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Sepsis des Tages: Vlogger

Foto: Charlie Riedel/AP/dpa
Warum nicht mal ein Handyverbot im Stadion?

Waren schon Zeiten, als man in den Fankurven noch Angst vor Influenza hatte. Das heißt, falls es sie je gab, diese Zeiten. Irgendwann zwischen Covidbooster und Putin vielleicht, ein dickes Vierteljahr lang demnach. Die Zeit aber macht weiter. Aufstehen, Mund abputzen, nächstes Game, wie Olli Kahn. Aus der Influenza sind Influencer geworden, die Superspreader heißen jetzt Vlogger. Sie kapern die Stadien, bewaffnet mit einem Smartphone, in das sie hineinflöten, was ihnen an Nichtigkeiten gerade durch die Murmel rauscht. So wie sie in Dubai vor dem höchsten Hotel der Welt posieren oder aus ihrer Buchte in Sindelfingen Kosmetikprodukte anpreisen.

Influencer raus aus Stadien, lautet der landesweite Schlachtruf aller Ultras. Der First-Class-Fan hat genug. Dass er unter sich sein will, mag man ihm kaum übelnehmen. Als Chloé Zhao den »Hamlet« für die Weltgemeinschaft der Unbedarften in ihren »Hamnet« übersetzte, fühlte sich das auch so an, als sei jemand unaufgefordert bei mir eingezogen. Ultras, Nerds und Bildungsschnösel – ich schließe mich da also mit ein – leben im begründeten, doch nicht korrekten Glauben, etwas Besseres zu sein. Weil authentischer, weil näher dran, weil tiefer drin. Der Ultra glaubt, die Kurve gehöre ihm. Familien mit Kindern? Sollen hingehen, wo der Pfeffer wächst. Auf die Pressetribüne am besten.

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»Das Stadion ist für Fans ein emotionaler Ort und (…) kein Eventraum«, verriet Armin Popp vom Fanbündnis »Unsere Kurve« der dpa am Mittwoch. Offensichtlich derweil, dass das Stadion genau das ist: ein Eventraum aus Caposingsang, Bengalonebel, Wappenkunde und bizarren Körperbewegungen. Sehnsüchtig blickt Popp nach Dresden, bei Dynamo habe man die Vlogger längst verboten. Bitte, geht doch. Allerdings ist der Klub damit bei seinem Naziproblem immer wieder gescheitert, vermutlich, weil die auch schön mitsingen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.10.2026, Seite 3, Ansichten

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