Aufrüstungszentrum des Tages: Aschau am Inn
Nur gut 3.000 Einwohner hat die Gemeinde Aschau am Inn im bayerischen Chiemgau, sie ist aber ein Zentrum der neusten deutschen Aufrüstungsmanie. Im November 2024 begann dort mit dem ersten Spatenstich der Aufbau einer Fabrik des Rüstungskonzerns MBDA, in der Raketenmotoren für das US-Raketenabwehrsystem »Patriot« gebaut werden sollen. Kostenpunkt 250 Millionen Euro, erste Auslieferung voraussichtlich 2028. Markus Söder war beim Start dabei, bejubelte die Raketen als »Hightech von Weltrang« und sprach von Wehrhaftigkeit und Freiheit.
Am Mittwoch war er erneut vor Ort, nahm an der Grundsteinlegung für »eine der größten und modernsten Pulverfabriken Europas« (Mitteilung des Bundesverteidigungsministeriums) teil und fand sogleich die passenden Worte: »Da lassen wir es krachen.« Rheinmetall steckt in das Werk seiner Tochtergesellschaft Nitrochemie Aschau 800 Millionen Euro, um, so das Ministerium, »die Produktionskapazität von Treibladungskomponenten für Rohrartillerie und weitere großkalibrige Systeme signifikant« zu erweitern. Die »steigende Nachfrage« mache das nötig. Das Ministerium lobte Rheinmetall als einen »der wenigen Hersteller in der Munitionsfertigung«, der die komplette Fertigung abdecke – vom Pulver über den Zünder und die Geschosshülle bis zur Sprengladung. Das ermögliche »faire Preise«.
Aschau schickt aber tödlich Krachendes nicht nur in die Welt, manchmal explodiert die Pulverbude auch – zuletzt 2015 und 2017. Am Mittwoch wurde niemand in die Luft geblasen. Gefahr geht in und von Bayern nur von Problembären oder Tomatenwerfern, die auf den Ministerpräsidenten zielen, aus. Die Begeisterung war entsprechend, das Internetportal innsalzach24 titelte: »Aschau am Inn wird Hoffnungsträger der Aufrüstung.« Auf jeden Fall dürfte es demnächst in den Zielkatalog einiger Raketenstreitkräfte aufgenommen werden, »fair« und »hoffnungsvoll«.
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