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Selenskijs Zahlenmagie

Ukraine will Russland zum Frieden zwingen

Von Reinhard Lauterbach
Foto: SOCIAL MEDIA/via REUTERS
Erneut getroffen: Ein Warenlager des russichen Onlinehändlers »Wildberries« in Samara (2.8.2026)

Genau 40 Tage lang wollte Wolodimir Selenskij nach eigenen Worten mit Geheimdienstoperationen »Einfluss auf Russland nehmen«, damit das Land den ukrainischen Friedensbedingungen für einen sofortigen Waffenstillstand zustimmt. Am Dienstag sind diese 40 Tage abgelaufen. Warum eigentlich gerade 40 und nicht 30 oder 50? Niemand weiß es, und Selenskij selbst ist bisher nicht als kabbalistischer Zahlenmystiker bekannt geworden. Aber vielleicht lernen wir ihn ja gerade als solchen kennen. Denn 40 Tage saß Moses laut dem Alten Testament auf dem Berg Sinai, um die Zehn Gebote in Stein zu hauen, 40 Tage soll Christus in der Wüste gefastet haben, bevor er seine Predigertätigkeit aufnahm, 40 Tage lang soll es bei der Sintflut geregnet haben, und 40 Tage liegen zwischen Ostern und Christi Himmelfahrt. 40 Tage sind in der Bibel ein Symbol für »ziemlich lang«. Wörtlich zu nehmen ist das nicht.

Faktisch ist das Wunder, das Selenskij womöglich zu beschwören suchte, nicht eingetreten. Russland hat im Gegenteil seine Bombardements im ukrainischen Hinterland intensiviert. Die Häfen an der Schwarzmeerküste sind blockiert und zerstört, der ukrainische Export ist zum Erliegen gekommen. Die einzige Bahnstrecke von der Ukraine in die rumänischen Donauhäfen ist auch unterbrochen, seitdem Russland am Wochenende eine wichtige Brücke zerstört oder wenigstens stark beschädigt hat. Die ukrainische Hoffnung, durch Drohnenangriffe auf russische Raffinerien die Benzinversorgung der Armee und der Zivilbevölkerung lahmzulegen, hat allenfalls kurzfristige Effekte gehabt. Inzwischen sind in den meisten russischen Regionen – außer auf der Krim – die Limits für den Treibstoffverkauf schon wieder aufgehoben worden. Und die Hoffnung Kiews, durch flächendeckende Angriffe auf die Logistikfirma Wildberries, das russische Amazon, Versorgungsschwierigkeiten auszulösen, war wohl auch etwas zu phantastisch konzipiert, um ernstgenommen zu werden.

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Nein, der Krieg geht weiter, und auch Russland hat eine Stufe hochgeschaltet. Für einen Frieden, der das russische Sicherheitsproblem in Gestalt einer radikal feindlichen Ukraine nicht politisch löst, gibt es keine Aussichten. Natürlich lässt Putin seine Bevölkerung dafür leiden; Selenskij und seine westlichen Sponsoren die Ukrainer aber auch.

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.08.2026, Seite 1, Ansichten

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