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Spurensuche
Mein Vater arbeitete für das ORWO-Kombinat, in dem Zusammenhang fiel ab und an der Name Böhlen. Für mich als Kind klang das immer nach Bohle, Sohle oder nölen. Im Haack-Atlas lagen die Symbole der chemischen Industrie im Raum Halle-Saale eng beisammen. Bitterfeld, Leuna, Buna, Böhlen – viel »Rabota« und strenge Luft.
Bereits als Kind hatte ich mitbekommen, dass ab und zu auch Außenseitervereine wie Chemie Böhlen und Motor Suhl in der DDR-Oberliga spielten. Kumpels brachten ins Ferienlager oder in die POS ihre Oberliga-Saison-Wimpel mit, wir studierten die geheimnisvollen Wappen. Da war es wieder – das große »C« der BSG Chemie Böhlen. Gern wäre ich mal mit Freunden zu Union oder BFC gepilgert, um dort mit eigenen Augen die Gäste aus Rostock, Frankfurt (Oder), Böhlen und Suhl zu sehen. Aber Pustekuchen. Meine Eltern erteilten mir klipp und klar ein Fußballverbot. Sie erkannten in mir das Bambule-Kind-Potential, und in der Tat hatte ich ein loses Mundwerk, eckte gern im Unterricht an.
Meine »Fußballaufbahn« begann erst mit dem Fall der Mauer, doch wollte ich nun nach vier Jahrzehnten nachholen, was andere als Jugendliche bereits taten. Ich setzte mich in den Zug und fuhr nach Suhl, Böhlen und Riesa, ging auf Spurensuche und suchte die einstigen DDR-Oberligastadien auf. Während in Suhl und Böhlen die Anlagen noch gepflegt sind, liegt »die Grube« in Riesa seit 2003 brach. Sattsehen konnte ich mich an allen drei Stadien nicht. Ich setzte mich auf die Stufen, filmte, fotografierte und holte Thermoskanne und mitgebrachte DDR-Utensilien aus meinem Rucksack. Stahl Riesa war immerhin 16 Jahre lang erstklassig, Chemie Böhlen spielte von 1977 bis 1983 insgesamt vier Jahre im Stadion an der Jahnbaude in der Oberliga, die BSG Motor Suhl war nur 1984/85 mit von der Partie. Die Nachfolgevereine in Riesa (wieder gleicher Name) und Suhl (1. Suhler SV 06) spielen in der Sachsenliga und in der Landesklasse Thüringen. Stahl Riesa stand kürzlich im Landespokal-Halbfinale und unterlag vor 3.600 Zuschauern dem FSV Zwickau mit 0:2.
Der SV Chemie Böhlen spielte 2021/22 noch in der Kreisoberliga, doch nach dem letzten Platz wurde die erste Mannschaft zurückgezogen, und in der Folge tragen nur noch Juniorenmannschaften das grüne Trikot.
Bei meinen drei Touren beließ ich es nicht nur beim Besuch der einstigen Oberligaschauplätze, sondern spazierte auch durch Neubaugebiete und Industrieanlagen. In Riesa war das verwaiste Muskator-Futtermischwerk am Ufer der Elbe ein Hingucker, in Suhl ließ das ebenso fast komplett verlassene Plattenbaugebiet Nord die Kamera auf Hochtouren laufen, in Böhlen bestaunte ich das verrammelte Bahnhofsgebäude. Kurzum: Diese Spurensuche ruft, schreit regelrecht nach einer baldigen Fortsetzung. Vorwärts Stralsund, Chemie Zeitz, Motor Steinach, Fortschritt Weißenfels, Stahl Thale … Da geht noch was. Sport frei!
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Onlineabonnent*in Gerdt P. aus R. 26. Mai 2026 um 22:12 UhrUnd was ist mit der BSG Fortschritt Bischofswerda? Uninteressant?
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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