Täterschutz von Trump
Vergewaltigungsskandal an US-Eliteuni Cornell
Es gibt viele Zitate von hohen Amtsträgern, die in die Geschichte eingehen. Auch eine 2016 von der Washington Post veröffentlichte Tonbandaufnahme des heutigen US-Präsidenten Donald Trump sorgte seinerzeit für intensive Diskussionen: »Grapsch ihr an die Pussy. Du kannst alles machen.«
Zehn Jahre später zeigt sich, dass diese Worte den Zustand einer Gesellschaft präzise beschreiben, in der Betroffene oft härtere Konsequenzen erfahren als die Täter. Der jüngste Fall an der US-Eliteuniversität Cornell führt dies vor Augen: Am 16. September reichte eine Studentin, anonymisiert als Jane Doe, eine Zivilklage ein wegen einer 2024 mutmaßlich stattgefundenen Gruppenvergewaltigung von sieben Kommilitonen, die einer Studentenverbindung angehörten. Damals schon hatte die Universität ein sogenanntes Title-IX-Verfahren eingeleitet, das jegliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts an Bildungseinrichtungen verbietet.
Ein Screenshot aus einer Snapchat-Gruppe der Studentenverbindung, der 57 Mitglieder angehörten, wird nun als Beweismittel im neu aufgerollten Fall herangezogen. Darin wird von »kostenloser Pussy im Alumnizimmer« gesprochen und davon, dass man »einfach reinlaufen und sein Ding rausholen« könne. Später fragt ein Mitglied nach, ob »der Shop noch geöffnet« habe. In der rund 80seitigen Anklageschrift gibt die damals 20jährige Doe an, dass sie Ketamin und Marihuana von den Verbindungsbrüdern verabreicht bekommen habe – obwohl sie bereits stark alkoholisiert gewesen sei. Über mehrere Stunden sollen die Männer Doe in diesem sedierten Zustand vergewaltigt haben. Lediglich zwei der Beschuldigten wurden seitdem der Universität verwiesen, während die restlichen fünf bloß temporär suspendiert wurden, einen Besinnungsaufsatz verfassen mussten und damit eine »zweite Chance« erhielten.
Demgegenüber wurden im Jahr der Tat Dutzende Studierende suspendiert oder gar dauerhaft von der Universität verwiesen. Ihr Vergehen: Sie hatten an propalästinensischen Aktionen auf dem Campus teilgenommen. Wer den Status quo stört und gegen einen Genozid protestiert, muss die Uni verlassen. Wer hingegen eine Mitstudentin vergewaltigt, gilt immer noch als »promising young man«, also als »vielversprechender junger Mann«, dem man nur den rechten Weg weisen müsse. Dass sowohl die akademische Karriere als auch das Leben einer vielversprechenden jungen Frau damit zerstört werden, findet in der rechtlichen Beurteilung eher selten Beachtung. Doe brach ihre akademische Laufbahn ein Semester nach der mutmaßlichen Tat ab.
Parallel zur Wiederaufnahme des Falles wurden die Schutzbestimmungen von Title IX inzwischen stark geschwächt. Die Trump-Administration verengte am Montag per Dekret die Definition dessen, was überhaupt als sexualisierter Übergriff einzuordnen ist. Die juristischen Hürden für Opfer werden damit systematisch erhöht, während die Täter mit aufgeweichten Gesetzen geschützt werden. Trumps eigene Definition von »Zustimmung« aus dem Jahr 2016 bekommt damit nachträglich Gesetzeskraft. Auf die Frage »Darf man noch?« gibt es eine Antwort: »Mann darf« – und greift im Zweifel einfach zu.
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