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Alle für Deutschland

Foto: Juliane Sonntag/IMAGO

Im Familienministerium wird schon an einer Wiederauflage des Wehrersatzdienstes gebastelt, eine vom Grundgesetz vorgeschriebene notwendige Bedingung für die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Deutsche Medien klatschen Beifall. Einige scheinen nun Blut geleckt zu haben und fordern noch mehr Zwangsdienste – und das nicht nur für die Jugend, sondern gleich für alle.

Bei jungen Männern dürften angesichts der Regierungspläne »die Alarmglocken angehen«, denn es bedeute: »Eine allgemeine Wehrpflicht rückt näher«, hat auch die Neue Ruhr Zeitung (NRZ), Teil der Funke-Gruppe, erkannt. Offensichtlich gebe es nicht genügend freiwilliges Kanonenfutter, dabei sei dieses wegen »der Bedrohung durch Russland und der geänderten NATO-Ziele nötig«. Soll wohl heißen: Stellt euch nicht so an, Jungs, Wehrpflicht muss halt sein, gebt dem Russen die Schuld.

Die Rheinpfalz bedauert, dass in der aktuellen Debatte »leider« das »freiwillige Gesellschaftsjahr« aus dem Blick geraten sei. Auch hier bleibt die Prämisse der Herrschenden unwidersprochen: »Seit die Hoffnung auf einen immerwährenden Frieden in Europa mit dem brutalen russischen Angriff auf die Ukraine geplatzt ist, braucht Deutschland wieder mehr Soldaten.« Von der gewaltsamen Zerschlagung Jugoslawiens oder der achtjährigen Aufstandsbekämpfung im Donbass scheint man in Ludwigshafen noch nie gehört zu haben. Jedenfalls ein Gedanke sei »heute schlüssiger denn je«: »Jede und jeder widmet zwischen Schule, Ausbildung und Studium etliche Monate der Gesellschaft. Natürlich bei freier individueller Entscheidung, ob diese Zeit bei der Truppe oder in einer Klinik, einem Altenheim oder einer Feuerwache abgeleistet wird.« Natürlich!

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Auch beim Redaktionsnetzwerk Deutschland findet man, statt über einen neuen Zivildienst nur für Verweigerer zu sprechen, sollte »lieber eine grundsätzliche und gründliche Debatte über eine soziale Pflichtzeit oder ein allgemeines Dienstpflichtjahr« angestoßen werden. Aber auch hier wird mit der Grundannahme einer »unmittelbaren Bedrohung« durch Russland jede Debatte zur Farce gemacht.

Pflichtdienste brauchen »Akzeptanz in der Bevölkerung«, weiß die stellvertretende Leiterin des RND-Hauptstadtstudios. Wie also die Leute »für das große Potenzial einer allgemeinen Dienstpflicht« begeistern? »Die Gewissheit, persönlich etwas zur Sicherheit und Stabilität des Landes beizutragen«, wird wohl kaum jemanden in die Kasernen oder Pflegeheime treiben.

Zumindest herrscht beim RND Klarheit darüber, wer alles ran muss: »Männer und Frauen, das gehört zur Gleichberechtigung dazu – und Jung und Alt.« So kann das Volk endlich mal »etwas für den Staat – und damit für sich selbst« tun. Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann… (pt)

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.08.2026, Seite 2, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Reinhold Schramm aus Berlin 7. Aug. 2026 um 13:43 Uhr
    Die Lebensarbeitszeit für die Kriegskasse? Weitere 350 Milliarden Euro für die Aufrüstung und Kriegsführung? ► Aus der Verlängerung der Lebensarbeitszeit um zwei Jahre ergeben sich Einnahmen in Höhe von rund 350 Milliarden Euro! Wenn sich die Anzahl von Neuzugängen in die Rentenversicherung jährlich um 1,5 Millionen vermindert, dann liegt die Kostenersparnis jährlich bei etwa 27 Milliarden Euro. Für zwei Jahre der Verlängerung der Lebensarbeitszeit bei rund 54 Milliarden Euro. Bei einer gesamten Bruttowertschöpfung von 4470 Milliarden Euro für 2025 liegt die jährliche Wertschöpfung von 1,5 Millionen Erwerbstätigen bei rund 148 Milliarden Euro. Bei der Verlängerung der Lebensarbeitszeit um zwei Jahre liegt die zusätzliche Wertschöpfung bei rund 296 Milliarden Euro und die Einsparungssumme bei den Rentenzahlungen bei 54 Mrd. Euro. Zusammen ergibt sich ein zusätzliches Potenzial aus Wertschöpfung und aus Rentenverzicht – aus der Leistung von 1,5 Millionen Erwerbstätigen – von 350 Milliarden Euro für die Staatskasse und die zusätzlichen Profite und Dividenden für die Eigentümer, Anteilseigner, Vorstände, Lobbyisten und Aktionäre! PS: Bitte nicht alles glauben, sondern selbst recherchieren und berechnen! 07.08.2026, R.S.
  • Frank Lukaszewski aus Oberhausen 6. Aug. 2026 um 13:43 Uhr
    Die UdSSR starb letztendlich auch aufgrund der Rüstungsausgaben. Defensiv gedacht. »Unsere« BRD militarisiert sich. Mit Milliarden für was?
    • Reinhard Hopp aus Berlin 10. Aug. 2026 um 01:27 Uhr
      Für »Was«, ist eine nur allzu berechtigte Frage. Die kausale Frage jedoch ist die, für »Wen«? Und diese Frage führt uns zu den immer gleichen Profiteuren von Krieg und Zerstörung und damit zu den wirklichen Feinden. Und die stehen nicht irgendwo im fernen Russland, sondern seit jeher hier, mitten im eigenen Land. Und genau da gilt es, sie zu bekämpfen!
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