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Warum landen Geflüchtete dennoch in Unterkünften?
Brandenburg: Studie konnte Effekte der Unterbringung in Wohnungen nachweisen, erklärt Birgit Behrensen
In Brandenburg besteht die Möglichkeit, geflüchtete Menschen in Wohnungen statt in Sammeleinrichtungen unterzubringen. Wie genau verbessert diese Form der Unterbringung die Situation der Betroffenen?
In Wohnungen können Menschen selbst entscheiden, wie sie ihren Tag verbringen, wann und was sie essen und wie sie sich einrichten. Diese Selbstbestimmung steht im Gegensatz zur Unterbringung in Sammelunterkünften und sollte in demokratischen Gesellschaften selbstverständlich sein. Der eigene Wohnraum als Ort, an dem sie entscheiden können, was sie tun, wirkt sich positiv auf die psychische Gesundheit von Menschen aus, die in ihren Herkunftsländern und auf dem Fluchtweg oft Entwürdigung erfahren haben. Unsere Studie, an der Mara Hasenjürgen und Lotta Schwedler maßgeblich mitgearbeitet haben, zeigt: So gelingt es, Stabilität zu schaffen, damit Menschen ihre Teilhabe an der Gesellschaft aktiv angehen können. Auch für letztere ist das interessant: Menschen, die selbstbestimmt leben, agieren entsprechend. Gelingt das nicht, führt das zu einem Teufelskreis der Entmündigung.
Warum werden Geflüchtete dennoch in Sammelunterkünfte gesteckt?
Brandenburg hat ein gutes Aufnahmegesetz, das Landkreisen und kreisfreien Städten ermöglicht, Menschen unterschiedlich unterzubringen. Viele nutzen den Spielraum zur Unterbringung in Wohnungen aber nicht. Der Kerngedanke dahinter ist der von Steuerung und Kontrolle. Man »hält« Menschen zentralisiert, wenn man sie nicht als gleichberechtigt ansehen möchte: um in Unterkünften zu kontrollieren oder um im Fall einer Abschiebung schneller Zugriff auf diese Menschen zu haben.
Konnten Sie mit Ihrem Forschungsprojekt Nachteile des Wohnungsmodells feststellen?
Weil Brandenburg weitläufig und ländlich ist, sind Wege für Sozialarbeitende mit dem Auto mitunter weit. Aber nicht alle Geflüchteten benötigen Unterstützung durch soziale Arbeit, sondern nur dann, wenn sie traumatische Erfahrungen gemacht haben. Meist reicht es, wenn sie Zugang zu Arbeitsvermittlung und Beratung erhalten. Da geht es um Fragen wie: Wie kann ich meine Bildung verbessern? Wie meine Kinder gut unterbringen? Aber mitunter nutzen Verwaltungen ihren Ermessensspielraum nicht im positiven Sinn, weil sie keine Verantwortung übernehmen wollen. Um sie nach oben abgeben zu können, sagt man erst mal nein.
Im Rahmen des Projekts boten Träger der Kooperation für geflüchtete Menschen in Brandenburg, kurz KFB, landesweit Beratung, Vernetzungsangebote und Fortbildungen an. Liegt darin eine Chance für weitere Selbstermächtigung von Betroffenen?
Klar! Fortbildungen zur Sozialarbeit nahmen Geflüchtete auch online wahr, um im Anschluss selbst soziale Arbeit zu machen. In puncto Vernetzung gelang es mit einer Tagung mit Geflüchteten und anderen Wohnungslosen, beide Gruppen in intensiven Austausch zu bringen. Bei der »Unabhängigen Beschwerdestelle Wohnen« begleitete unter anderem mein Kollege Christoph Skibbe Betroffene, und zwar auf Augenhöhe.
Welchen Unterschied macht die Qualität der Sozialarbeit?
Bei Erfahrungen mit Sozialarbeit auf Augenhöhe sagen Geflüchtete: »Ich bin auf eine gute Person getroffen, dann wurde mein Leben besser.« Schlimmstenfalls treffen sie auf Bevormundung: Ein Sozialarbeiter meint, entscheiden zu müssen, wann der Computerraum geöffnet, Wäsche ausgegeben oder Kochzeiten begrenzt werden.
Und beim Wachschutz?
Der sieht sich oft nicht zuständig, Geflüchtete zu schützen. Statt dessen entscheiden Securitys: Wer darf rein, wie lange darf ein Besucher bleiben etc. Mitunter sind solche Unternehmen nicht fremdenfreundlich. Menschen, die einem gewalttätigen, diktatorischen Umfeld entflohen sind, lernen so keine Demokratie kennen.
Ukrainischen Geflüchteten wurde generell eine dezentrale Unterbringung ermöglicht. Ist diesen Menschen damit die Integration erleichtert worden?
Ukrainerinnen und ihre Angehörigen erhalten nach der sogenannten Massenzustromrichtlinie in allen EU-Staaten bis 4. März 2028 grundsätzlich vorübergehenden Schutz: Sie konnten somit schneller Deutsch lernen, Instrumente der Arbeitsmarktintegration griffen besser. Da könnte man sagen: Seht her, es geht doch.
Birgit Behrensen ist Leiterin des Fachgebiets Soziologie für die soziale Arbeit an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.
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