- → Sport
Punk
Gras
Punkrockkommunistenfreund Dehler war mit einer Verzögerung von drei Stunden angekommen. Er ist ein ungemein rücksichtsvoller Mensch. So Kerle retten die verratzte Welt.
Ich hatte ihm gemailt, dass ich an einem verzwickten Text hocke, der fertig werden müsse. In völliger Selbstverständlichkeit entschied Dehler daraufhin, seine Reise in Schweinfurt zu unterbrechen und ein Bier zu trinken, um mir die nötige Ruhe zu gewähren.
Ich habe die Punks der achtziger Jahre außerordentlich gemocht. Sie waren der letzte lebenspraktische Ausdruck der Arbeiterklasse. Sie trugen den Omis die Einkaufstüten heim. Sie kloppten sich nie. Es umgab sie ein Flair, das signalisierte: Der Staat kann mich kreuzweise. Sie waren die wahren Sozialen. Sie waren höflich und hätten den Deibel getan, neubauermäßige pestilenzialische Selfievideos in den Äther zu keifen.
Dehler rückte mit einem Sixpack Roth Pilsner Premium von der Roth Bier GmbH, Obere Straße 24, 97421 Schweinfurt an. Da biste baff.
Dehler meidet den Fußball seit längerem. Er ist zum Eishockey konvertiert. Dessen mediale Verwurstung scheint nicht minder defizitär als jene des Fußballs zu sein. Anfang Mai hatte mir Dehler zum Playoff-Finale geschrieben: »Zum Beispiel spielten die Berliner nicht schnell, sondern gingen ›in die Geschwindigkeit‹, und die Mannheimer konterten nicht, sondern gingen ›in den Konter‹, so der Kommentator Sebastian Schwele. Weitaus mehr verblüffte mich aber, wie das Verb ›verteidigen‹ im Sportreporterjargon mittlerweile gebraucht wird. Bisher ging ich davon aus, dass man sich oder ein Kollektiv (im sportlichen Wettbewerb: eine Mannschaft), dem man angehört, gegen einen Gegner verteidigt. Aber nun ist die Rede davon, dass ein Abwehrspieler einer Mannschaft einen angreifenden Spieler der anderen, gegnerischen Mannschaft ›gut verteidige‹. Wie soll man das verstehen? Ist in einem solchen Falle der Verteidiger fahnenflüchtig geworden und verteidigt nun das gegnerische Team gegen sein eigenes? Formalsemantisch betrachtet wäre dies der logische Schluss. Aber gemeint ist, dass der Verteidiger im ganz konventionellen Sinne seinen Job erledigt und den gegnerischen Spieler daran hindert, Tore zu schießen.«
Im lauschigen Hinterhof des Seven Bistro meinte Dehler zu den bürokratischen Arabesken von Oliver Schmidt (Portugal/Spanien): »Man kann ihnen nur in den Arsch treten.« Und er zitierte aus seinem Lieblingsfilm »Brust oder Keule«: »›Und deine Entscheidung ist definitiv?‹ – ›Ja, ganz tief.‹«
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
