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Kollektive Nothilfe

Wie helfen Sie den Überlebenden?

Venezuela: Basiskollektive sammeln und verteilen Lebensmittel nach dem Erdbeben, berichten Leonardo Angulo und Jonathan Rodríguez

Foto: REUTERS/Leonardo Fernandez Viloria
Hilfskräfte betreuen in einer Notunterkunft vom Erdbeben betroffene Kinder (Caracas, 15.7.2026)

Der genossenschaftliche Dachverband Cecosesola aus mehr als 50 venezolanischen Kooperativen leistet seit dem schweren Doppelerdbeben vom 24. Juni Nothilfe für die Überlebenden. Wie sieht diese Hilfe genau aus?

Leonardo Angulo: Die von uns betriebenen Familienmärkte dienen seit dem 25. Juni als Sammelstellen für Spenden. Wir haben auch Versorgungsgüter und haltbare Lebensmittel nach Caracas transportiert. Bei einer ersten Fahrt machte sich eine Gruppe von Compañeros, die auf den Märkten arbeiten und aus verschiedenen Genossenschaften stammen, sowie ein Team aus Krankenschwestern, Unfallchirurgen und Allgemeinärzten auf den Weg. Es waren etwa 15 Kollegen mit fünf Autos. Sie richteten im Kulturpark »Tiuna el Fuerte« in Caracas eine Sammelstelle ein und verteilten von dort aus die Hilfe in der Region La Guaira.

Bei einer zweiten Fahrt vor zwei Wochen machten sich 17 Kollegen auf den Weg. Dabei wurden haltbare Lebensmittel, medizinische Versorgungsgüter und Trinkwasser sowie mehr als 1.000 Arepas (traditionelle Maisfladen, jW) und 500 Sandwiches mitgenommen. Dazu kamen 400 fertige Mittagessen. Alles wurde direkt verteilt. Wir sind auch in die Ortschaften von Chabasquén (im westlichen Bundesstaat Portuguesa, jW) gefahren, die von starken Regenfällen und Überschwemmungen betroffen sind. Auch dorthin brachten wir Lebensmittel und Kleidung – alles Spenden aus den Gemeinden.

Jonathan Rodríguez: Vorrang hatten für uns die Rettungskräfte und die Freiwilligen, die so viel dazu beitragen, Menschen zu bergen und Verletzte zu versorgen. Die Idee war, so gut wie möglich zu helfen, damit diese Menschen gut versorgt und ernährt wurden. Das war der Beitrag, den wir in diesem Katastrophengebiet, das La Guaira heute ist, leisten wollten.

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Wie ist dabei Ihr Verhältnis zu staatlichen Institutionen oder Organisationen der Volksmacht wie Gemeinderäten und Kommunen?

J. R.: Wir leisten diese Spenden oder Hilfsmaßnahmen als organisierte Gemeinschaft. So einigen wir uns und entscheiden gemeinsam, was jeder beitragen wird. Für die erste Fahrt mussten wir bei staatlichen Stellen eine Genehmigung beantragen, um nach La Guaira gelangen zu können, da dort eine Zugangsbeschränkung galt. Dank der guten Beziehung, die wir seit Jahren zum Ministerium für Kommunen über die Nationale Aufsichtsbehörde für Genossenschaften pflegen, hatten wir die Möglichkeit, diese Genehmigung zu beantragen, die nicht leicht zu erhalten war. Diese Möglichkeit hatten wir auch, weil wir auf nationaler Ebene gut bekannt sind. Man weiß also, welche Arbeit von Barquisimeto (Hauptstadt des westlichen Bundesstaates Lara, wo Cecosesola gegründet wurde, jW) und vielen anderen Orten in Venezuela aus geleistet wird. Unsere Arbeit ist absolut ehrlich und transparent. Bei sehr vielen Organisationen haben wir uns Respekt erarbeitet.

Welche Probleme ergaben sich im Rahmen Ihrer humanitären Arbeit?

L. A.: Das Wetter, genauer: der Regen. Vielleicht auch die Müdigkeit. Aber es war eine angenehme Müdigkeit, denn das, was man tat, erfüllte einen mit Solidarität, mit Liebe … Es erfüllte einen einfach. Das erste Team hatte das Problem, sozusagen als Expedition zu fungieren. Sie mussten sich vor Ort ein Bild davon machen, was passiert war. Dann um zwei Uhr morgens ins Bett gehen und um vier Uhr wieder aufstehen, um das Frühstück zu verteilen. Aber wir konzentrieren uns nicht so sehr auf die Schwierigkeiten. Vielmehr auf alles, was wir geleistet und überwunden haben. Auf die unglaubliche Resonanz, die es in den Gemeinden gibt. All das stellt die Schwierigkeiten, die wir vielleicht hatten, völlig in den Schatten.

Wie blicken Sie auf die anhaltenden Aktionen internationaler Organisationen, die nach dem Erdbeben zur Unterstützung der Venezolaner ins Land strömten?

J. R.: Dazu kennen wir Berichte in den Medien und sozialen Netzwerken. Unsere Informationen sind aber begrenzt, so dass wir keine umfassende Bilanz ziehen können. Was wir jedoch sagen können, ist, dass wir all jenen Ländern, die humanitäre Hilfe geschickt haben, sehr dankbar sind. Viele Menschen haben nun einen Hoffnungsschimmer, dass sich die Dinge vielleicht nach und nach zum Guten wenden werden. Wir wissen, dass es viele Rettungs- und Erste-Hilfe-Teams gibt. Einige ziehen sich bereits aus unserem Land zurück, da sie ihre Aufgaben erfüllt haben. Die Welt blickt derzeit auf Venezuela. Viele wollen irgendwie Solidarität zeigen. Das ist das Schöne an dieser schrecklichen Situation, die wir gerade durchleben.

Leonardo Angulo und Jonathan ­Rodríguez sind Teil des Kommunikationsteams von Cecosesola. Der venezolanische Genossenschaftsverband Central Cooperativa de Servicios Sociales de Lara wurde 1967 gegründet.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.07.2026, Seite 2, Ausland

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