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Imagination
Gras
Normalerweise lägen noch sechs oder sieben Kolumnen vor mir. Heuer habe ich weitere zwölf oder dreizehn Pretiosen runterzupeitschen. Prima. Ich wachse an den Aufgaben, und die junge Welt macht mich richtig reich.
Ich male mir aus, wie ich die Showtreppe in der »WM-Arena« des ZDF herunterschreite oder – stolziere, ich, der Frank Elstner (den ich kennengelernt habe, sehr guter, höflicher Mann!), ja, der Frank Elstner der gesalzenen, gepfefferten und dreimal dialektisch umgerührten Fußballdiskursanalyse.
Ich male mir aus, wie ich mich auf die Studiocouch fläze und dem Migrationsbeauftragten und Donald-Trump-Ausleuchter Streich einen drüberstreiche, diesem dumpfen Besserwisser (»Sandwichpressing«), diesem Zerstörer jeglichen Esprits, diesem durch und durch soldatischen Krampfhammer.
Während ich den Sackhosenkaspern Merti und Chrissy lausche, leere ich eine Flasche Fanta, danach fliege ich per Hyperwarpairtaxi nach Houston und verwandele mich in Gari Paubandt, greife wahllos in den Wörtersetzkasten hinein, werfe die Bausteine in die Luft, fange sie auf und lese die nach dem Zufallsprinzip entstandenen Sätze vor: »Ein bisschen ein Zeichen, das hier den Eindruck spiegelt«, »Wenn er den in den Lauf bekommt, dann hat er vielleicht auch den besseren Fokus im Abschluss«, »Einer, der sich meist nicht aufdrehen kann«, »Hier atmet die Situation noch«, »wenn man diesen Kopfstoß als Torschuss gelten möchte«, »Das Klatschen hat verraten, dass er zufriedener ist«, »Jetzt braucht es noch mehr Kanada heute«, und ich kippe eine Pulle Eistee ab.
Ich ziehe ein Resümee: »Marokko hat sich brutal schwergetan, überhaupt Abschlussmomente zu kreieren«, doch »am Ende des Tages« hat Marokko das Achtelfinale gerockt, hurra, und ich kabele mich ab und werde in die Hölle gebeamt, wo ich bei »einem Jägermeister nach dem anderen« (Polt) wiederholt gelobe, von heute an alle Medienmachenden dieses metaphysisch depravierten Gemeinwesens zu besingen und zu vergöttern.
Kein Daffke: Das habe ich im Seven Bistro taggeträumt, und draußen tobte die Kerwa. In der Toilette im Keller wollte sich dann eine junge Frau das Leben nehmen. Ärztliche Hilfe war Gott sei Dank rasch da. Die Frau schrie und schrie, als man sie die Treppe hinauftrug.
Chris, der Sanitäter ist, sagte: »Schwerer psychischer Schock. Wahrscheinlich Drogen.«
Und ich beschäftige mich mit Fußball.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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