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WM-Kolumne

Gemüt

→ Gras

Foto: Joeran Steinsiek/IMAGO
Lach doch mit: Magenta-TV-Kerny gut drauf in Vancouver

Ist ein paar Lesern aufgefallen, dass mir in diesem Sammelsurium aus Tagebuchschnipseln, Perzeptionssplittern, Generalerwägungen, Reminiszenzen und anderweitigem Schrott kein Wörtlein zu meinem Spezi Johannes B. Kerner entfleucht ist? Zu jenem Titanen, der alle Fernsehinstitute der Welt unter seine Knute gezwungen hat und der sich derzeit als Moderator bei Magenta TV spreizt? Um vor laufenden Kameras Kylian Mbappé zu herzen?

Der gegenüber subalternen Kräften diktatorisch auftretende Superstar, der mich während der Europameisterschaft 2004 anrief, weil die Redaktion der Frankfurter Rundschau so dämlich gewesen war, meine Nummer rauszureichen, und am Telefon eine knappe Stunde lang vollpestete, ich sei ein Wortverdreher und eine charakterliche Ruine?

Die Eier, mich zu verklagen, hatte er selbstverständlich nicht. Die Wiedergabe seines Geschwurbels war so korrekt gewesen, wie es die Feststellung ist, dass in der Sahara Sandkörner herumliegen.

Ich war, Kerny sei mir nicht gram, damit beschäftigt, dem Mertesacker und dem Kramer meine Ohren zu schenken. Die SZ hatte letzterem ein ganzseitiges Interview eingeräumt, in dem präzise: nichts stand – außer einem Doppelschmant. Kramer: »Meine Story heißt ›Unerwartet überraschend‹.« Oder: »›Limit ohne Grenzen‹«.

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Kramer ist ein Suppenkarl, der innert zehn Sekunden dreimal »wenn’s Sinn macht« rausrotzt, daneben »wenn sie am Ende finishen«, »Impact« und »Boxbesetzung« und: »Sie spielen Vier-Raute-zwei« (und nicht Route 69) – oder: »Wir bedrohen immer jede Schnittstelle«, »Dembélé ist der beidfüßigste Spieler der Welt«, »Euphorie ist sowieso immer krass unterschätzt« und »jeden Abschluss mit einem Abschluss abschließen«.

Mertesacker hinwieder wird für ein Amt beim DFB gehandelt. Daher nobilitiert ihn der oberbayerische Patron Uli Hoeneß (der ließ 2006 einen vorproduzierten Beitrag von mir aus einer Talkshow auf Eurosport entfernen): »Alles, was Per Mertesacker im Fernsehen sagt, hat Hand und Fuß.«

Meine – wegen des betäubenden Überdrusses – spärlichen Belege: »’ne gewisse Boxpräsenz auch zu schaffen«, »Abseitssituationen erschaffen, um so was zu entrücken«, »Das ist ja sprachlos, wirklich«.

Vielleicht habe ich Kerny auch missachtet, da Wolffi Hand und Fuß meine Magenta-Aufmerksamkeit absorbierte. Eine Kostprobe aus dem Viertelfinale des Franzmanns gegen die Wüstensöhne: »Die Hitze scheint dem Tempo des Spiels ein bisschen aufs Gemüt zu schlagen.«

Ich leihe mir mal eine Annotation von Mats Hummels aus: »Ich seh’ nicht, wo da ein Analysegrund ist.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.07.2026, Seite 10, Feuilleton

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