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Syrien

Rettet Ahmet Polad

Syrien: Die Journalistin Eva Michelmann fordert die Freilassung ihres kurdischen Kollegen, der sich seit 200 Tagen in Haft befindet

Foto: Maria Castro/ZUMA Press/IMAGO
Proteste gegen die Inhaftierung der Journalisten in Syrien (Leipzig, 1.5.2026)

Der kurdische Journalist Mehmet Nizam Aslan, der unter dem Namen Ahmet Polad schreibt, befindet sich seit 200 Tagen in syrischer Haft. Polad wurde am 18. Januar gemeinsam mit der deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann in Rakka von Truppen der syrischen Übergangsregierung festgenommen. Nach Angaben der Initiative »Freiheit für Eva und Ahmet« berichteten die beiden für die Nachrichtenplattformen Özgür TV, Etha und Perspektive online. Wochenlang fehlte jede Spur von ihnen. Erst durch einen im April 2026 veröffentlichten Augenzeugenbericht wurde bekannt, dass sie sich in einem Gefängnis in Aleppo befanden. Der öffentliche Druck deutscher und internationaler Medien sowie der Kampagne »Wo sind Eva und Ahmet?« führte dazu, dass Vertreter des syrischen Informationsministeriums am 30. April erstmals bestätigten, dass sich Michelmann und Polad in ihrem Gewahrsam befanden.

Während Eva Maria Michelmann seit dem 19. Juli wieder in Deutschland ist, befindet sich ihr kurdischer Kollege weiterhin ohne Anklage in syrischer Haft. Nach Angaben des Augenzeugenberichts erlitt Polad Verletzungen am Bauch und am Arm. Über seinen aktuellen Gesundheitszustand ist bis heute nichts bekannt. Die Initiative »Freiheit für Eva und Ahmet« erklärt, dass er bislang weder Kontakt zu seinem Anwalt noch zu seiner Familie oder zu internationalen Organisationen wie dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz oder »Ärzte ohne Grenzen« hatte. Nach Angaben der Initiative versuchte sein Anwalt im Juni, eine Besuchsgenehmigung zu erhalten. Daraufhin sei seine Vollmacht beschlagnahmt worden. Darüber hinaus sei der Anwalt bedroht und eingeschüchtert worden.

In einem Videostatement wandte sich Eva Maria Michelmann an die Öffentlichkeit. Sie erklärte: »Dies ist ein Aufruf an die Öffentlichkeit und an die zuständigen Stellen der BRD und der EU. Bitte helfen Sie, dass der kurdische Journalist Ahmet Polad aus der syrischen Gefangenschaft befreit wird und sicher nach Deutschland oder in ein anderes EU-Land überführt wird.« Sie betonte, dass Polad nicht nur in syrischer Gefangenschaft um sein Leben fürchten müsse. Aufgrund seiner türkischen Staatsangehörigkeit drohe ihm im Falle einer Auslieferung in die Türkei ebenfalls Verfolgung. Als kurdischer Journalist sei er dort besonderen Gefahren ausgesetzt. Besonders alarmierend sei für sie eine Aussage, die Vertreter der HTS, des islamistischen Milizenbündnisses, dem Syriens aktueller Interimspräsident Ahmed Al-Scharaa angehört, gemacht hätten: »Mir gegenüber hat die HTS (Haiat Tahrir Al-Scham, jW) erklärt, dass Polad den Tod verdiene.« Deshalb bange sie um das Leben ihres Kollegen.

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In dem Statement übte Michelmann zudem scharfe Kritik an der syrischen Übergangsregierung. So weist sie darauf hin, dass HTS aus der ­Dschabhat Fatah Al-Scham hervorgegangen sei – »die Seite an Seite mit dem ›Islamischen Staat‹ mordend durch Syrien gezogen sind«. Es gehe hier um »ein Regime, das auch nach seiner Machtergreifung im Jahr 2024 zahlreiche Zivilisten ermordet hat. Nach den Angriffen der HTS auf die Autonome Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens, auch Rojava genannt, werden nach wie vor Hunderte Menschen vermisst. Wir können nicht einmal genau sagen, ob diese Menschen am Leben oder vielleicht tot sind«, sagte Michelmann. Nach Angaben des Komitees für Gefangene und Vermisste galten am 30. Juli weiterhin 628 Menschen als verschwunden.

Michelmann sei überzeugt, dass Ahmet Polad noch lebt, und sie forderte die Bundesregierung auf, alle möglichen diplomatischen Mittel einzusetzen, um seine Freilassung zu erreichen. Auch die Initiative »Freiheit für Eva und Ahmet« appellierte an die Öffentlichkeit, den Fall nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. In ihrem Aufruf forderte sie dazu auf, die »Forderung ›Freiheit für Ahmet‹ überall bekannt zu machen, um das Leben des Journalisten zu retten und seine sofortige Freilassung zu erwirken«. Die Initiative richtet einen Appell »an die europäischen Staaten, die die Machtübernahme der HTS in Syrien unterstützt oder ermöglicht haben – und damit eine Mitverantwortung für die Massaker, das Verschwindenlassen von Personen und die willkürlichen Inhaftierungen tragen – sowie an die zuständigen Gremien der Vereinten Nationen, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Freilassung von Ahmet Polad und allen politischen Gefangenen zu erwirken«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.08.2026, Seite 6, Ausland

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