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Fußball-WM

Leiden will gelernt sein

Spanien ist Fußballweltmeister, Titelverteidiger Argentinien unterliegt nach großem Kampf

Foto: /Hannah Mckay/REUTERS
Am Boden: Die Argentinier nach dem Schlusspfiff (New Jersey, 19.7.2026)

Sie hätten Geschichte schreiben können, Thomas Tuchel mit seinen Engländern und die Scaloneta mit der Titelverteidigung. Noch nie konnte ein Trainer, der nicht aus demselben Land ist wie sein Team, eine Fußball-WM gewinnen. Zwei erreichten immerhin ein Finale. Zuletzt der Wiener Grantler Ernst Happel. Im Finale 1978 zwischen Argentinien und den Niederlanden (bis zum WM-Finale von Katar das beste Fußballspiel aller Zeiten) standen nicht nur die besten Teams, sondern auch die besten Trainer ihrer Zeit (Happel gegen César Luis Menotti). Die Niederländer hielten große Stücke auf Happel, der Feyenoord Rotterdam zum Meister machte, auf Europas Thron setzte und den Weltpokal holte. Vor Happel war nur der Engländer George Raynor so weit gekommen. Er steht für eine Dekade des Ruhmes mit der schwedischen Auswahl, die 1948 zwar Olympiagold gewann, zehn Jahre später jedoch als WM-Gastgeber das Finale gegen das Brasilien von Pelé mit 2:5 verlor.

Tuchel hat einen guten Job bei den Three Lions gemacht (Platz drei ist ein Riesenerfolg), auch ohne seine Defensivwechsel wäre England gegen die Silberländer eingebrochen – sie haben im ganzen Spiel nur einmal aufs Tor geschossen, sie waren stehend k. o. Das waren auch die Argentinier im Finale gegen Spanien. Erst in der zweiten Hälfte der Verlängerung konnte der Europameister das Abwehrbollwerk der aufopferungsvoll kämpfenden Gauchos einmal knacken und somit auch sein zweites WM-Finale (nach Südafrika 2010) mit Minimaldifferenz gewinnen.

Eine hohe Rechtsflanke von Pedro Porro an den langen Pfosten, Argentiniens Schwachstelle bei der WM, holte der eingewechselte Nico Williams (MVP des EM-Finals) von der Torauslinie mit dem Kopf ins Spiel zurück, weil Nahuel Molina und Tormann Emiliano »Dibu« Martínez sich nicht einig waren – Ferran Torres bedankte sich mit einem satten Linksknaller in die Reusen. Der Titelverteidiger spielte ab der Nachspielzeit der regulären Spielzeit in Unterzahl, weil Enzo Fernández, der bereits wegen Meckerns verwarnt war, nach einem nicht unbedingt gelbwürdigen Foul an Pau Cubarsí vom Platz gestellt wurde (90. plus drei). Da hatte Scaloni längst schon drei von vier Verteidigern verletzt ersetzen müssen. Inter-Kapitän Lautaro Fernández, der die Verlängerung spielen sollte, kam so nicht mehr zum Zug, Trainer Lionel Scaloni musste statt dessen Marcos Senesi für Julián Álvarez bringen und auf Fünferkette umstellen.

Foto: Dylan Martinez/REUTERS 2026-07-20T094040Z_560200673_UP1EM7J1RVMIK_RTRMADP_3_SOCCER-WORL
Im Glück: Die Spanier nach dem Schlusspfiff (New Jersey, 19.7.2026)
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Argentinien hatte mit acht Spielern aus der Startelf des Katar-Finales begonnen. Der Kampf um den Ballbesitz war schnell entschieden. In Minute 113 hatte Spanien 744 (!) Pässe zu verzeichnen, Argentinien 324. Nicht Spanien lief, es waren Ball und Gegner. Dass Argentinien überhaupt noch Chancen aufs Elfmeterschießen hatte, war vor allem der Verdienst des gewaltigen Dibu Martínez, der zahlreiche Bälle entschärfte, und der von Linksverteidiger Nico Tagliafico, dem man für dieses Match getrost ein Denkmal bauen kann. Er machte Lamine Yamal zum Statisten.

Nach dem Führungstreffer des Europameisters wachte die Scaloneta auf, ein letztes Aufbäumen. Leiden will gelernt sein. Man kann sagen, Scalonis Truppe hat bei der WM die Geschichte eines Landes auf den Platz gemalt, mit all dessen Niederlagen und Rückschlägen. Doch wenn die Argentinier eines auszeichnet, dann, dass sie nie, niemals aufgeben. In den Schlussminuten hatten Messi und seine Freunde noch drei klare Möglichkeiten zum Ausgleich. Manche liefen vor Schmerzen längst nur noch auf einem Bein, andere rutschten auf dem Rumpf. Das Wunder fiel aus.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.07.2026, Seite 16, Sport

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