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Koch, Hohmann, Gotthardt

Foto: teutopress/IMAGO
Sehr umtriebig: Marianne Koch

Schauspielerin und Ärztin Marianne Koch ist in Gesundheitsfragen ein Vorbild, das zeigt sich auch darin, dass sie Mittwoch 95 wird. Erst im vergangenen Jahr ist sie im Bayerischen Rundfunk, wo sie jahrzehntelang eine Ratgebersendung moderierte, in »Rente« gegangen, gibt aber gerade im Zusammenhang mit ihrem Geburtstag noch manch Interview. Koch war die nichteheliche Tochter eines jüdischen Münchner Arztes, der als Nazikritiker verfolgt und in den USA ein angesehener Mediziner wurde. Die Tochter lernte den Vater erst spät kennen, als sie zu Dreharbeiten nach Hollywood gekommen war. Sie hatte mit 17 begonnen, Medizin zu studieren und sich das Studiengeld mit kleinen Arbeiten bei der Münchner Bavaria-Film verdient. Dort wurde sie als frische junge Darstellerin entdeckt. Filmangebote überschlugen sich ab 1950, so dass sie das Studium für zwei Jahrzehnte unterbrach und mit 40 Jahren wieder aufnahm. Vom Bildschirm nahm die Mutter zweier Söhne jedoch keinen Abschied. Nicht nur mit lukrativen Werbespots für ADO oder Lux und im Rateteam von »Was bin ich?« blieb sie präsent, auch als hartnäckige Nachfragerin in der Talkshow »3 nach 9« ist sie unvergessen. Wie man sie kennt, wird sie auch im Ruhestand nicht faulenzen, sondern neue Bücher schreiben.

Marianne Koch hatte schon ein Jahrzehnt intensiver Filmarbeit hinter sich, als die auf den Tag gleichaltrige Thüringerin Ruth Hohmann um 1960 ins Licht der Öffentlichkeit trat. Die Wahlberlinerin sang bei Walter Kubiczek Schlager mit Jazzklängen, ehe sie 1961 als erste in der DDR einen Berufsausweis als Jazzsängerin erhielt und beispielsweise mit Günter Hörig und den Dresdner Tanzsinfonikern oder den Jazz Optimisten Berlin auftrat. Als singende Schauspielerin agierte sie 1965 in der Titelrolle der Fernsehoper »Hete« von Helmut Sakowski und Jean Kurt Forest, die aus kulturpolitischen Gründen nicht gesendet wurde. Hohmann widmete sich für einige Jahre der Nachwuchsausbildung, ehe sie nach dem VIII. Parteitag der SED wieder als Jazzsängerin mit dem Jazz-Collegium gefragt war. Bis zum 90. Geburtstag blieb die »deutsche Ella Fitzgerald« in der Jazzszene aktiv, und aktuell erscheint ihr Hörbuch »Jazz reicht’s« in einer Neuausgabe.

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Bei Hohmanns umfangreicher Arbeit, auch für internationale Festivals und Defa-Filme, wäre es ein Wunder, wenn sie nicht mit Peter Gotthardt zusammengearbeitet hätte. Er schrieb ihr 1984 Chansons nach Louis Fürnberg zum Hörspiel »Der arme Heinrich«. Der aus Leipzig stammende Gotthardt, ein musikalischer Tausendsassa, wurde als Filmkomponist bekannt. Streifen von Winfried Junge, Heiner Carow, Ralf Kirsten und Herrmann Zschoche verlieh er den angemessenen Sound. Der bekannteste dieser Filme wurde die mit Flowerpower umrahmte »Legende von Paul und Paula« (1972/73), für die Gotthardt die Puhdys entdeckte, die bis dahin noch eine randständige Rockgruppe waren und fortan die Spitze in der DDR mitbestimmten. Peter Gotthardt ist zehn Jahre jünger als die beiden Damen und feiert am Sonnabend Geburtstag.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.08.2026, Seite 10, Feuilleton

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