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Pakistan

Vom Knast ins Krankenhaus

Gerichtsurteil: Pakistans inhaftierter Expremier Imran Khan wird in Klinik eingewiesen

Foto: K.M. Chaudary/AP/dpa
Damals noch auf freiem Fuß: Expremierminister Imran Khan (Lahore, 18.5.2023)

Es war ein juristischer Sieg für Imran Khan und seine Getreuen: In einem wegweisenden Urteil hat der Supreme Court (SC), Pakistans Oberster Gerichtshof, am Dienstag die Verlegung des inhaftierten Oppositionsführers und Expremierministers aus seiner Zelle in ein Krankenhaus angeordnet. Binnen zwei Tagen sollte der 73jährige, der schon länger gesundheitlich stark angeschlagen ist, vom Adiala-Gefängnis in der Garnisonstadt Rawalpindi in ein Krankenhaus der renommierten Privatkette Shifa International Hospitals in der Hauptstadt Islamabad verlegt werden. Dort soll er von Fachärzten untersucht werden. Explizit heißt es, dass dabei Khans persönlicher Arzt Zugang zu seinem Patienten erhalten und in alle Entscheidungen einbezogen werden soll.

Doch die Zugeständnisse der höchsten juristischen Instanz an den populären Expremier gingen noch weiter. Wöchentlich, so die Anweisung des SC, muss Khan Besuch von Angehörigen, Anwälten und anderen Vertrauten empfangen können. Speziell dieser Punkt ist nicht neu. Nahezu gleichlautend hatte eine Ebene tiefer schon 2025 der Islamabad High Court (IHC) geurteilt und Dienstag und Donnerstag als Besuchstage festgelegt. Die Gefängnisbehörden kamen der gerichtlichen Anweisung aber nicht nach. Über Monate wurde Khan faktisch von der Außenwelt isoliert. Weder seine Schwestern noch Mitglieder seines Verteidigerteams und erst recht keine Vertreter seiner Partei, der Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI), wurden zu ihm gelassen.

Dass die Gefängnisleitung nicht wagt, das SC-Urteil gleichermaßen völlig zu ignorieren, zeigte sich noch am Dienstag, als sich nach langer Zeit für Noreen Niazi, eine der Schwestern des Inhaftierten, die Adiala-Gefängnistore öffneten. Es war das erste Mal in diesem Jahr, dass sie ihren Bruder sehen durfte. Laut Berichten trafen sich beide im Konferenzraum des Gefängnisses. Beim Gespräch sei es um Khans Gesundheitszustand gegangen. Niazi habe ihn aus erster Hand über die Bestimmungen des neuen Gerichtsurteils und seine bevorstehende Krankenhausverlegung informiert, hieß es.

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Laut der Tageszeitung Dawn, die ausführlich berichtete, wurden Aleema Khan und Uzma Khan, die beiden anderen Schwestern, sowie ein Cousin allerdings auf der Straße zum Gefängnis an einem Checkpoint gestoppt. Die Rede war von einem »massiven Polizeiaufgebot«. Trotzdem zeigt sich die Familie von den jüngsten Entwicklungen erleichtert. Zumal nahezu parallel Bushra Bibi Khan, Imran Khans ebenfalls inhaftierte Ehefrau, Besuch von Familienangehörigen erhielt.

Das Interesse an der Urteilsverkündung durch eine mit drei Richtern besetzte Kammer des SC war groß. Die Journalistin Meher Bokhari berichtete im Anschluss auf dem Kurznachrichtendienst X, der Vertreter der Staatsanwaltschaft habe sich rigoros gegen die verfügten Erleichterungen für den prominentesten Gefangenen des Landes gestemmt. Der Supreme Court will in dem Fall am 16. September erneut beraten, wenn die medizinischen Berichte vorliegen sollen. Khan, nach dem PTI-Wahlsieg 2018 Regierungschef und im April 2022 per Misstrauensvotum gestürzt, sitzt bereits seit dem 5. August 2023 dauerhaft ein. Vor drei Jahren gab es den ersten Schuldspruch in einem Verfahren, bei dem es um Bereicherungsvorwürfe durch Geschenke ausländischer Staatsgäste ging. Später wurde er noch in einem Korruptionsverfahren um einen Immobiliendeal zu 14 Jahren Haft verurteilt. Die Urteile werden von Khans Anhängern als politisch motiviert angesehen.

Schon 2025 hatten sich Anwälte und PTI-Politiker wiederholt beklagt, dass die Besuchsrechte nicht eingehalten und sie häufig abgewiesen wurden. Seit sieben Monaten verschärfte sich die Isolierung. Zudem wurde Ende Januar bekannt, dass Khan auf seinem rechten Auge schon 85 Prozent an Sehkraft eingebüßt habe. Umfangreichere medizinische Maßnahmen wurden ihm aber verwehrt. Inzwischen sind offenbar Probleme mit dem Blutdruck und dem Herzen sowie Angstzustände dazugekommen. Justizminister Azam Nazeer Tarar kündigte allerdings im Namen der Regierung noch Dienstag abend (Ortszeit) an, gegen das Gerichtsurteil vorzugehen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.08.2026, Seite 6, Ausland

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