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Wen stört das bisschen Regen?

Foto: Marco Bertram
Oh, bunter Rauch!

Wir schrieben den 1. September 1971, als der FC Vorwärts Frankfurt nach dem Umzug von Berlin an die Oder sein erstes Heimspiel im neu hergerichteten Stadion der Freundschaft austrug. Nach der 0:2-Auftaktniederlage bei der Loksche durfte daheim an der Oder vor 8.000 Zuschauern ein 3:1-Sieg gegen die BSG Stahl Riesa gefeiert werden. Wolfgang Strübing erzielte kurz vor der Pause den ersten Treffer am neuen Spielort.

55 Jahre später kam es – vergangenen Sonnabend – zum Wiedersehen. Monatelang wurde alles vorbereitet, die Werbetrommel mächtig gerührt und der 1. FC Frankfurt trat in den alten Farben Gelb und Rot an. Mit 2.000 Neugierigen aus nah und fern durfte gerechnet werden, und auch aus Riesa hatte sich ein Fanbus angekündigt. Feine Sache, wenn da nicht der Wettergott (fast) einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Der Blick am Morgen auf das Regenradar war ein Grauen! Eine kompakte blaue Fläche zog über das östliche Brandenburg hinweg, und laut Prognose würde der Regen gegen 17 Uhr enden. Im strömenden Regen ging es mit dem Regio gen Osten, im strömenden Regen gab es vor Ort erste Gespräche, im strömenden Regen wurde bei alten Vorwärts-Klängen die Partie um 15.30 Uhr angepfiffen. Die Heimchoreo fiel ins Wasser, der Rasen war tief und die Ascherundlaufbahn wurde zu einer knöcheltiefen Pampe.

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Ein Totalausfall? Nein! Glücklicherweise wurde auf dem Gelände ein riesiges Zelt mit Bierbänken aufgebaut, und im Hauptgebäude lockte eine klasse angefertigte Ausstellung die Besucher an, so dass die Zeit bis zum Anpfiff bei Bier in Vorwärts-Bechern und zahlreichen Gesprächen wunderbar überbrückt werden konnte.

Auf dem schwer bespielbaren Rasen, der bereits zuvor bei einem Konzert arg gelitten hatte, wurde intensiv geackert, und im Gästebereich ließen sich die angereisten Riesa-Fans am Bierstand die gute Laune nicht nehmen. Die meisten verzichteten auf einen Regenschirm – nass wurde man sowieso. In der Heimkurve wurden zahlreiche gelb-rote Stoffe angebracht – mit Trommel und Kehle gab man sein bestes. Die meisten Erwachsenen nahmen das Wetter mit Humor, für Kinder war der Dauerregen allerdings ein Desaster. Die Hüpfburgen blieben zunächst verwaist. Glücklicherweise kam das Catering noch ganz gut weg, denn die anwesenden Fußballfreunde hatten allesamt großen Durst mitgebracht. Auf die Minute genau zum Abpfiff des Spiels, das 1:2 ausging, hatte der Wettergott Erbarmen und ließ den Himmel aufklaren. Die Heimkurve bat die Spieler in Gelb und Rot heran, und es folgte eine 1a Pyro-Show mit lautem Gesang. Da es nun trocken blieb, konnte vor dem Stadion noch die Party bei Musik bis 22 Uhr steigen. Hauptthemen an den Bierständen waren zum einen die alten Zeiten und zum anderen eine mögliche Rückbenennung. Was in den alten Farben wieder möglich wäre, durfte trotz des übelsten Wetters bestaunt werden. In Frankfurt an der Oder geht noch was. Vorwärts!

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.08.2026, Seite 16, Sport

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