Wasserbündnisses Rheinisches Revier und des Rheincamps

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.09.2026, Seite 3, Inland

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