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Digitale Infrastruktur

»Kampflabor« für Kriegssimulation

Britische Regierung investiert Milliardensummen für Soldatentraining in virtueller Umgebung

Foto: Phil Noble/REUTERS
Die britische Regierung will den Krieg simulieren, um ihn später erfolgreicher führen zu können

Die britische Armee setzt in der Aus- und Weiterbildung ihrer Kampfverbände zunehmend auf digitale Technologien. Das britische Verteidigungsministerium setzt dabei auf die Vergabe eines sich auf 15 Jahre belaufenden Auftrags an das Omnia-Training-Konsortium. Dieses soll dabei helfen, »die britische Armee bis zum Jahr 2035 zehnmal tödlicher zu machen« als bislang, wie es in einer Ministeriumsmitteilung vom 10. Juli wörtlich heißt. 298 Milliarden Pfund Sterling will das britische Verteidigungsministerium dafür in den kommenden vier Jahren ausgeben. Zwei Milliarden davon gehen an das Omnia-Konsortium.

Hinter Omnia verbergen sich Rüstungskonzerne, IT-Unternehmen und der eigentlich auf Outsourcing öffentlicher Dienste in den privaten Bereich spezialisierte Konzern Capita. Angeführt wird Omnia von Raytheon UK, dem britischen Arm des US-amerikanischen Rüstungsriesen RTX. Mit dabei ist außerdem Rheinmetall Electronics UK, ein britischer Ableger des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall. Laut eigener Aussage wird Rheinmetall eine Milliarde Euro durch den Vertrag mit der britischen Armee verdienen. Teil des Omnia-Konsortiums sind außerdem die britischen IT‑Unternehmen Cervus und Skyral. Sie sind zwar bei weitem nicht die finanzstärksten Akteure, doch ihnen kommt hier eine Schlüsselrolle zu.

Denn die Aufgabe von Omnia wird es sein, eine sogenannte kollektive Trainingsdienstleistung für die britische Armee zu entwickeln. Sie soll es bis zu 60.000 Soldaten pro Jahr ermöglichen, mittels KI-gestützter Computersimulationen Kampfhandlungen in einem solchen »Kampflabor« zu üben. Dafür werden detaillierte so genannte »digitale Zwillinge« ganzer Städte und Regionen entwickelt.

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In einer enthusiastischen Reportage berichtete der britische Guardian am Dienstag direkt aus den Räumlichkeiten von Skyral. Journalistin Aisha Down ließ sich dafür im »Kampflabor« simulierte Gefechtssituationen aus der lettischen Hauptstadt Riga vorführen. Geübt wurde offensichtlich der Kampf gegen russische Einheiten. Der Artikel zitiert Skyral-Mitarbeiter, wonach über die Computersimulationen die Auswirkungen von Gefechtsentscheidungen simuliert werden können: Etwa die Reaktion einer Zivilbevölkerung auf den Beschuss eines Kraftwerks. Derartige Planspiele möchte das britische Militär zukünftig flächendeckend ausrollen. Besonders die Möglichkeit, psychologische Auswirkungen verschiedener Kriegsmethoden auf die Zivilbevölkerung vorab digital testen zu können, scheint es den Militärs angetan zu haben.

Die Auftragsvergabe für die »kollektive Trainingsdienstleistung« war heiß umkämpft, das Vergabeverfahren läuft seit 2023. Lange sah es so aus, als ob der israelische Rüstungskonzern Elbit das Rennen machen würde. Bekanntlich hat das israelische Militär mit dem Gazastreifen ein physisches Kampflabor direkt um die Ecke. Dort lassen sich in der digitalen Welt erprobte Methoden zur Massakrierung von Bevölkerungen gleich am lebenden Subjekt ausprobieren. Konzerne wie Elbit verdienen daran und exportieren dieses Know-how in andere westliche Staaten, darunter sehr prominent Großbritannien.

In letzter Sekunde schnappte jedoch das Omnia-Konsortium den Auftrag weg. Über die Ursachen wird spekuliert. Im linken Onlinemedium The Canary verwies der antimilitaristische Autor und Aktivist Joe Glenton auf Berichte in der Tageszeitung Times aus dem Jahr 2025, wonach Elbit UK gegen Vergaberecht verstoßen haben soll, indem sich der Konzern verbotenerweise von gerade aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen hochrangigen britischen Militärs beraten haben lassen soll. Auch darüber, ob die in Großbritannien sehr militant geführte Kampagne gegen Elbit seitens palästinasolidarischer Gruppen etwas mit dem Verlust des Zuschlags an Elbit zu tun hat, wird auf der Insel gerätselt.

Das britische Verteidigungsministerium erhofft sich durch die »kollektive Trainingsdienstleistung« jedenfalls, Erfahrungen aus anderen Kriegsszenarien wie zum Beispiel der Ukraine so schnell und relativ kostengünstig an die eigene Truppe weitergeben zu können. Die für das Kampflabor erstellten Simulationen sollen Szenarien für alle Größenordnungen von kleinen 100 Mann starken Einheiten bis zu großen Verbänden von bis zu 50.000 Soldaten abdecken können. Die Gamification des Krieges ist da. Geblutet wird aber trotzdem.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.08.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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