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Wehrunwille wächst
Steiler Anstieg: Fast 6.000 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung allein im ersten Halbjahr 2026
Eigentlich hatte das Verteidigungsministerium die Anzahl von Anträgen auf Kriegsdienstverweigerung zur Verschlusssache erklärt. Dennoch hat das dem Familienministerium unterstellte Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Dienstag aktuelle Zahlen mitgeteilt. Demnach ist die Anzahl der Anträge auf Verweigerung »steil« angestiegen. Bereits 5.862 Anträge seien allein im ersten Halbjahr 2026 beim Bundesamt eingegangen – eine deutliche Zunahme im Vergleich zum vergangenen Jahr. So hatten im gesamten Jahr 2025 noch 3.867 Menschen einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt, 2024 waren es 2.998. Laut RND waren 2011, als die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, 4.348 entsprechende Anträge gestellt worden.
Es scheint, als habe jemand im Bundesamt für Familie das Memo nicht bekommen, oder aber die neuerliche Veröffentlichung der Zahlen ist eine Abkehr von der zuletzt geübten Regierungspraxis, keine genaueren Angaben mehr zu Kriegsdienstverweigerern zu machen.
Noch Anfang Juni hatten mehrere Linkspartei-Politiker um die Abgeordneten Desiree Becker, Gökay Akbulut und Janina Böttger von der Bundesregierung Auskunft zur Umsetzung des »Wehrdienstmodernisierungsgesetzes« verlangt und unter anderem gefragt, wie viele Verweigerungsanträge in diesem Jahr schon gestellt wurden. Doch die Regierung drückte sich um eine Antwort in öffentlicher Form und verwies auf das »Staatswohl«. Denn »Unbefugte« könnten aus den Zahlen »vermeintliche Rückschlüsse auf die Aufwuchsfähigkeit und die Personalbedarfsplanung der Bundeswehr« ziehen. Kriegsgegner wie die DFG-VK hatten die staatliche Geheimniskrämerei scharf kritisiert.
Die Bundesregierung plant, die deutsche Armee zur stärksten nichtatomar bewaffneten Streitkraft des europäischen Kontinents hochzurüsten. Dafür fließen nicht nur Milliardensummen in neues Kriegsgerät, auch Zehntausende neue Soldaten sollen angeworben werden. Als Zielgröße werden immer wieder rund 270.000 aktive und mindestens 200.000 Reservesoldaten genannt, auch wenn Militärs wie der ehemalige Heeresinspekteur, Generalleutnant a. D. Alfons Mais, bereits erhebliche Zweifel äußerten und von einem deutlich höheren Personalbedarf von bis 800.000 Soldaten ausgehen. So legte Mais Anfang Juni in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Defence Network dar, dass allein die Teilstreitkraft Heer »100.000 zusätzliche aktive Soldaten und 200.000 Reservisten zusätzlich braucht«. Er sei sich »absolut sicher, dass die Zahl irgendwo bei 700 bis 800.000 liegt. Dann muss man sich darüber unterhalten, wie viel davon sind aktiv und wie viel davon müssen aus der Reserve kommen.«
Doch bisher sieht es so aus, als könnte die Bundeswehr noch nicht einmal die Anzahl von 460.000 aktiven Soldaten und Reservisten ohne Zwangsdienst an der Waffe erreichen. Im Gespräch mit Spingers Welt (Dienstagsausgabe) berichtete der Wehrbeauftragte Henning Otte (CDU) von kuriosen Beschwerden. So hätten sich Berufssoldaten bei ihm darüber beklagt, »dass sie ihre Stuben für erwartete Freiwillige räumen mussten, die dann gar nicht in der prognostizierten Zahl kamen«.
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Onlineabonnent*in Jens R. aus T. 15. Juli 2026 um 19:38 UhrFast 6.000 KDV-Anträge in sechs Monaten – das ist für den Anfang viel. Ziel muss aber sein, dass deutlich mehr den Kriegsdienst verweigern. Laut Bundeswehr (https://www.bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/neuer-wehrdienst/fragebogen) werden pro Jahr 350.000 junge Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit 18 Jahre alt und von ihr angeschrieben. Würden auch nur fünf Prozent davon verweigern, wären das 17.500, also deutlich mehr als die 12.000, die man für 2026 erwarten kann. Wie können mehr Jugendliche motiviert werden, den Kriegsdienst zu verweigern? Darüber müssen wir diskutieren. Kriegdienstverweigerung rettet Menschenleben! Jens Rüggeberg
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Roland Weinert aus 65366 Geisenheim 15. Juli 2026 um 11:00 UhrDas gefällt mir sehr gut! Jeder (!) hat das Recht auf Widerstand. Niemand hat die Pflicht, sich z. B. in Stellvertreterkriegen abschlachten zu lassen und diese auch noch qua Steuern zu finanzieren, sich für Interessen Dritter wie Blackrock und Co., Hofreiter/Röttgen/Steinmeier/Merz/Strack-Zimmermann/Melnyk/Selenskij usw., Schurkenstaaten wie die USA oder Deutschland in einen wie auch immer benannten Krieg hetzen zu lassen. (…) Seit dem 24.02.2024 reden »wir«, u. a. von den ÖRR und sonstigen Mainstreammedien einseitigst hetzend befeuert, ausschließlich über Gewalt-/ Kriegsgestaltung als Instrumente zur »Zukunftssicherung«. Diese Idiotie-Idee funktioniert seit über 2026 Jahren nachhaltig gar nicht. Wieso reden wir (!) nicht über die Gestaltung von »Ewigem Frieden« und die »schnellstmögliche Herbeiführung von größtmöglichem Weltwohl«? Ich fordere eine Volksbefragung über Krieg und Frieden! P.S.: Es ist ein Unding, dass Rheinmetall in einem Berliner Wohngebiet eine Munitionsfabrik betreiben darf. Auch an dieser Stelle protestiere ich auf das Schärfste dagegen. Literaturhinweise: Carl Friedrich von Weizsäcker, Der bedrohte Friede heute (Mai 1981). Eugen Drewermann, Kapital und Christentum, 3 Bde. (Geld, Gesellschaft und Gewalt, 2016/Finanzkapitalismus, 2017/Von Krieg zu Frieden, 2017). Rainer Mausfeld, Hybris und Nemesis (2023).
Dazu auch: »Wir sind alle Terroristen«, 1985, Text/Musik: Georg Kreisler: »Wir sind doch alle, alle, alle Terroristen. Es lebt in ganz Deutschland kein Demokrat. Wir sind Terroristen gegen die Frauen, gegen die Kinder, die uns vertrauen, aber nicht einer gegen den Staat. Die meisten schrein schon früh am Morgen: Na, was ist denn? (...) Wir sind Terroristen gegen die Liebe, gegen die Faulenzer, gegen die Diebe, aber nicht einer gegen den Staat. Dabei ist grad der Staat das größte Übel, das alle Menschen seit Jahrhunderten versaut; und jeder einzelne von uns ist nur ein Dübel, in den der Staat den Nagel seiner Allmacht haut. Und letztlich macht uns dieser Staat zu Terroristen, denn wir sind seine Bürger und sein Fabrikat. Wir werd'n Terroristen gegen die Stille, gegen die Abtreibung, gegen die Pille, gegen die Schwulen, denn um die ist’s nicht schad – aber nicht einer gegen den Staat. Weißt du, was das heißt: Polizeipräsident? Weißt du, was das heißt: Infanterieregiment? Was heißt Kommissar, Kabinett oder Bundeskanzler? Macht heißt es! Was heißt Parlament oder Bürgermeister? Immer nur gib acht, heißt es! Andere bestimmen, ob du stirbst oder ob du lebst; andere bestimmen, was du denkst und wonach du strebst – und sie bestimmen dich zum staatlichen Terroristen. Du kriegst einen Titel und ein Zertifikat. Dann bist du ein Starker, und fort mit den Schwachen. Und außerdem sagst du: Was soll ich denn machen? Ich kann doch nicht leben ohne den Staat! So lebst du mit dem Staat, das ist bequemer. (…) Du wirst Beamter, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, gehst in Pension und denkst: Ach, leckt mich doch am Arsch. Ja, wir sind alle, alle, alle Terroristen. Wir nennen’s nur anders – das ist es ja grad. Doch wir sind Terroristen gegen das Leben, gegen das Träumen, Lavieren und Schweben, gegen die Dichter und gegen die Narren, gegen die Sänger und ihre Gitarren, gegen den Sex, gegen alles und nichts, aber etwas gibt’s immer, weil sonst wird’s ja fad, nur gegen eins nicht: gegen den Staat.«-
Wir sollten nicht so naiv sein zu glauben, heute noch geltende Rechte würden irgendjemanden von uns auch im Kriegsfall zuverlässig schützen. Ein Blick in die Ukraine reicht, um zu erkennen: Im Krieg zählt das Recht keinen Groschen. Notfalls wird man dort hingeprügelt. Erschossen oder aufgehängt. Mahnende Tafeln für das, was beispielsweise am Ende des Zweiten Weltkrieges geschah, gibt es hier in Berlin genug. Und Grund, sie immer wieder zu lesen, auch.
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Frank Lukaszewski aus Oberhausen 14. Juli 2026 um 21:56 UhrBildung, ArbeitnehmerInnennrechte, Renten, Pflege, Krankenversorgung usw. Überall im weit gefassten sozialen Sektor soll kräftig gespart werden. Selbst (für fast alle bisher noch erschwingliche) Fischstäbchen könnten durch neue Sanktionen gegen die Russische Föderation möglicherweise bald zu 50 Prozent ausschließlich aus Panade bestehend kredenzt werden müssen (FAZ, 14.07.26). Aber in Kriegsvorbereitungen sind unzählbare Milliarden für sogenannte »Investitionen« ein Klacks. Desto erfreulicher ist es, dass immer mehr junge Menschen den Kriegsdienst in der Bundeswehrmacht, also die Vorbereitung, frühzeitig den Tod ins Auge zu blicken, verweigern. Hoffnung stirbt ja zuletzt.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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