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Vorerst keine Annexion
Grönland, Dänemark und die USA stehen vor Abkommen über arktische Insel. Washington beansprucht umfangreiche Rechte
Der Korrespondent des dänischen Rundfunksenders DR in den USA konnte seine Zufriedenheit nicht verbergen. »Das ist eine der größten Nachrichten, über die ich in meiner journalistischen Laufbahn berichtet habe«, sagte Kim Bildsøe Lassen am Sonnabend nach Meldungen von einem Abkommen zwischen den USA und Dänemark über das zum Königreich gehörende Grönland. »Dies geschah nach sehr schwierigen und zähen Verhandlungen«, so Lassens Einschätzung, »es ist schon oft schiefgelaufen«. Entsprechend pessimistisch seien die Verhandlungsführer gewesen. Doch: »Für ein Land wie Dänemark war es schwierig, sich den Wünschen der USA zu widersetzen.«
Am Sonntag flog die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nach New York. In einer Presseerklärung sagte die Sozialdemokratin, sie sei »froh, dass wir kurz davor stehen, ein großartiges Abkommen« zu schließen. Die Einzelheiten der Übereinkunft sind jedoch noch nicht veröffentlicht. Die Unterzeichnung soll diese Woche im Rahmen einer Zeremonie am Rande der UN-Generalversammlung stattfinden.
Es scheint, als habe Donald Trump sich durchgesetzt – und Kopenhagen ist ebenfalls zufrieden. Der US-Präsident schrieb, das Abkommen »gewährt den Vereinigten Staaten dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange Grönlands«. Jens-Frederik Nielsen, der Vorsitzende des Naalakkersuisut, also der grönländischen Regierung, hielt fest: »Das Abkommen berücksichtigt die Interessen Grönlands und unseren Platz in der internationalen Zusammenarbeit. Es kommt uns allen zugute.«
Im Januar schien das zuvor kaum Vorstellbare möglich. Trump hatte gerade Venezuela angegriffen, dessen Präsidenten Nicolás Maduro mitsamt seiner Frau Cilia Flores entführen lassen – und erschien weiter außer Rand und Band. Eine Annexion Grönlands war plötzlich als nächstes Ziel denkbar. Schon in seiner ersten Amtszeit hatte der US-Präsident darauf bestanden, dass aus Sicherheitsgründen eine US-Kontrolle über Grönland absolut notwendig sei. Die USA verfügen dort bereits seit 1951 über eine militärische Präsenz und Überflugrechte. Das neue Abkommen würde die militärische Kontrolle der USA ausweiten. Der Klimawandel verändert auch die Geopolitik in der Arktis.
Trump hatte mehrfach erklärt, die USA bräuchten die »vollständige Kontrolle« über Grönland, und er sei bereit, militärische Mittel einzusetzen, um diese zu erlangen. Im nachhinein ist es leicht, seine Drohungen als reine Erpressung und verbale Übertreibungen abzutun. Doch Trump schien sich in seiner Rolle des »Wahnsinnigen« zu gefallen. Nachdem er nicht wie gewünscht den Friedensnobelpreis erhalten hatte, war er offenbar verärgert und erklärte, er werde sich nicht mehr als »netter Kerl« verhalten.
Die Dänen nahmen die Drohung ernst. Dänische Soldaten wurden nach Grönland verlegt, um sich auf die Möglichkeit eines US-Angriffs vorzubereiten. Laut DR brachten die dänischen Soldaten Sprengstoff mit, um unter anderem die Landebahnen in der Hauptstadt Nuuk und Kangerlussuaq zerstören zu können und so zu verhindern, dass Militärflugzeuge Soldaten auf der Insel absetzen. Sie waren auch mit zusätzlichen Blutkonserven auf den Ernstfall vorbereitet.
Die Möglichkeit einer militärischen Konfrontation zwischen zwei NATO-Staaten erschien plötzlich nicht mehr so abwegig. Eine solche Konfrontation um Grönland hätte eine weitere Zerreißprobe für das westliche Kriegsbündnis bedeutet. »Die gesamte westliche Zusammenarbeit, die gesamte NATO-Zusammenarbeit, wurde durch die Ereignisse in Grönland gefährdet«, zeigte sich auch Korrespondent Lassen überzeugt. Mehrere NATO-Staaten entsandten Soldaten nach Grönland, um Dänemark zu unterstützen, darunter Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich.
Die größte Insel der Welt gehört seit 1721 zum Königreich Dänemark. Die Beziehungen waren jedoch nicht immer einfach. Viele Grönländer betrachten die dänische Oberhoheit als ein koloniales Überbleibsel. Fast 90 Prozent der insgesamt 58.000 Einwohner sind indigene Inuit. Menschen dänischer Herkunft stellen nur eine kleine Minderheit dar. Grönland hat ein eigenes Parlament und eine eigene Amtssprache. Während einige mit dem Status quo zufrieden sind, wünscht sich die große Mehrheit mehr Autonomie und langfristig die Unabhängigkeit.
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