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Vorwärts gegen Fortschritt
Eine Saison im Kalendermodus nach sowjetischem Vorbild. Los ging’s damals am 11. März – der letzte Spieltag wurde am 28. Oktober absolviert. In der DDR-Oberligaspielzeit 1956 wurde der SC Wismut Karl-Marx-Stadt Meister, absteigen mussten leider Empor Rostock und Dynamo Berlin. Auf Rang zehn zu finden war der SC Fortschritt Weißenfels, der von 1955 bis 1960 erstklassig war und danach wieder in den Niederungen verschwand. Von 1948 bis 1951 trugen die Weißenfelser das markante »ZSG Schuhmetro« im Namen, im Anschluss schmückten das »SC« bzw. »BSG Fortschritt« den Vereinsnamen. Trägerbetrieb war bis zum Mauerfall die VEB-Schuhfabrik »Banner des Friedens«, nach der Abwertung vom Sportclub zur Betriebssportgemeinschaft mussten ab 1961 kleinere Schrippen gebacken werden.
Anfang der 90er Jahre geriet der Verein in finanzielle Schwierigkeiten. Im Sommer 2018 entstand im Zuge einer Fusion aus dem 1. FC Weißenfels der SSC Weißenfels, der sich aus der Landesliga hocharbeitete und nach vier Vizemeistertiteln in Folge am Ende der vergangenen Saison endlich den ersehnten Sprung in die NOFV-Oberliga packte.
Am ersten Spieltag musste Weißenfels auswärts beim 1. FC Frankfurt (Oder) ran, der etwas überraschend in die Südstaffel gepackt wurde. Vorwärts gegen Fortschritt – die letzten Aufeinandertreffen liegen weit zurück. Als ASK Vorwärts Berlin wurde in den 50ern mehrmals gegen Weißenfels gespielt (elf Siege, drei Remis). Nun also kam es nach vielen Jahrzehnten und dem Umzug an die Oder in den 70er Jahren zum Wiedersehen auf dem Dieter-Schulz-Platz. Der Rasen des Stadions ist gesperrt und muss ausgebessert werden. Die Schlammschlacht gegen Stahl Riesa und vor allem das Konzert von Roland Kaiser im Juni hinterließen tiefe, hässliche Narben im Geläuf.
Bei freiem Eintritt fanden sich rund 350 Zuschauer ein, die am Rande des Nebenplatzes und vom Hang des Stadions aus das Geschehen bei praller Sonne beobachteten. Ich hatte die Ehre, das Spiel gemeinsam mit Lutz Walter für die Leutzscher Welle live kommentieren zu dürfen, und vom Stromkasten aus war es schier unmöglich, den einen Eckbereich zu sehen. In der ersten Halbzeit bestimmte der SSC Weißenfels im klassischen Gelb-Blau das Spielgeschehen und ging verdient mit 2:0 in Führung. Nach der Pause kamen die Frankfurter besser ins Spiel, vergaben jedoch einen Elfmeter und einen Kopfball aus bester Position. Weißenfels spielte clever und erhöhte in der 80. Minute sogar auf 3:0. Lehrgeld für die jungen Frankfurter, der erste Sieg gegen Vorwärts für Weißenfels. »Hurra, hurra, Fortschritt Weißenfels ist wieder da!« riefen die angereisten Gästefans, in den alten Vorwärts-Farben trösteten zahlreiche Fans ihre Frankfurter Mannschaft. Sport frei!
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