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Stadion
Gras
Bis kurz vor Spielbeginn war ich der einzige im Seven Bistro. Auf der Straße bölkten sie zum zermürbenden, faschistoiden Bumm-bumm-bumm-krach-krach-krach-Eisenstangendiskosound, mit dem man den gesamten Planeten beschallt.
Nach dem letzten Nationalhymnenakkord kreuzten die drei standhaften Freunde doch noch zusammen auf: der Lerd, der Rainer und der Ungar.
Wir einigten uns problemlos darauf, dass Vinícius Júnior dem juvenilen Roberto Blanco wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Was die Grafik »Match Momentum« (Schreibweise der FIFA) mit ihren gefurchten Kurven darstellt, erfasste niemand von uns. Am ehesten bildet sie die statistische Verteilung von Ballbesitz und Chancen, das heißt die jeweilige Dominanz ab, aber bestimmt nicht ein Momentum, eine Gelegenheit. Matthäus fuhr jüngst im Bild-Videopodcast »Lothar legt los« zu Recht aus der Haut: »Dieser ganze Quatsch! Nur noch Taktik, Taktik und Statistiken!«
Nicht vorwerfen lässt sich der WM in Amerika, es seien phantastische Summen in Stadionneu- oder -umbauten geflossen. Für Torheiten dieser Art ist die marode, immer hässlicher werdende und praktisch zahlungsunfähige Pegnitzperle Nürnberg zuständig. Seit Ewigkeiten plant man den »Vollumbau« des erst für die WM 2006 grundsanierten, einwandfrei funktionsfähigen Stadions, warum, versteht niemand – braucht niemand, irrsinnige Kosten (mindestens dreihundert Millionen), Luftbuchungen auf eine Zukunft mit dem FCN in der Bundesliga und, mal seh’n, haha, der Champions League. So vermessen und bekloppt sind sie nur in Nürnberg. Die Stadt muss weg.
Dem »Nahezu-Totalabriss« (Klaus Werthner, Landschaftsarchitekt), dem Abbruch fielen sämtliche Gebäudepartien und Installationen von 2005 zum Opfer – eine astreine Kapitalvernichtung. Für einen zusätzlichen »Sportcampus« (Kostenpunkt: weitere dreihundert Millionen) hätte eine alte, geschützte Eichenallee umgenietet werden müssen. Das wurde jetzt durch Bürgerbündnisse verhindert, unter Beteiligung von Günther Koch.
Größenwahn, Peinlichkeit, Verleugnung. Ob die »rechteckige Rappelkiste« (Werthner) dennoch an die Stelle des historischen Achteckstadions gepflanzt wird, bleibt offen. Vielleicht stapft ja der Klingbeil mit seinem prallen Klingelbeutel vorbei und erfüllt den Verrückten im Rathaus und im Vereinsheim ihren perversen Megatraum.
Übrigens hat der Klub gerade seine komplette erste Abwehrreihe verscherbelt. In Sachen Defensive darf er gerne bei der Nationalelf beratend tätig werden. Packt es an!
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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