Fluglotsen in Sydney am Limit
Hohe Unfallgefahr: Personaldecke im Tower des größten australischen Airports erheblich ausgedünnt
Mehrere Beinaheunfälle in jüngster Zeit haben den Blick auf die sich zuspitzenden Probleme bei der australischen Luftraumüberwachung gelenkt. Dass es vor allem am Flughafen der größten Metropole Sydney an ausreichend Fluglotsen fehlt, ist schon etwas länger bekannt. Dass die Engpässe aber spürbar die Flugsicherheit beeinträchtigen, zeigt sich an mehreren schlagzeilenträchtigen Ereignissen. Kollisionen konnten teilweise nur im letzten Moment verhindert werden. Allein vier Vorfälle wurden am betriebsstärksten Flughafen Down Unders seit Ende Juli bekannt. Zuletzt wurde am vergangenen Freitag offiziell ein Vorfall, der sich drei Tage zuvor ereignet hatte, bekannt, als zwei Maschinen der größten nationalen Airline Qantas im Taxibetrieb aufeinander zusteuerten – beide hatten den Schilderungen zufolge eine Freigabe aus dem Tower.
Solche Fehler häufen sich in alarmierender Weise, wie am Montag der Wirtschaftsdienst Bloomberg zusammenfasste. Erst eine Woche vor dem jüngsten Vorfall hatte es gleich zwei nur knapp verhinderte Katastrophen an einem einzigen Tag gegeben. Eine Maschine des Billigfliegers Virgin Australia musste ihren Start abbrechen, als ein Qantas-Flugzeug die Startbahn zu kreuzen begann. Am gleichen Morgen blieb ein Zusammenstoß zwischen einem Jetstar-Flugzeug im Taxibetrieb und einer Qantas-Maschine, die aus ihrer Parkposition gezogen wurde, gerade noch aus – eine Person vom Kabinenpersonal wurde bei der scharfen Bremsung verletzt. Unter ganz ähnlichen Vorzeichen hätte es schon Ende Juli beinahe eine Kollision zweier Qantas-Jets gegeben. Vor allem am zweiten Augustwochenende gab es an Sydneys Flughafen zuhauf Verspätungen.
Airservices Australia, der staatliche Fluglotsendienst, ist bei der Größe der australischen Landmasse für die Überwachung des Flugverkehrs in gleich elf Prozent des weltweiten Luftraums zuständig. Neben dieser geographischen Dimension des Einsatzgebietes nimmt auch der dortige Flugverkehr weiter zu. Wie das Portal »The World Data« unter Berufung auf die eigenen Angaben von Airservices Australia für das Ende Juni abgelaufene Finanzjahr 2025/26 meldete, hätten die Passagierzahlen gegenüber 2024/25 um drei Prozent, die Anzahl der internationalen Flüge sogar um sieben Prozent zugenommen.
Schon am 10. August sah sich Airservices-CEO Rob Sharp zu einer öffentlichen Entschuldigung genötigt. Laut dem Nachrichtenportal News 24 wurde er sogar vier Tage später zu einem klärenden Gespräch ins Transportministerium einbestellt. Das Unternehmen kommt mit Ausbildung und Neueinstellungen aber kaum hinterher. »Es gibt schlicht nicht genug Leute«, beschrieb Scott Nugent, Gewerkschaftschef der Fluglotsenvereinigung Civil Air, nüchtern die Situation. Whistleblower berichteten, Schichten seien wegen des Personalmangels nur äußerst dünn besetzt, zehn Tage Dienst am Stück seien dort keine Seltenheit, wie es in einem Beitrag des Guardian am 12. August hieß. Auch Andrew Marshall, Präsident der Australian and International Pilots Association, welche die Qantas-Piloten vertritt, zeigte sich beunruhigt. Wenn die Cockpitbesatzungen zur »letzten Verteidigungslinie« in Sachen Flugsicherheit werden, um Unglücke zu verhindern, könne das »keine Langzeitlösung sein«, wurde er bei Bloomberg zitiert.
Die Gründe für die ausgedünnte Personaldecke sind vielfältig. Ein Faktor sei aber, wie der Guardian ausführte, der erhebliche Stellenabbau in der Coronazeit. Der Flugbetrieb kam während der Pandemie zeitweise weitgehend zum Erliegen. Airservices Australia habe daraufhin Jobs gestrichen – allein 140 ältere Kollegen ab 56 Jahren hätten sich auf eine Abfindungsregelung eingelassen. Zwar habe es später eine Neueinstellungskampagne gegeben, aber nur mit mäßigem Erfolg. The World Data schreibt von 10 landesweiten Neueinstellungen, die es im Jahr 2025/26 gegeben habe. Die tatsächliche Freigabe für den Dienst im Tower hätten von Januar bis August bisher 55 Fluglotsen erhalten.
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