Weltweite Würdigung
100. Geburtstag Fidel Castros
Während deutsche Medien Fidel Castro zu seinem 100. Geburtstag meist als »Diktator« titulieren und seine Rolle vor allem an der heutigen Krise Kubas messen, würdigen selbst bürgerliche Zeitungen aus dem globalen Süden den kubanischen Revolutionsführer als Internationalisten und Gegner imperialer Vorherrschaft.
»Fidel Castro und seine Revolutionäre befreiten Kuba von einem Diktator, um dann selbst eine Diktatur zu errichten«, teasert der Deutschlandfunk seine Sendung »Fidel Castro: Der revolutionäre Diktator« an. Die frühere Lateinamerika-Korrespondentin der Welt, Hildegard Stausberg, erinnert sich an eine Kuba-Reise vor 50 Jahren und weiß, dass die Bevölkerung heute hungert. Von der US-Blockade als Ursache der Krise schweigt sie und spricht statt dessen von »fast 70 Jahren Freiheitsberaubung und wirtschaftlichem Abstieg« – als habe es unter dem US-gestützten Diktator Fulgencio Batista, den Fidel und seine Rebellen 1959 vertrieben, Freiheit und allgemeinen Wohlstand gegeben.
Castro lasse sich »weder als Heiliger noch als Monster verstehen, sondern als Verkörperung von Kubas (…) Weigerung, die Bedingungen zu akzeptieren, die ihm die imperialistische Macht auferlegen wollte«, heißt es dagegen in einer ausführlichen Würdigung der britischen kommunistischen Tageszeitung Morning Star. In derselben Ausgabe erinnert ein Vertreter der irisch-republikanischen Sinn Féin an die Verbindungen zwischen irischem und kubanischem Unabhängigkeitskampf: »So wie Fidel einst dem irischen Volk (…) seine Solidarität bekundete, ist es nun das kubanische Volk, das dringend irische Solidarität benötigt.«
Auch die progressive mexikanische Tageszeitung La Jornada macht mit einem Foto des kubanischen Revolutionsführers auf. In einer Würdigung wird Castro als »Anführer der Revolution, unerschütterlicher Kämpfer, großer Militärstratege und einer der brillantesten Köpfe des 20. Jahrhunderts« bezeichnet.
Fidel sei »patriotisch, aber auch der internationalistischste Führer unserer Zeit« gewesen, würdigt ihn die Wirtschaftszeitung Daily FT aus Sri Lanka. Mit Reden, Gesundheitshelfern und militärischen Einsätzen habe er »mehr Initiativen als jeder andere Staatsführer weltweit zur Unterstützung von Anliegen von Völkern« ergriffen. Mit Blick auf die Schuldenfalle Sri Lankas verweist der Autor auf Castro als frühen Warner vor der internationalen Verschuldung des globalen Südens.
»Wie auch immer Kubas Schicksal aussehen mag, die Erinnerungen an den ›Fidelismo‹ werden fortbestehen, und sein Geist wird über den jüngsten Beutezügen des US-Imperialismus schweben«, prophezeit die pakistanische Tageszeitung Dawn. (nb)
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