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Kahlschlag und alarmierende Suizidrate
Argentinien: Krise im Gesundheitswesen beeinträchtigt Versorgung psychisch Kranker stark
Das Laura-Bonaparte-Krankenhaus in Buenos Aires ist eines der führenden nationalen Zentren für psychische Gesundheit. Vor einem Monat wurde Soledad Arrieta nach 13 Jahren, in denen sie in dieser Einrichtung Patienten betreut und Fachkräfte ausgebildet hat, entlassen. »Gerade jetzt, in einem Moment, in dem die Suizidraten einen absoluten Höchststand erreicht haben, wurde beschlossen, den Ansatz zur Bewältigung psychischer Probleme zu ändern«, warnt die Psychologin. Um Menschen in verschiedenen psychischen Notlagen zu helfen, hatte sie vor vier Jahren eine kostenlose, landesweite Hotline eingerichtet, doch die Anrufe kann sie jetzt nicht mehr entgegennehmen.
Die Kürzungen im Budget für psychische Gesundheit führen zu Änderungen bei den Versorgungsprotokollen. »Seit 2024 wurden rund 200 Mitarbeiter des Krankenhauses entlassen«, berichtet Arrieta. Diese Zahl lässt darauf schließen, dass weniger Psychologen, Assistenten und Pflegepersonal zur Verfügung stehen, um die Tausenden von Patienten zu versorgen, die wegen psychischer Probleme zur Behandlung ins Krankenhaus kommen. Nach Angaben des argentinischen Bürgerverbands für Gleichheit und Gerechtigkeit (ACIJ) liegt das für die psychische Gesundheit verfügbare Budget im Jahr 2026 17,6 Prozent unter dem im Jahr 2025 zugewiesenen Betrag und verfügt über 51 Prozent weniger tatsächliche Mittel als vor dem Regierungswechsel.
Die Krise im Gesundheitswesen belastet das gesamte System vor dem Hintergrund einer angespannten sozialen Lage. Statistiken zeigen, dass Suizid seit 2022 die häufigste Todesursache bei Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren ist und 2024 laut Daten des Bundesgesundheitsministeriums erneut an erster Stelle bei den 25- bis 34jährigen stand. Die Zahlen verdeutlichen, dass es sich hierbei um ein Problem handelt, das dringender Aufmerksamkeit bedarf. Die Suizidrate lag im Jahr 2024 bei 9,7 pro 100.000 Einwohner und stieg 2025 auf 11,8 an – wobei die Zahl der Todesfälle durch Suizid die der Todesfälle durch Verkehrsunfälle und Tötungsdelikte zusammen überstieg.
Eine weitere Tatsache: Die Suizidrate von 2025 hat zum ersten Mal den vorherigen historischen Höchststand von 2001 zur Zeit der damaligen Wirtschaftskrise übertroffen und offenbart den tragischsten Aspekt der aktuellen Rezession. In diesem Monat wurde der Tag der Suizidprävention begangen, was Anlass für verschiedene Veröffentlichungen und Diskussionen zu diesem Thema bot. 2025 wurden nach Daten des Nationalen Kriminalinformationssystems (SNIC) und des Frühwarnsystems (SAT) des Ministeriums für Nationale Sicherheit 5.209 Selbsttötungen verzeichnet, 23 Prozent mehr als im Vorjahr und die höchste Zahl seit Beginn vergleichbarer Aufzeichnungen.
Der neue Ansatz im Umgang mit Fällen psychischer Erkrankungen ist in einem Gesetzentwurf von Präsident Javier Mileis ultrarechter Regierungspartei dargelegt. Diese Reform bedeutet eine Rückkehr zu einem alten Paradigma: der »Anstaltisierung« psychisch Erkrankter – mit anderen Worten der Rückkehr zu einem stigmatisierenden Ansatz: »Du bist verrückt, also musst du eingewiesen werden.« Diese neue Sichtweise lässt eine individuelle Betreuung außer acht und gefährdet die Gesundheit vieler Patienten.
Artikel 32 des geltenden Gesetzes sieht vor, dass die für die psychische Gesundheit bereitgestellten Mittel mindestens zehn Prozent des gesamten Gesundheitsbudgets betragen müssen. In der Vergangenheit wurde dieser Prozentsatz nur einmal, 2023, erreicht. Damals hatte die Regierung beschlossen, das Budget als Reaktion auf die Auswirkungen der Pandemie aufzustocken. Derzeit belaufen sich die für die psychische Gesundheit bereitgestellten Mittel auf lediglich 1,4 Prozent. »Diese Kürzungen führen zu einem Lohnstopp und zur Schließung von medizinischen Ausbildungszentren, die für die Ausbildung von Fachkräften unverzichtbar sind. Die Qualität der Versorgung wird darunter leiden. Der Schaden ist irreparabel«, mahnt Arrieta. »In einer Zeit, in der wir mit diesem epidemischen Höchststand an Suiziden konfrontiert sind, versagt der Staat bei der Bereitstellung angemessener Maßnahmen. Wir Fachkräfte sind unterbezahlt, und in vielen Fällen verfügen die Menschen nicht über die Medikamente, die sie zur Fortsetzung ihrer Behandlung benötigen.«
Wie viele ihrer ehemaligen Kollegen im Bonaparte-Krankenhaus arbeitet Soledad mittlerweile in einer Privatpraxis. Viele ihrer Patienten wurden im Stich gelassen, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich ihre Situation verbessert.
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