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Kino

Freuden des Verzichts

Will Glucks so totalitäre wie sittsame Sexkomödie »One Night Only«

Von David Siegmund-Schultze
Sex
Foto: © Universal Studios
Sexfrei und Spaß dabei: Allie (Monica Barbaro) und Owen (Callum Turner)

In der Filmkomödie »One Night Only« ist die Kontrolle des US-Staats über die Körper seiner Bürger total. Vorehelicher Sex ist verboten, und jedem Menschen wurde ein Chip implantiert, mit dem die Einhaltung des Verbots rigoros kontrolliert werden kann. Nur in einer Nacht im Jahr ist – warum auch immer – Sex zwischen Unverheirateten erlaubt. Ein bisschen wie bei »The ­Purge« (2013), aber mit Sex statt Gewalt. Regisseur Will Gluck und Drehbuchautor Travis Braun kamen auf die glorreiche Idee, dieses dystopische Szenario für eine lockerleichte Romcom zu nutzen. Eine Krypteia der Lust. Das scheitert auf ganzer Linie.

Der coole Pizzabäcker Owen (Callum Turner) wird zu Beginn der zwölfstündigen Freifahrt von seiner Partnerin versetzt, während die beste Freundin von Allie (Monica Barbaro) schon nach wenigen Minuten einen Auserwählten findet. So streifen die beiden alleine durch die Nacht. Er auf der Suche nach schneller Befriedigung und sie auf der Suche nach einer echten Verbindung. Doch während links und rechts alle übereinander herfallen, bleiben Owen und Allie erfolglos.

Mal wundert er sich, dass er im Haus seiner Mutter von dieser beim Beischlafversuch auf der Wohnzimmercouch überrascht wird, mal wird er beim Onlinedating in einen Hinterhalt gelockt, mal fehlt das gesetzlich vorgeschriebene Kondom. Sie wiederum geht einem Betrüger auf den Leim, wird von lauter Notgeilen belästigt und ist überrascht, dass ihr Popstaridol doch nicht als Liebe des Lebens taugt. Aber wie es der Zufall (oder das Schicksal) will, kreuzen sich ihre Wege immer wieder aufs neue. Irgendwann bleibt den beiden keine andere Wahl, als einzusehen, was für den Zuschauer bereits ab Minute fünf klar war: Sie sind einfach füreinander bestimmt. Warum sich die beiden aber – außer wegen des Umstands, die Protagonisten einer Romcom zu sein – nach ein paar Stunden mehr oder weniger tiefgründiger Konversation sicher sind, sich über alles zu lieben, bleibt ein Rätsel.

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So weit, so vorhersehbar, so genretypisch. Was den Film aber wirklich schlimm macht, ist die Prämisse. Die eignet dem leichten Genre nämlich schlecht. Zwar wird das puritanische Gesetz, feuchter Traum der evangelikalen Rechten, im Film gelegentlich kritisiert – hier und da sind pflichtbewusst Protestschilder oder -graffiti zu sehen. Doch statt auf wirklichen Widerstand zu treffen (auch daraus hätte sich Komisches gewinnen lassen), wird die Ausnahme eher wie ein nationaler Feiertag begangen, an dem das ausschließlich aus durchtrainierten Männern und extrem attraktiven Frauen bestehende New York es enthusiastisch miteinander treibt. Alle gehorchen. Vor allem Owen, letztlich von seiner Triebhaftigkeit »geheilt«, und Allie, deren Warten auf den einen sich schließlich »gelohnt« hat. Anstatt ihre Lust auszuleben, beschließen sie, lieber ein Jahr zu warten (Sex muss bei wahrer Romantik natürlich hintangestellt werden), um erst dann glücklich ins Bett zu steigen – ganz gesund, ganz sittlich. So als wolle der Film uns sagen: Wenn es um Sex und Liebe geht, ist ein bisschen autoritärer Staat doch gar nicht so schlecht.

Ideologiekritisch gestimmt, mag es scheinen, als solle hier jugendliches Publikum an totalitäre Politik gewöhnt werden. 102 Minuten Productplacement für eine Kondommarke gibt es obendrauf. Was wiederum, bei so viel Freude am Verzicht, nicht unkomisch ist.

→ »One Night Only«, Regie: Will Gluck, USA 2026, 102 Min., Kinostart: heute

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.08.2026, Seite 11, Feuilleton

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