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Sanfte Sprache

BDI zur deutschen Chinastrategie

Foto: IMAGO/VCG
Seltene Eintracht: Deutschland würde eine Abkehr vom Konfrontationskurs gegenüber China besser bekommen (Beijing, 25.2.2026)

Von »gelber Gefahr« ist keine Rede mehr, gemeint ist aber dasselbe wie einst in den Anfängen des deutschen Imperialismus. Damals schickte der Kaiser auf dem Weg zum »Platz an der Sonne« sein Massakermilitär nach China. Dessen Exzesse erreichten das Niveau anderer Kolonialverbrechen und waren ein Vorspiel für das, was im Krieg gegen die Sowjetunion 1941 vom Generalstab und der faschistischen Führung geplant war: Völkermord.

Wenn heute der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) das Schreckgespenst China bemüht, geschieht das in sanftem Ton, nur der Knüppel hinterm Rücken ist nicht weniger dick als seinerzeit. Dpa zitierte am Sonntag BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner mit dem obligatorischen Gejammer: »Wir erleben einen China-Schock 2.0.« Er treffe »nicht nur einzelne Branchen, sondern massiv die Industrie in der Breite: durch Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen, eine deutlich unterbewertete Währung, staatlich induzierte Überkapazitäten, die wegen eines schwachen Binnenmarkts in China und Marktabschottung insbesondere in den USA ungebremst den EU-Binnenmarkt fluten.« Dazu komme Chinas Anspruch, in Schlüsseltechnologien Weltmarktführer zu werden.

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Letzteres ist fürs wichtigste Sprachrohr des deutschen Kapitals offenbar eine Unverschämtheit, das Vorhergehende eine Anhäufung von Lügen. Da zeigt sich eine offenkundige Diskrepanz zu den Selbstverständigungsmedien der herrschenden Klasse, die an faktisch jedem Tag Gönner widerlegende Tatsachen veröffentlichen. Sie besagen: Wenn die deutsche Industrie seit mehr als sieben Jahren stagniert, dann hat das hausgemachte Gründe. So war in der Welt am Sonntag soeben zu lesen: »Mit Milliardeninvestitionen, offenen KI-Modellen und neuen Allianzen fordert China die Vereinigten Staaten heraus. Europa droht zwischen den beiden Rivalen aufgerieben zu werden.« Und das Blatt schiebt in einem zweiten Artikel hinterher: »In dieser Woche wurde Kimi K3 veröffentlicht. Mit dem chinesischen KI-Modell gibt es erstmals ein frei verfügbares Kunstgehirn, das so klug ist wie die Top-Systeme des Silicon Valley.«

Warum aber Gönners Bullshit? Die einzig schlüssige Antwort lautet: Da setzen einige auf den »Sieg« der USA und auf den eigenen in deren Schlepptau. Andere orientieren sich an der Realität. Letztlich eine Frage von Weltkrieg oder Frieden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.08.2026, Seite 1, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Ebbe Kögel aus Stetten im Remstal 3. Aug. 2026 um 14:36 Uhr
    Da muss irgendwas passiert sein mit »unserer« Tanja Gönner, auf dem Weg von der baden-württembergischen Umwelt- und Verkehrsministerin (2005–2011) zur Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).
    In den Jahren der großen Auseinandersetzungen um »Stuttgart 21« (»Schwarzer Donnerstag« am 30.9.2010) gehörte sie zu denen, die uns Aktive der S21-Widerstandsbewegung mit üblen Beleidigungen, Halb- und Unwahrheiten in aggressiver Form »bekriegt« hat. In der Bewegung hatte sie deshalb den Spitznamen »Schwarze Mamba« bekommen. Für alle, die in Schlangenkunde nicht so bewandert sind: Die Schwarze Mamba ist die längste Giftschlange Afrikas, ihr Biss kann innerhalb von 20 Minuten zum Tod durch Atemstillstand führen.
    Nach der Abwahl von MP Mappus bei der Landtagswahl 2011 musste auch sie ihren Posten räumen und fiel natürlich nach oben. Über die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (2012–2022) landete sie im November 2022 beim BDI. Wo sie ihr Gift unterwegs gelassen hat, ist mir nicht bekannt.
  • Joachim Seider aus Lychen 3. Aug. 2026 um 12:18 Uhr
    Hat man uns nicht immer den Wert der Konkurrenz gepriesen? »Der Bessere gewinnt, der Schlechtere verliert.« Das sagt sich leicht, solange man die Nase vorn hat und die anderen zu Verlierern machen kann. Nunmehr aber hechelt man selbst. Jetzt beklagt man jene Weisheiten bitterlich, mit denen man jahrzehntelang die Welt der Verlierer verhöhnt hat.
  • Mitter Albert aus Gmunden 2. Aug. 2026 um 20:43 Uhr
    Dieser Kapitalistendame ins Stammbuch wenn sie eins hat: Wenn nicht mehr wie jahrzehntelang Deutschland sondern nunmehr China der Exportweltmeister ist, der höchst erfolgreich am Weltmarkt seine Produkte verkauft, damit natürlich anderen Ländern und deren Unternehmen eine (überlegene) Konkurrenz ist, dann schadet es der (deutschen) Industrie. Ja, was hat denn diese deutsche Industrie jahrzehntelang mit den im Konkurrenzkampf unterlegenen Ländern wie z.B. auch im europäischen Süden, Stichwort Griechenland, die so mit Waren aus Deutschland überschwemmt wurden (offensichtlichen Überkapazitäten, denn sie wurden ja nicht im eigenen Land verbraucht !) dass die heimische Industrie dieser Länder vielfach zusperren musste, es zu einer teilweisen Entindustrialisierung kam. Nicht die chinesische, sondern die japanische Währung ist in diesem Jahr ziemlich abgeschmiert. Aber um Fakten hat sich die westliche Lügenpropaganda noch nie gekümmert. Chinas Währung hat sogar leicht zugelegt zum Dollar und Euro. Wessen Geistes Kind diese Frau Gönner und der ganze BDI sind, zeigt der »Vorwurf«, dass China eine führende Rolle in Spitzentechnologien anstrebt. Die ganze Arroganz, Anmaßung des neuen deutschen im Rahmen eines gesamtwestlichen Imperialismus zeigt sich darin. Der offene Hegemonieanspruch in der Welt. Vielleicht auch die klammheimliche Angst, dass die VR China in der es nicht mehr die Macht einer Kapitalistenklasse gibt und nicht mehr deren Profit über allem steht, diesen neuen Schub der Entwicklung der Produktivkräfte, der Produktivität, sozial verträglicher, ohne Arbeitslosigkeit, sozialen Abstieg der arbeitenden Menschen bewältigen kann und somit ihre Überlegenheit gegenüber den kapitalistischen Gesellschaften beweist. Schon jetzt werden ja im Gegensatz zum Westen umfangreiche Maßnahmen in China getroffen, um unsoziale Folgen von KI zu vermeiden. Zudem will China im Unterschied zum Westen seine technologischen Errungenschaften mit der Welt teilen, nicht einseitig nutzen.
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