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Deutsch-russische Beziehungen

Was wollten Sie von Netschajew wissen?

100 BSW-Mitglieder und -Unterstützer waren in der russischen Botschaft – für die Völkerverständigung, sagt Thomas Pashy

Foto: Christoph Soeder/dpa
Für geladene Gäste geöffnet: Botschaft der Russischen Föderation in Berlin (21.1.2026)

Vergangene Woche haben Sie mit einer Gruppe von BSW-Mitgliedern und -Unterstützern aus Brandenburg die russische Botschaft in Berlin besucht. Am 16. April jährte sich der Beginn der Schlacht um die Seelower Höhen vor 81 Jahren. Diese liegen im Kreis Märkisch-Oderland. Weshalb waren Sie mit dem Kreisverband Oder-Spree dabei?

Der Besuch war kein Parteitermin, sondern wurde von Personen aus meinem Umfeld initiiert. Sie engagieren sich seit Jahren für die Beziehungen zwischen Deutschland, Russland und der Ukraine. Weil ich bei uns auch kreisübergreifend vieles Organisatorische übernehme, hatte ich die Einladung des Botschafters gerne angenommen. Wir persönlich können den Ukraine-Krieg sicherlich nicht beenden. Aber wir müssen daran arbeiten, das Narrativ »Russland ist unser Feind« zu durchbrechen und den Faden der Völkerverständigung wieder aufgreifen.

Andere betrachteten Ihren Botschaftsbesuch als BSW-Termin und kritisierten das.

Von den insgesamt 100 Teilnehmern waren nicht alle BSW-Mitglieder. Viele sagten als Privatpersonen, sie wollen gerne dabei sein und sich anhören, was dort gesagt wird. Dieser Termin war der zweite Teil einer ganzen Reihe von Aktionen. So waren wir Ende Januar im Russischen Haus. Für alle ist dieser Ukraine-Krieg eine unheimliche Katastrophe. Aber das Mantra »Russland ist unser Feind« verbaut wirkliche Friedenslösungen. Früher gab es gelebte Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und Russland, auch in Westdeutschland.

Noch bevor Sie die Botschaft betreten hatten, äußerte sich der Generalsekretär der Brandenburger SPD, Kurt Fischer, abfällig und warf Ihnen vor, nicht auf die Idee gekommen zu sein, auch die ukrainische Botschaft zu besuchen.

Er sprach von »Anbiederung«. Ich sage: Wenn wir kollektiv mit keiner Seite mehr reden, die völkerrechtswidrige Angriffskriege führt, wäre auch jeder Dialog mit Staaten des »Wertewestens« tabu. Ich sehe bei der westlichen Staatengemeinschaft und insbesondere bei der NATO eine Mitschuld daran, dass der Ukraine-Krieg entstanden ist. So hätte mehr berücksichtigt werden müssen, dass Russland berechtigte Sicherheitsinteressen hat.

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Was wollten die Teilnehmer beim Besuch von Botschafter Sergej Netschajew wissen?

Eine Frage war, ob Russland noch immer am Angebot eines Nichtangriffsvertrages mit Gesamteuropa oder der NATO festhalte. Der Botschafter meinte im Grunde, dass dem so sei. Ob Russland immer noch bereit sei, über die noch funktionierende Nord-Stream-Pipeline wieder Gas zu liefern, wurde ebenfalls gefragt. Auch dazu sei Russland bereit, sagte er. Er ist Diplomat und kann Besuchergruppen wie uns keine verbindlichen Zusicherungen geben. Aber ich denke, für ihn war es auch gut, zu wissen, dass sich viele Menschen Auswege aus dem Krieg wünschen, der Abertausenden das Leben kostet.

Vertreter des deutschen Regierungslagers weisen oft darauf hin, dass Russland als Angreifer den Ukraine-Krieg ja jederzeit beenden könne. Hat sich der Botschafter dazu geäußert?

Russland hat klare Linien, welche Ziele erreicht werden sollen. Die hat er nicht konkret benannt, aber wir kennen sie: keine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine, keine Raketen dort stationieren. Er hat sich nicht so konkret geäußert, wie wir uns das gewünscht hätten. Aber das Gespräch lag im Rahmen dessen, was wir erwartet hatten.

»Russland ist nicht unser Feind«: Fällt es nicht schwer, Ukrainern diese Botschaft nahezubringen?

Das tut es nicht. Gerade in persönlichen Gesprächen erfahre ich, dass die ukrainische Gesellschaft gespalten ist. Manche sagen: Dieser Krieg muss enden, dafür müssten gegebenenfalls auch Zugeständnisse an Russland gemacht werden, und über die nächsten Jahre sehe man dann, wie man wieder zu normalen Verhältnissen zurückkommt.

Gedenkveranstaltungen zum Kriegsende haben zuletzt vielfach unter Ausschluss russischer Vertreter stattgefunden. Rechnen Sie damit, dass sich das kurz- oder mittelfristig wieder ändern wird?

Persönlich hoffe ich das sehr. So wie ich hoffe, dass deutsche Stellen keine Direktiven mehr herausgeben, wonach russische Vertreter besser nicht mehr einzuladen sind.

Thomas Paschy ist Vorsitzender des BSW-Kreisverbands Oder-Spree

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.04.2026, Seite 3, Inland

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