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Israel

Kein einfaches Leben

Israel: Ein Nachruf auf den jüdisch-israelischen Kommunisten und Journalisten Yossef Algazi (1938–2026)

Foto: Hannah Assouline/opale.photo/imago
Eines lag Algazi in seinem Werk immer am Herzen: »Der Ort, an dem Menschen leiden« (27.5.2005)

Die alte Generation von Kommunisten in Israel, ob jüdische Israelis wie Meir Vilner oder palästinensische Israelis wie Tawfik Toubi und Tawfiq Ziad (ehemaliger Bürgermeister von Nazareth), stirbt aus. Und es gibt kaum Nachwuchs. Um so größer ist die Trauer um Yossef »Yossi« Algazi, der am vergangenen Sonnabend im Alter von 87 Jahren gestorben ist.

Ofer Cassif, der einzige jüdische Israeli in der Fraktion des linken Wahlbündnisses Chadasch im israelischen Parlament, würdigt den großen alten Mann: »Algazi widmete sein Leben dem Aufdecken des Unrechts der israelischen Besatzung und der Politik der Diskrimination. Ihn motivierte die internationalistische Überzeugung, dass kein Volk frei sein kann auf Kosten der Unterdrückung eines anderen Volkes.« Vor allem, so fährt Cassif fort, war für ihn die jüdisch-arabische Partnerschaft kein Slogan, sondern sie war »Teil seines furchtlosen Kampfes, der zusehends einer Sisyphusarbeit glich«.

Algazi wurde 1938 in Alexandria in Ägypten geboren. Seine Eltern (die Mutter stammte ursprünglich aus der Türkei, der Vater aus Zypern) wanderten 1953 nach Israel aus. Bald schloss er sich der damaligen israelischen kommunistischen Partei Maki an und lebte im kommunistischen Kibbuz Yad Hanna. Seit dieser Zeit arbeitete er auch als Journalist, zunächst für die Parteizeitung Kol Haam. Nach der Spaltung von Maki 1965 schloss er sich der Rakach-Partei an, zusammen mit Toubi und Vilner. Er war Mitgründer und wurde Redakteur der neuen Rakach-Wochenzeitung Zo Haderech und war von 1968 bis 1970 als Sekretär der kommunistischen Fraktion in der Knesset tätig. Zudem schrieb er auch für die linksliberale Tageszeitung Haaretz von 1989 bis 2003.

Kurz nach der Einwanderung nach Israel wurde er für den Armeedienst gemustert – und schnell verhaftet, weil er kommunistische Flugblätter verteilte. Als er 1967 für den Junikrieg eingezogen wurde, erteilte man ihm den Befehl, die Stadt Al-Arisch südlich von Gaza zu »säubern«, sprich: die Bewohner dort zu erschießen. Er weigerte sich auf spezielle Art: Statt dessen schoss er sich in die Hand und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

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In einem Artikel in Haaretz von 2006 erinnert er sich: »Ich entschied mich im Bruchteil einer Sekunde, lud mein Uzi (israelisches Maschinengewehr) und schoss mir in die linke Hand.« Vom Krankenhaus aus verfolgte er den Verlauf und das Ende des Krieges. Er war entsetzt über die frenetischen Siegesfeiern in der israelischen Gesellschaft: »Die Siegeseuphorie weckte Furcht in mir vor der Zukunft. Ich war angewidert von der offenen Freude vieler Israelis angesichts der erschossenen ägyptischen Soldaten, deren leblose Körper am Boden lagen.« Auch die Begeisterung über die Flüchtlingsströme von vertriebenen Palästinensern über den Jordan erzeugte in ihm nur Ekel.

Sein Sohn, der 1961 geborene Historiker Gadi Algazi, erinnert sich an den Vater: »Seine journalistische Arbeit bestand nicht aus vertraulichen Gesprächen mit anonymen Quellen oder mit hochrangigen staatlichen Vertretern. Er war als Reporter auf der Straße unterwegs, schrieb über die Besatzung, über die Lage der palästinensischen Bürger in Israel, über Rassismus und Diskrimination, über äthiopische Juden und die Kämpfe der Arbeiter.«

Neben seiner journalistischen Tätigkeit und seiner Arbeit in der Partei schrieb Algazi Bücher in mehreren Sprachen: Hebräisch, Arabisch und Französisch. Außerdem lehrte er an verschiedenen Colleges und Universitäten. 2000 erhielt er schließlich den »Emil-Grünzweig-Menschenrechtspreis«, den die Vereinigung für Bürgerrechte in Israel vergibt – Grünzweig war 1983 bei einem Anschlag auf eine Friedensdemonstration in Jerusalem von einem extrem rechten Siedler getötet worden. Verliehen wurde ihm der Preis von Avraham Burg, damals Sprecher der Knesset und selber Opfer des Anschlages. Burg ist heutzutage verschrien im Lande, wegen seiner schonungslosen Kritik am Völkermord in Gaza. Kommunisten wie Algazi oder Cassif gehören aus Sicht des Netanjahu-Regimes direkt ins Gefängnis.

Algazis Tod ist Anlass, sich seitens der Linken in Deutschland näher mit den Kommunisten in Israel zu beschäftigen. Dazu gehört auch die faszinierende Geschichte der palästinensischen Kommunisten während der kolonialistischen »Mandatszeit« oder die Teilnahme von 300 von ihnen an den Kämpfen gegen die Faschisten in Spanien.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.07.2026, Seite 6, Ausland

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