Hanswurst statt Innovation
Die FAZ eröffnet die Woche, in der sich der unfähige, aber auf Krieg wilde Bundeskanzler ins Wanken brachte, u. a. mit einem Gastbeitrag der beiden Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Alexander Kritikos und Alexander Schiersch: »Warum Deutschland zurückfällt«. Sie beschreiben die Ölspur, auf der Friedrich Merz und seine Regierung dahingleiten. Die DIW-Leute stellen fest, dass es um die Spitzentechnologie hierzulande schlecht bestellt ist, d. h. um das bisherige Fundament dieser Gesellschaft.
Sie beschreiben die Lage so: »Der Wertschöpfungsanteil der Produzenten hochwertiger Technologiegüter ist zuletzt gesunken, der Anteil der spitzentechnologischen Industrien stagniert.« Alarmierend sei »die Entwicklung bei der Arbeitsproduktivität, also der realen Wertschöpfung je Beschäftigten«. Bei hochwertigen Technologiegütern sei sie seit 2015 nur um sieben Prozent gestiegen, und das liege nicht an äußeren Faktoren: »Das gängige Narrativ, wonach der Einbruch externen, nicht beeinflussbaren Faktoren geschuldet sei, also gestiegenen Energiepreisen, geopolitischen Verwerfungen, neuen Zöllen oder Chinas aggressiver Exportoffensive, greift jedoch zu kurz. Denn angrenzende Volkswirtschaften erzielten im gleichen Zeitraum durch strategische Spezialisierung hohe Produktivitätszuwächse. In den Niederlanden und der Schweiz wuchs die Produktivität bei hochwertigen Technologiegütern um rund 25 Prozent.«
Noch deutlicher klaffe »die Schere in den spitzentechnologischen Industrien auseinander«: »Zwar wuchs Deutschlands Produktivität dort von 2015 bis 2023 um 25 Prozent, doch seitdem geht es abwärts. Zudem verblasst dieser Wert im Vergleich: In den Niederlanden stieg die Produktivität um 59 Prozent, in der Schweiz um das Doppelte, und auch Dänemark legte erheblich stärker zu. Mit echten Innovationen lässt sich in Europa also weiterhin zusätzliche Wertschöpfung und Wachstum generieren.« Na so was. Das ließe sich auch so formulieren: Wird das meiste vom Verfügbaren in Militärschrott gesteckt, kommt keine Innovation heraus. Laut Kritikos und Schiersch hat sich das »regulatorische und wirtschaftliche Umfeld« so verschlechtert, dass »Unternehmen zunehmend vor Investitionen im Inland zurückschrecken«.
Militarisierung bedeutet in jeder Hinsicht Stillstand, sie wirkt wie Mehltau auf allem – beginnend im Bildungswesen, das für mehr Innovation ja eventuell eine Rolle spielen könnte. Folgerichtig endet die Woche am Freitag zum Beispiel im Handelsblatt mit allerhand Durchhalteparolen, wonach der Iran-Krieg das deutsche Wirtschaftswachstum nicht so getroffen habe wie befürchtet. Er lasse zwar die Ölpreise steigen (und damit die Inflation insgesamt), blockiere Handelswege und verunsichere die Unternehmen, aber die Zeitung freut sich: »Nicht alle Dax-Konzerne sind betroffen.« Am stärksten steigen demnach die Gewinnerwartungen von BASF. Und im zweiten Quartal sei »die deutsche Wirtschaft stärker gewachsen als von Ökonomen erwartet«. Um 0,2 Prozent. Offenbar ein Anlass zu Jubel.
Zu solch innovativer Betrachtung der Wirtschaftslage passt ein vierseitiges Interview mit dem Suhrkamp-Comedian Peter Sloterdijk, der hierzulande als Philosoph durchgeht. Er teilt mit, dass Europa mit Mussolini und Berlusconi bereits die »Clownokratie« Trumps vorweggenommen habe. Der Iran-Krieg oder gar der Völkermord, den der Imperialismus von Vietnam bis Gaza verübt, kommt bei Sloterdijk nicht vor. Wer keine technische Innovation hat, hat wenigstens einen Ideologie-Hanswurst.
Der Iran-Krieg oder gar der allfällige Völkermord, den der Imperialismus von Vietnam bis Gaza verübt, kommt bei Sloterdijk nicht vor. Wer keine technische Innovation hat, hat wenigstens einen Ideologie-Hanswurst.
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